Reiches Land, armer Mittelhaushalt
Die fünfte Welle der Bundesbank-Vermögensbefragung, erhoben 2023 und vorgestellt am 10. April 2025, zeigt: Das Vermögen des mittleren deutschen Haushalts ist gesunken, nominal von 106.600 auf 103.200 Euro, real (in Preisen von 2010) von 90.500 auf 76.000 Euro. Der Mittelwert stieg im selben Zeitraum nominal an.
Die gemessene Ungleichheit blieb zwischen 2021 und 2023 praktisch unverändert: Der Gini sank minimal von 72,8 auf 72,4 Prozent, der Anteil des reichsten Zehntels von 56 auf 54 Prozent. Real verloren dabei Haushalte über die gesamte Verteilung, vor allem die Mitte, deren Vermögen an Immobilien und Spareinlagen hängt: Immobilienwerte stagnierten, die Inflation zehrte an den Einlagen. Einen Trend zu mehr oder weniger Ungleichheit leitet die Bundesbank daraus nicht ab.
Die Zahlen dieses Reports stammen aus Quellen mit unterschiedlichen Bezugsgrößen. Bundesbank-PHF, EZB-HFCS und die Destatis-Eigentumsquoten messen auf Haushaltsebene. Eurostat EU-SILC und die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts messen auf Personenebene. Alle Vermögenswerte verstehen sich als Nettovermögen ohne gesetzliche Rentenanwartschaften — was in einem umlagefinanzierten System wie dem deutschen eine erhebliche Auslassung ist, auf die Abschnitt 03 zurückkommt. Jede Tabelle in diesem Report nennt ihre Ebene.
Was ein deutscher Haushalt besitzt
Die Bundesbank befragt rund 4.000 Haushalte. Die fünfte Welle wurde 2023 erhoben, nach 2010/11, 2014, 2017 und 2021. Sie ist der aktuellste verfügbare Stand; eine sechste Welle liegt bis heute nicht vor.
| Nettovermögen je Haushalt | 2021 | 2023 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Median, nominal | 106.600 € | 103.200 € | −3,2 % |
| Median, in Preisen von 2010 | 90.500 € | 76.000 € | −16,0 % |
| Mittelwert, nominal | 316.500 € | 324.800 € | +2,6 % |
| Mittelwert, in Preisen von 2010 | 268.700 € | 239.200 € | −11,0 % |
| Verhältnis Mittelwert / Median | 3,0 | 3,1 | |
| Abstand 10. zu 90. Perzentil | – | rd. 779.000 € |
Quelle: Deutsche Bundesbank, Vermögensbefragung 2023 (PHF-Welle 5), Pressegespräch vom 10.04.2025 und Monatsbericht April 2025. Haushaltsebene, Nettovermögen ohne gesetzliche Rentenanwartschaften. Prozentangaben eigene Berechnung aus den genannten Werten.
Gegenüber 2017 sieht die Entwicklung freundlicher aus: Der Median stieg nominal um 46 Prozent, real um 18 Prozent, der Mittelwert nominal um 40 und real um 13 Prozent. Der gesamte Zuwachs entstand bis 2021; seitdem hat die Inflation einen Teil davon wieder aufgezehrt.
Wer Schulden hat, und wie viel
39 Prozent der Haushalte waren 2023 verschuldet, nach 41 Prozent 2021 und 45 Prozent 2017. Unbesicherte Kredite hatten 26 Prozent, bei einer Medianschuld von 6.000 Euro. Verschuldung ist dabei kein Armutsindikator: Im obersten Einkommensfünftel sind rund 55 Prozent der Haushalte verschuldet, im untersten nur etwa 25 Prozent — weil Kredit Bonität voraussetzt. Bei 13 Prozent der verschuldeten Haushalte geht allerdings mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens für den Schuldendienst weg.
Haushalte im untersten Vermögensfünftel haben im Mittel ein Nettovermögen von minus 10.700 Euro. 47 Prozent von ihnen sind verschuldet, bei einem bedingten Mittelwert von 55.700 Euro Schulden. 32 Prozent besitzen dennoch Wohneigentum — die Restschuld übersteigt dort den Immobilienwert. Das Durchschnittsalter der Referenzperson liegt bei 47 Jahren, im obersten Fünftel bei 59.
Die amtliche Gegenprobe
Das Statistische Bundesamt hat am 6. März 2026 die Vermögensergebnisse der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023 veröffentlicht. Sie nennt ein durchschnittliches Nettogesamtvermögen von 230.400 Euro je Haushalt — West 257.100 Euro, Ost und Berlin 125.500 Euro. Der Abstand zum PHF-Mittelwert von 324.800 Euro erklärt sich methodisch: Die EVS erfasst kein Betriebsvermögen, beruht auf freiwilliger Teilnahme und untererfasst sehr vermögende Haushalte stärker.
Ein Gini von 72, ein Gini von 77, ein Gini von 58
Alle drei Werte gelten für Deutschland. Sie unterscheiden sich darin, was als Vermögen zählt und wie die Spitze erfasst wird.
Quelle: Deutsche Bundesbank, PHF-Wellen 2010/11 bis 2023. Ein Gini von 0 bedeutet Gleichverteilung, 100 die Konzentration des gesamten Vermögens bei einem Haushalt.
| Messkonzept | Gini | Top 10 % | Untere 50 % | Was es erfasst |
|---|---|---|---|---|
| PHF-Befragung 2023 (Haushalte) | 72,4 | 54 % | ca. 3 % | Befragte Haushalte; sehr Vermögende untererfasst |
| Verteilungsbasierte Vermögensbilanz (Haushalte) | knapp 77 | 60,5 % | > 2,4 % | Befragung plus Makro-Abgleich und Schätzung der Spitze |
| PHF mit kapitalisierten Rentenanwartschaften | ca. 58 | 39 % | gut 10 % | Simulation der Bundesbank; gesetzliche Renten eingerechnet |
| Nachrichtlich: Einkommens-Gini (Personen) | 30,1 | – | – | Verfügbares Äquivalenzeinkommen nach Umverteilung |
Quellen: Bundesbank, Monatsbericht April 2025 (PHF 2023 und Simulation) sowie Monatsbericht April 2024 (DWA); Destatis, EU-SILC, Erhebungsjahr 2025 (Einkommensreferenzjahr 2024), Stand 09.04.2026. Der Wert für die unteren 50 % im PHF ist eine ausdrücklich als Näherung gekennzeichnete Angabe der Bundesbank.
Rechnet man die Anwartschaften an die gesetzliche Rentenversicherung als Vermögen mit, fällt der Gini von 72 auf rund 58, der Anteil des reichsten Zehntels von 54 auf 39 Prozent, und die untere Hälfte kommt statt auf 3 auf gut 10 Prozent. Für die meisten deutschen Haushalte ist der Rentenanspruch der mit Abstand größte Vermögensposten, er taucht aber in keiner der international üblichen Vermögensstatistiken auf. Das DIW kommt in einer eigenen Rechnung für 2017 zu demselben Muster: Der Anteil der unteren Hälfte steigt von 2,0 auf 9,2 Prozent, der des obersten Prozents sinkt von 30,1 auf 20,4 Prozent. Vergleiche mit Ländern, die stark kapitalgedeckt vorsorgen, sind ohne diese Korrektur verzerrt.
Quelle: Bundesbank, PHF 2023. Top 10 % = 54 % und untere 50 % ≈ 3 % sind ausgewiesen; der Anteil der mittleren 40 Prozent ist eine rechnerische Restgröße und wird von der Bundesbank nicht publiziert.
Ab welchem Vermögen gehört ein Haushalt zum reichsten Zehntel?
Die Bundesbank weist für 2023 das Verhältnis des 90. Perzentils zum Median mit 7,6 aus und definiert das 90. Perzentil ausdrücklich als die Grenze, ab der ein Haushalt zu den vermögendsten zehn Prozent gehört. Bei einem Median von 103.200 Euro entspricht das einer Schwelle von rund 780.000 Euro Nettovermögen je Haushalt. Die EZB weist in ihrer Perzentiltabelle zur HFCS-Welle 2023 für Deutschland einen Wert in derselben Größenordnung aus.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Zahl ist eine Befragungsschätzung, keine exakte Grenze; der Standardfehler liegt im Bereich mehrerer Zehntausend Euro. Und sie gilt für den Haushalt, nicht für die Person: Ein Paarhaushalt mit 800.000 Euro gemeinsamem Nettovermögen liegt im obersten Zehntel, die beiden Personen einzeln betrachtet nicht zwangsläufig.
Verhältnis P90/Median: Deutsche Bundesbank, PHF-Pressegespräch vom 10.04.2025, Tabelle „Indikatoren zur Verteilung der Nettovermögen“ (2021: 6,8; 2017: 7,8; 2014: 7,8; 2010/11: 8,6). Die Schwelle von rund 780.000 Euro ist unsere Berechnung aus diesem Verhältnis und dem publizierten Median.
Wie viele Vermögensmillionäre es gibt
Eine amtliche Antwort darauf gibt es nicht. Deutschland erhebt seit 1997 keine Vermögensteuer mehr und führt deshalb keine Vermögensteuerstatistik; die Einkommensteuerstatistik erfasst Einkommen, keine Bestände. Die belastbarste Schätzung stammt vom DIW, das reguläres SOEP, eine Zusatzstichprobe für sehr hohe Vermögen und die Reichenliste des Manager Magazins kombiniert hat: Danach besitzen rund 1,5 Prozent der Erwachsenen ein individuelles Nettovermögen von mindestens einer Million Euro. Datenstand ist 2017/2019, die Ebene ist die Person, nicht der Haushalt. Nach dieser Rechnung hält das oberste Prozent 35,3 Prozent des individuellen Nettovermögens, und der Gini steigt von 0,78 auf 0,83.
Zahlen aus Bankenstudien — UBS, Capgemini und vergleichbare Reihen — verwendet dieser Report nicht. Sie beruhen auf nicht offengelegten Modellannahmen und proprietären Kundendaten und sind nicht replizierbar.
Die Bruchlinie, die alles andere erklärt
Keine einzelne Größe trennt die deutsche Vermögensverteilung so scharf wie die Frage, ob ein Haushalt zur Miete wohnt. Der Median eines Mieterhaushalts lag 2023 bei 18.300 Euro. Ein Eigentümerhaushalt ohne Restschuld kam auf 450.200 Euro.
Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2025, PHF-Welle 2023. Haushaltsebene.
Die Wohneigentumsquote selbst ist 2023 gefallen: von 45 auf 42 Prozent der Haushalte. Damit liegt der deutsche Median-Haushalt im Mieterbereich, ein zentraler Grund für das im europäischen Vergleich niedrige Medianvermögen. Eine quantifizierte Zerlegung, welcher Anteil des internationalen Abstands darauf entfällt, veröffentlicht keine der hier verwendeten Quellen; weitere Faktoren sind die Haushaltsgrößen, die Behandlung der Altersvorsorge, Unternehmensvermögen, die Ost-West-Struktur und das Erbschaftsgeschehen.
Vier Zahlen, vier Definitionen
Für die deutsche Wohneigentumsquote kursieren mehrere Werte, die Unterschiedliches messen. Für den EU-Vergleich taugt nur der Eurostat-Wert.
| Wert | Bezugsgröße | Quelle | Jahr |
|---|---|---|---|
| 41,9 % | Haushalte | Destatis, Mikrozensus-Zusatzerhebung Wohnen | 2022 |
| 43,7 % | Haushalte | Destatis, Zensus 2022 (Vollerhebung) | 2022 |
| 42 % | Haushalte | Deutsche Bundesbank, PHF (Stichprobe) | 2023 |
| 47,2 % | Bevölkerung | Eurostat EU-SILC — nur dieser Wert trägt den EU-Vergleich | 2025 |
Dass Zensus (43,7 %) und Mikrozensus (41,9 %) für dasselbe Jahr und dieselbe Bezugsgröße auseinanderliegen, ist ein Erhebungsunterschied zwischen Vollerhebung und Stichprobe, kein Fehler.
Nach dem EU-Maßstab ist Deutschland Schlusslicht: 52,8 Prozent der Bevölkerung lebten 2025 zur Miete, als einziges EU-Land eine Mehrheit. Frankreich kommt auf 38,6 Prozent Mieter, Spanien auf 26,4, Polen auf 12,8, die Slowakei auf 6,2 Prozent. Der EU-Durchschnitt beim Wohneigentum lag 2024 bei 68,4 Prozent, Spitzenreiter ist Rumänien mit 94 Prozent.
Innerhalb Deutschlands ist die Spannweite größer als zwischen manchen EU-Staaten: Das Saarland kommt auf eine Eigentumsquote von 59,7 Prozent der Haushalte, Berlin auf 15,9 Prozent — ein Faktor von 3,75. Nach Einkommen gestaffelt reicht die Quote von 20,3 Prozent bei Haushalten unter 1.500 Euro Nettoeinkommen bis 62,8 Prozent ab 4.000 Euro.
Werte nach Bundesland: Destatis, Mikrozensus 2022. Die Quoten nach Einkommensklasse sind eigene Berechnung aus den Destatis-Tabellen „Haushalte in Eigentümerwohnungen“ und „Haushalte in Mietwohnungen“ (Mikrozensus 2022); Destatis weist fertige Quoten nach Einkommen nicht aus.
Das LBS|empirica-Erschwinglichkeitsbarometer vom 10. April 2026 modelliert für 400 Kreise, welche Mieterhaushalte zwischen 30 und 44 Jahren sich Wohneigentum leisten könnten. Ergebnis: Das laufende Einkommen würde bei knapp 40 Prozent reichen. Genug Eigenkapital haben aber nur 5,7 Prozent — rund 408.000 Haushalte bundesweit. Vor fünfzehn Jahren waren es knapp zehn Prozent. In den sieben größten Städten sind es 4,1 Prozent, in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zwischen zwei und knapp vier Prozent. Erbschaften und Schenkungen sind in dieser Rechnung ausgeklammert; sie zeigt also, was ohne Familienunterstützung erreichbar ist. Die Eigenkapitalhürde schreibt damit die bestehende Vermögensverteilung fort.
Die Preisschere
Der Destatis-Häuserpreisindex erreichte 2022 mit 107,5 seinen Höhepunkt, brach 2023 um 8,5 Prozent ein, verlor 2024 weitere 1,5 Prozent und erholte sich 2025 um 3,2 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 lag er bei 100,6 und damit rund 6,4 Prozent unter dem Niveau von 2022; der Anstieg flacht ab (Q1 2026: +1,2 Prozent, Q2 2026: +0,6 Prozent zum Vorjahr). Die Baupreise für Wohngebäude stiegen im selben Zeitraum ununterbrochen: Der Index lag im dritten Quartal 2026 bei 141,7 gegenüber 100 im Jahr 2021, zuletzt mit 5,5 Prozent Jahresrate. Alle Werte sind nominal; einen realen Wertverlauf haben wir nicht berechnet.
Die Lücke, die sich wieder öffnet
Zwischen 2017 und 2021 hatte sich der Abstand verkleinert: Die Medianvermögen stiegen im Osten um 85 Prozent, im Westen um 38 Prozent. Die Welle 2023 kehrt das um. Der ostdeutsche Median ist absolut gefallen — von 43.400 auf 35.900 Euro —, während der westdeutsche von 127.900 auf 143.200 Euro stieg.
Quelle: Deutsche Bundesbank, PHF-Wellen 2021 und 2023. Haushaltsebene.
Das Verhältnis West zu Ost stieg damit von 2,9 auf 4,0. Beim Mittelwert ist der Abstand geringer, aber ebenfalls deutlich: 364.900 Euro im Westen gegen 170.100 Euro im Osten. Die naheliegende Erklärung liefert Abschnitt 04: Die Wohneigentumsquote liegt im Westen bei 45, im Osten bei 29 Prozent.
Eine quantifizierte Zerlegung — „Wohneigentum erklärt X Prozent der Lücke“ — findet sich in keiner Bundesbank-Veröffentlichung, und wir rechnen sie nicht selbst. Die Bundesbank weist für die Eigentümer-Mieter-Lücke zudem darauf hin, dass sie teilweise auf Unterschiede bei Alter, Haushaltsgröße, Einkommen und Familienstand zurückgeht, die ihrerseits mit Vermögen korrelieren.
Die Erbschaftsstatistik verlängert die Linie in die Zukunft. 2025 entfielen 95 Prozent des steuerlich erfassten übertragenen Vermögens auf Westdeutschland und nur 5 Prozent auf Ostdeutschland samt Berlin — bei einem Bevölkerungsanteil von knapp 19 Prozent. Pro Kopf sind das gut 2.100 Euro im Westen gegenüber knapp 500 Euro im Osten.
Ärmer als Italien, im Median
Die EZB hat im Juni 2026 die Ergebnisse der fünften Welle des Household Finance and Consumption Survey veröffentlicht, erhoben 2023. Der deutsche Median liegt bei 103.300 Euro, der des Euroraums bei 139.800 Euro. Italien kommt auf 162.800, Spanien auf 151.600, Frankreich auf 149.000 Euro.
Quelle: EZB, Household Finance and Consumption Survey, Welle 2023, Statistical Tables Version 5.1, Stand 15. Oktober 2026, Tabelle A1. Haushaltsebene, Nettovermögen ohne gesetzliche Rentenanwartschaften. Es sind Befragungsschätzungen mit Standardfehlern — für Deutschland beträgt er 6.700 Euro, für den Euroraum 2.300 Euro.
Beim Mittelwert dreht sich das Bild: Deutschland liegt mit 324.000 Euro über dem Euroraum-Durchschnitt von 312.000 Euro. Deutschland ist also nicht arm, sondern ungleich. Drei Faktoren tragen zum niedrigen Median bei:
Hinweis zu den Feldzeiten: Die nationalen Erhebungen fanden zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt — Deutschland Mai 2023 bis Februar 2024, Spanien bereits Oktober 2022 bis Juni 2023; Italien bewertet Wohnimmobilien zum 31.12.2022. Bei einem Vergleich in einer Phase stark schwankender Immobilienpreise ist das relevant.
150 Milliarden, und die Statistik sieht höchstens ein Drittel
2025 wurden in Deutschland 150,5 Milliarden Euro steuerlich erfasstes Vermögen vererbt oder verschenkt, ein Plus von 32,9 Prozent. Die festgesetzte Erbschaft- und Schenkungsteuer erreichte mit 21,4 Milliarden Euro einen Höchstwert — ein Anstieg um 60,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
| Erbschaft- und Schenkungsteuer 2025 | Wert | Veränderung |
|---|---|---|
| Steuerlich berücksichtigtes übertragenes Vermögen | 150,5 Mrd. € | +32,9 % |
| Festgesetzte Steuer insgesamt | 21,4 Mrd. € | +60,8 % |
| davon Erbschaftsteuer | 13,3 Mrd. € | +57,1 % |
| davon Schenkungsteuer | 8,1 Mrd. € | +67,3 % |
| Übertragenes Betriebsvermögen | 25,6 Mrd. € | +19,0 % |
| Anteile an Kapitalgesellschaften | 16,8 Mrd. € | +128,9 % |
| Erfasste Erwerbe | 201.849 Fälle |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik 2025, Pressemitteilung Nr. 306 vom 26.08.2026. Nicht zu verwechseln mit dem kassenmäßigen Aufkommen der Erbschaftsteuer im Haushaltsjahr 2025 von 15,4 Mrd. Euro — die 21,4 Mrd. Euro sind die im Festsetzungsjahr festgesetzte Steuer und umfassen auch Nachveranlagungen früherer Erbfälle.
Diese Zahlen zeigen nur den steuerlich sichtbaren Teil. Das DIW schätzt das tatsächlich jährlich vererbte und verschenkte Volumen in Deutschland auf 300 bis 400 Milliarden Euro und weist dabei ausdrücklich auf die unzureichende Datenlage hin. Erfasst wäre danach nur gut ein Viertel bis ein Drittel. In der DIW-Mikrosimulation für 2026 ergibt sich unter geltendem Recht eine durchschnittliche Belastung des modellierten übertragenen Nettovermögens von 10,2 Prozent. Das ist ein Modellergebnis, keine beobachtete Steuerquote.
Eine DIW-Mikrosimulation vom 21. Januar 2026 teilt die Erwerbe nach Größe auf. Auf 0,7 Prozent der Steuerpflichtigen — Erwerbe ab fünf Millionen Euro — entfallen 31,5 Prozent des erfassten übertragenen Nettovermögens und 68,3 Prozent aller steuerbefreiten Unternehmensübertragungen. Umgekehrt stellen Erwerbe unter einer Million Euro 93,5 Prozent der Fälle und 44,2 Prozent des Vermögens. Das DIW stellt fest, dass die durchschnittliche Belastung bei großen Übertragungen wegen der Betriebsvermögensverschonung wieder fällt. Die exakten Belastungssätze je Größenklasse sind in der Quelle nur grafisch dargestellt und werden hier deshalb nicht beziffert.
Rekord bei Aktien, Sparlücke bleibt ungleich verteilt
Das Geldvermögen der privaten Haushalte erreichte Ende des zweiten Quartals 2026 9.831 Milliarden Euro. Nach Abzug von 2.192 Milliarden Euro Verbindlichkeiten verbleibt ein Nettogeldvermögen von 7.639 Milliarden Euro. Gleichzeitig besitzen 14,1 Millionen Menschen Aktien, Aktienfonds oder ETFs — so viele wie nie.
| Kapitalmarktbeteiligung (Personen ab 14 Jahren) | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Mit Aktien, Aktienfonds oder ETFs | 12,135 Mio. | 14,110 Mio. |
| Anteil der Bevölkerung ab 14 | 17,2 % | 19,9 % |
| Frauen | – | 5,44 Mio. (15,1 %) |
| Männer | – | 8,66 Mio. (24,8 %) |
| Nettoeinkommen unter 1.000 € | – | 10,2 % |
| Nettoeinkommen ab 4.000 € | – | 47,1 % |
Quelle: Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen 2025, veröffentlicht 13.01.2026; Befragung durch KANTAR, rund 28.000 Personen, Personenebene. Zeitreihenbruch: Seit 2025 werden erstmals Fonds- und ETF-Sparpläne aus vermögenswirksamen Leistungen mitgezählt — ein einmaliger Effekt von rund 400.000 Personen. Ohne diese Umstellung läge der Wert 2025 bei 13,7 Millionen. Der Anstieg ist also nicht vollständig organisch.
Am größten ist der Unterschied nach Einkommen: Von den Menschen mit einem persönlichen Nettoeinkommen unter 1.000 Euro besitzen 10,2 Prozent Aktien oder Fonds, von denen mit 4.000 Euro und mehr 47,1 Prozent, also 4,6-mal so viele. Kursgewinne können bestehende Vermögensunterschiede dadurch verstärken. Beim Zuwachs zeigt sich ein anderes Bild: Er fiel 2025 bei Frauen mit 24 Prozent doppelt so hoch aus wie bei Männern und in Ostdeutschland mit über 30 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Westen.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken hat am 20. Oktober 2026 seine jährliche Kantar-Erhebung veröffentlicht. Danach müssten die Befragten im Durchschnitt rund 275 Euro im Monat zurücklegen, sparen aber nur rund 200 Euro — eine Lücke von etwa 75 Euro, die gegenüber dem Vorjahr um gut ein Viertel kleiner geworden ist. Nach Einkommen unterscheidet sich die Lücke stark: Bei einem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro beträgt sie rund 135 Euro, ab 4.000 Euro übersteigt das tatsächliche Sparvolumen den notwendigen Betrag. Die Erhebung ist eine Verbandsumfrage auf Personenebene, keine Bestandsstatistik.
Bei der geförderten privaten Altersvorsorge stagniert die Verbreitung: Ende 2025 bestanden rund 14,66 Millionen Riester-Verträge, davon 9,75 Millionen Versicherungs- und 3,00 Millionen Investmentfondsverträge. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist darauf hin, dass der Bestand auch ruhende Verträge enthält — die Zahl überzeichnet die aktive Verbreitung, und sie zählt Verträge, nicht Personen.
Das am 27. Oktober 2026 veröffentlichte DSGV-Vermögensbarometer 2026 ist in diesem Report noch nicht berücksichtigt. Es ist die größte regelmäßige Umfrage zur Vermögenslage in Deutschland (zuletzt über 4.800 Befragte ab 16 Jahren) und wird als Nachtrag ergänzt. Die nächsten Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts sind für Mitte Januar 2027 zu erwarten, eine sechste PHF-Welle der Bundesbank liegt noch nicht vor.
Quellen & Datengrundlage
Alle Zahlen wurden am Originaldokument geprüft. Die Spalte „Ebene“ ist in diesem Report entscheidend: Vermögensstatistiken auf Haushalts- und auf Personenebene liefern systematisch verschiedene Werte.
| Indikator | Quelle | Ebene | Stand |
|---|---|---|---|
| Median 103.200 €, Mittelwert 324.800 €, Gini 72,4 %, Top 10 % 54 % | Deutsche Bundesbank, Vermögensbefragung 2023 (PHF-Welle 5), Monatsbericht April 2025 | Haushalt | Erhebung 2023, publiziert 10./24.04.2025 |
| Median nach Wohnstatus, Ost/West, Haushaltstyp, Verschuldung | Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2025 | Haushalt | Erhebung 2023 |
| Simulation mit Rentenanwartschaften (Gini 58, Top 10 % 39 %) | Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2025 | Haushalt | Erhebung 2023 |
| Verteilungsbasierte Vermögensbilanz: Top 10 % 60,5 %, Gini knapp 77 | Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2024 und PHF-Pressegespräch | Haushalt | Q3 2023 |
| Euroraumvergleich der Median- und Mittelwerte, Gini 68,5 | EZB, Household Finance and Consumption Survey, Welle 2023, Statistical Tables Version 5.1 | Haushalt | Stand 15.10.2026 |
| Nettogesamtvermögen 230.400 € (ohne Betriebsvermögen) | Statistisches Bundesamt, Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023 | Haushalt | 06.03.2026 |
| Wohneigentumsquote 41,9 % und Bundesländer | Statistisches Bundesamt, Mikrozensus-Zusatzerhebung Wohnen 2022 | Haushalt | Stand 19.02.2024 |
| Wohneigentumsquote 43,7 % | Statistisches Bundesamt / BMWSB, Zensus 2022 | Haushalt | Stichtag 15.05.2022 |
| Mieteranteil 52,8 %, höchster in der EU; EU-Durchschnitt 68,4 % | Eurostat EU-SILC, zitiert bei Destatis | Person | 2025 bzw. 2024 |
| Eigenkapitalhürde: 5,7 % der Mieterhaushalte 30–44 J. | LBS|empirica-Erschwinglichkeitsbarometer 2026 | Haushalt | 10.04.2026 |
| Häuserpreisindex, Baupreisindex | Statistisches Bundesamt, PM Nr. 336 (24.09.2026) und Nr. 360 (09.10.2026) | – | Q2 bzw. Q3 2026 |
| Erbschaft- und Schenkungsteuer 2025, Regionalverteilung | Statistisches Bundesamt, PM Nr. 306 (26.08.2026) und Zahl der Woche Nr. 40 (29.09.2026) | – | 2025 |
| Vererbtes Gesamtvolumen 300–400 Mrd. €; effektive Belastung 10,2 % | DIW Berlin, Politikberatung kompakt 208 (05.11.2025) | – | 2025/2026 |
| Größenklassen der Erwerbe, 68,3 % der Verschonung | DIW Berlin, Wochenbericht 4/2026 (21.01.2026) | – | Simulation 2026 |
| Vermögensmillionäre rund 1,5 % der Erwachsenen; Top 1 % 35,3 % | DIW Berlin, Wochenbericht 29/2020 | Person | Datenstand 2017/2019 |
| 14,110 Mio. Aktien-, Fonds- und ETF-Besitzer; Verteilung nach Einkommen | Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen 2025 | Person | 13.01.2026 |
| Geldvermögen 9.831 Mrd. €, Nettogeldvermögen 7.639 Mrd. € | Deutsche Bundesbank, Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung, Q2 2026 | Sektor | 20.10.2026 |
| Sparlücke 75 €/Monat, nach Einkommen | BVR, Volkswirtschaft Kompakt 12-2026 (Kantar-Umfrage) | Person | 20.10.2026 |
| 14,66 Mio. Riester-Verträge | BMAS, Statistik zur privaten Altersvorsorge | Verträge | Ende 2025 |
| Einkommens-Gini 30,1 | Statistisches Bundesamt, EU-SILC | Person | Erhebung 2025 (Einkommen 2024) |
Alle Quellen am Originaldokument geprüft; Abrufdatum 23. Oktober 2026. Links öffnen die Primärquelle beim jeweiligen Herausgeber. Wo eine Zeile zwei Dokumente nennt, sind beide einzeln verlinkt. Als eigene Berechnung gekennzeichnete Werte sind im Text an Ort und Stelle ausgewiesen.
23. Oktober 2026, Fassung 2. Nach externer Gegenprüfung korrigiert: Die EZB-Tabellen liegen seit dem 15.10.2026 in Version 5.1 vor; der Euroraum-Median beträgt darin 139.800 statt 140.100 Euro (die deutschen und die übrigen Länderwerte sind unverändert). Ergänzt wurde die Schwelle zum reichsten Zehntel. Präzisiert wurden die Wirkung der Inflation, die Aussage zur Verteilungsentwicklung, die Beschreibung der verteilungsbasierten Vermögensbilanz, die Rolle des Wohneigentums im Ländervergleich, die Immobilienpreisaussage, die Einordnung der DIW-Modellrechnung und die Entwicklung der Kapitalmarktbeteiligung. Die Überschrift zur Sparlücke widersprach dem eigenen Text und wurde geändert. Die Diagramme haben Alternativtexte erhalten.
Keine Zehn-Dezil-Tabelle der Vermögensanteile: Weder Bundesbank noch EZB veröffentlichen eine solche, und eine selbst konstruierte wäre eine Erfindung. Keine Perzentilschwellen für das oberste Fünftel oder Prozent: Die Schwelle zum obersten Zehntel ist in Abschnitt 03 aus dem publizierten Verhältnis P90/Median hergeleitet und als eigene Berechnung gekennzeichnet; für Top 5 und Top 1 veröffentlicht die EZB keine entsprechenden Schwellen. Keine absolute Zahl von Vermögensmillionären: Das DIW nennt nur einen Anteil, eine Hochrechnung wäre unsere eigene Konstruktion. Keine quantifizierte Zerlegung der Ost-West-Lücke nach Ursachen. Keine Zahlen aus Bankenstudien ohne offengelegte Methodik. Eigene Berechnungen sind im Text jeweils an Ort und Stelle als solche gekennzeichnet.