Du stellst einen Kreditantrag und bekommst eine Absage. Du meldest dich für eine Wohnung an und erhältst eine Ablehnung. Grund: eine Auskunftei hat deine Kreditwürdigkeit zu niedrig bewertet. Doch welche Auskunftei hat dich tatsächlich geprüft? Und vor allem: Welche Daten speichert sie über dich?
In Deutschland gibt es nicht eine, sondern mehrere Auskunfteien – und jede sammelt unterschiedliche Informationen. Die SCHUFA ist die bekannteste, aber längst nicht die einzige. Wir zeigen dir, welche Auskunfteien es gibt, wie sie funktionieren, und wie du deine Daten überall kostenlos einsehen kannst.
Eine Auskunftei ist ein Unternehmen, das Informationen über deine finanzielle Zuverlässigkeit sammelt und speichert. Diese Daten nutzen Banken, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen und Vermieter, um zu entscheiden, ob sie dir Kredit gewähren oder einen Vertrag mit dir abschließen wollen.
Auskunfteien sammeln vor allem folgende Informationen:
Rechtliche Grundlage für die Speicherung und Verarbeitung dieser Daten ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Du hast das Recht, jederzeit eine kostenlose Auskunft über deine Daten zu erhalten – das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings: Jede Auskunftei hat unterschiedliche Speicherrichtlinien und arbeitet mit unterschiedlichen Branchen zusammen.
Es gibt in Deutschland etwa 40 verschiedene Auskunfteien, aber nur vier dominieren den Markt. Diese vier sind für deine Bonität am wichtigsten:
| Auskunftei | Sitz | Spezialgebiet | Kostenlose Auskunft |
|---|---|---|---|
| SCHUFA | Wiesbaden | Branchenübergreifend (68 Mio. Datensätze) | Ja, 1x/Jahr online |
| CRIF Bürgel | Berlin | Handel, Telekommunikation | Ja, postalisch oder online |
| Arvato Infoscore | Düsseldorf | Versandhandel, Inkasso | Ja, online |
| Creditreform Boniversum | Neuss | Banken, Versicherungen | Ja, postalisch |
Die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist mit Abstand die wichtigste Auskunftei in Deutschland. Sie speichert Daten von etwa 68 Millionen Personen und kooperiert mit Banken, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen, Einzelhandelsketten und Vermietern.
Die SCHUFA ist vor allem relevant für: Kreditvergabe, Wohnungsmiete, Mobilfunkverträge und Versicherungen. Wenn du einen Kredit aufnehmen möchtest – ob Autoleasing, Möbelfinanzierung oder einen Konsumentenkredit – wird die SCHUFA fast immer abgefragt.
Du bekommst kostenlos 1x pro Jahr eine Selbstauskunft bei der SCHUFA unter www.meineschufa.de. Es dauert etwa 3–5 Tage, bis die Auskunft ankommt. Übrigens: Seit 2023 kannst du diese Selbstauskunft auch direkt online einsehen.
CRIF Bürgel entstand 2020 aus dem Zusammenschluss von Bürgel Wirtschaftsinformationen und Deltavista. Das Unternehmen konzentriert sich auf Handel und Telekommunikation. Wenn du einen Handyvertrag abschließt oder online bei größeren Shops einkaufen möchtest, wird oft CRIF Bürgel abgefragt.
Besonderheit: CRIF Bürgel speichert nicht nur negative Einträge, sondern auch reguläre Vertragsabschlüsse und pünktliche Zahlungen. Das bedeutet: Deine Auskunft kann hier positiver ausfallen als bei der SCHUFA.
Kostenlose Auskunft unter www.crif.de oder postalisch unter CRIF Bürgel, 10115 Berlin.
Arvato Infoscore ist die Auskunftei für Versandhandel und Inkasso. Wenn du online einkaufen möchtest – besonders bei größeren Versandhändlern wie Quelle, Neckermann oder Mode-Online-Shops – wird Arvato abgefragt. Das Unternehmen speichert Daten zu Kaufverhalten, Zahlungsausfällen und Inkassoeinträgen.
Bei Arvato bekommst du kostenlos eine Auskunft unter www.auskunft.infoscore.de. Die Abfrage dauert typischerweise 2–3 Werktage.
Creditreform Boniversum konzentriert sich auf Banken und Versicherungen. Wenn du einen Konsumentenkredit bei einer Bank aufnimmst, wird der Boniversum-Score überprüft. Das Unternehmen arbeitet eng mit Banken und Kreditgeldgebern zusammen.
Kostenlose Auskunft: Schreib eine E-Mail an auskunft@boniversum.de oder fordere schriftlich unter Creditreform Boniversum, Koblenzer Straße 65, 41460 Neuss an.
Jedes Unternehmen entscheidet selbst, welche Auskunftei es nutzt – oft sind es mehrere gleichzeitig:
Das Wichtigste: Eine Absage bei einer Auskunftei bedeutet nicht automatisch, dass du überall abgelehnt wirst. Jede Auskunftei hat unterschiedliche Daten und Bewertungen.
Du hast das Recht, kostenlos zu erfahren, welche Daten die Auskunfteien über dich speichern. Das ist nicht nur sinnvoll, um herauszufinden, warum du abgelehnt wurdest – du kannst dort auch falsche Einträge korrigieren.
SCHUFA-Selbstauskunft: Online unter www.meineschufa.de (kostenlos 1x/Jahr, sofort digital verfügbar) oder per Post mit Name, Geburtsdatum und Adresse an SCHUFA, Kormoranweg 5, 65201 Wiesbaden.
CRIF Bürgel: Online unter www.crif.de/selbstauskunft oder postalisch an CRIF Bürgel, Europaplatz 2, 10115 Berlin. Du kannst deine Daten sofort online einsehen oder erhältst sie per Post.
Arvato Infoscore: Online unter www.auskunft.infoscore.de. Fülle das Formular aus, und du bekommst innerhalb weniger Tage Bescheid.
Creditreform Boniversum: Per E-Mail an auskunft@boniversum.de mit deinen vollständigen Daten (Name, Geburtsdatum, Adresse) oder postalisch an Creditreform Boniversum, Auskunftservice, Koblenzer Straße 65, 41460 Neuss.
Wenn du in deiner Selbstauskunft einen Fehler entdeckst – beispielsweise eine Mahnung, die du bezahlt hast, oder eine Kreditkarte, die du nie beantragt hast – kannst du das korrigieren.
So gehst du vor:
Wenn die Auskunftei nicht reagiert oder dich ignoriert, kannst du dich an die Datenschutzbehörde deines Bundeslandes wenden.
Das hängt davon ab, was du vorhast:
Du suchst eine Wohnung? Die SCHUFA ist entscheidend. Vermieter prüfen hier fast immer. Stelle sicher, dass dein SCHUFA-Score mindestens 90 Punkte beträgt (je höher, desto besser).
Du möchtest einen Kredit aufnehmen? Banken nutzen primär SCHUFA und Boniversum. Eine gute SCHUFA-Bewertung ist daher Voraussetzung für günstige Kredite.
Du brauchst einen neuen Handyvertrag? CRIF Bürgel ist hier entscheidend, manchmal auch SCHUFA. Wenn dein Vertrag bei CRIF abgelehnt wird, kann CRIF die Ursache sein – nicht die SCHUFA.
Du möchtest online einkaufen? Arvato Infoscore ist der Klassiker bei Versandhändlern. Mit einer sauberen Zahlungshistorie dort hast du gute Chancen auf Ratenkauf.
Du möchtest schnell sehen, wie deine Bonität bei den wichtigsten Auskunfteien aussieht? Mit der kostenlosen SCHUFA-Selbstauskunft und den anderen Auskunfteien bekommst du innerhalb von 1–2 Wochen einen kompletten Überblick.
Zum SCHUFA-Guide →Die App Bonify bietet kostenlosen Zugriff auf deinen SCHUFA-Score und warnt dich vor Veränderungen. Das klingt praktisch – ist es auch. Du siehst sofort, wenn ein neuer negativer Eintrag auftaucht, und kannst schneller reagieren.
Allerdings: Die Bonify-App speichert deine Daten auf ihren Servern und verknüpft sie mit anderen Diensten. Wenn dir der Datenschutz wichtig ist, genügt die kostenlose SCHUFA-Selbstauskunft völlig. Du kannst sie auch 1x pro Jahr wiederholen.
Ja, theoretisch ja. Aber das ist selten. Normalerweise haben alle vier Auskunfteien ähnliche Daten über dich. Wenn du bei einer schlecht bewertet wirst, ist die Chance hoch, dass du auch bei anderen schlecht bewertet wirst. Ausnahme: Bei CRIF Bürgel speichert positive Zahlungshistorie auch positive Einträge, während die SCHUFA eher negative Ereignisse speichert.
Das unterscheidet sich: Zahlungsausfälle werden meist 3 Jahre gespeichert (ab der Behebung). Insolvenzverfahren und Mahnungen können länger gespeichert werden. Die genauen Fristen sind in den Selbstauskunften aufgelistet. Die DSGVO schreibt vor, dass Daten gelöscht werden müssen, wenn sie nicht mehr notwendig sind.
Ja, mehrere Kreditanfragen innerhalb kurzer Zeit signalisieren dem Risikomanagement von Banken: „Dieser Kunde ist in Geldnot." Daher solltest du Kreditanfragen mindestens 3 Monate auseinander legen. Besser noch: Frag vorher an, ohne dass es die Auskunftei erfährt (diese Anfragen heißen „unverbindliche Anfragen").
Eine harte Anfrage (z.B. Kreditantrag) wird in der SCHUFA gespeichert und sichtbar für andere Kreditgeber. Eine weiche Anfrage (z.B. Kreditwürdigkeitsprüfung) wird nicht gespeichert. Deshalb solltest du immer nach weichen Anfragen fragen, wenn es geht.
Nein, das entscheiden die Unternehmen allein. Allerdings kannst du Anträge nur bei Unternehmen stellen, die deine Bonität akzeptieren – wenn eine Auskunftei dich ablehnt, kannst du woanders anfragen, die vielleicht mit einer anderen Auskunftei arbeitet.
Disclaimer: Dieser Artikel dient zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Für rechtliche Fragen konsultiere einen Rechtsanwalt oder deine zuständige Datenschutzbehörde.