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Vorsorge

Berufsunfähigkeit 2026 — wie viel BU-Rente brauchst du wirklich?

Wenn der Rücken nicht mehr mitmacht, der Burn-Out alles lahmlegt oder die Diagnose das Leben umdreht: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht. Sie ist im Schnitt 1.090 €/Monat und wird in 50 % der Fälle sogar abgelehnt. Hier ist der Realitätscheck.

Paul Richter
Paul Richter
·11. Juni 2026·8 min Lesezeit
Inhalt

BU vs. EM-Rente — der wichtigste Unterschied #

Viele Verbraucher denken: Wenn ich krank werde, springt der Staat ein. Die Wahrheit ist anders — der große Unterschied liegt im Versicherungsfall:

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Zahlt bei 50 % Berufsunfähigkeit in deinem konkreten Beruf. Beispiel: Büro-Architektin entwickelt schwere Migräne und kann nicht mehr am Bildschirm arbeiten. BU greift — auch wenn sie theoretisch noch andere Tätigkeiten ausführen könnte.

Erwerbsminderungsrente (EM). Zahlt nur bei weniger als 3 Stunden/Tag Erwerbsfähigkeit in jedem Beruf. Bei 3–6h/Tag gibt es nur die halbe EM. Beispiel: Dieselbe Architektin könnte theoretisch Telefon-Hotline machen — EM lehnt ab.

Konkret: Bei Migräne, Rückenproblemen, psychischen Erkrankungen (die Top-3 BU-Gründe) zahlt die BU — die EM-Rente fast nie. Wer auf die gesetzliche Rente vertraut, riskiert die Existenz.

Was leistet die gesetzliche EM-Rente? #

Aktuelle Zahlen der DRV für 2025/2026:

  • Durchschnittliche EM-Rente: ca. 1.090 €/Monat (volle EM)
  • Teilweise EM: Etwa die Hälfte, also ca. 545 €/Monat
  • Ablehnungs-Quote: Knapp 50 % der EM-Anträge werden abgelehnt
  • Bearbeitungsdauer: Erstantrag bis Bescheid: meist 4–8 Monate
  • Klage-Verfahren: Bis zur Entscheidung 1–3 Jahre

Die DRV nutzt eine strikt-abstrakte Bewertung: Wer kein bestimmtes Berufsbild mehr hat, kann theoretisch jede andere Tätigkeit ausführen — Pförtner, Telefonist, einfacher Sortier-Job. Die psychischen oder fachspezifischen Einschränkungen werden oft überhaupt nicht berücksichtigt.

Die 75-Prozent-Regel — wie viel BU brauchst du? #

Verbraucherzentrale-Empfehlung: 75 % deines aktuellen Netto-Einkommens als BU-Rente. Warum 75 % und nicht 100 %?

  • Bei BU entfallen einige Kosten: Berufskleidung, Fahrtkosten, Mittagessen Kantine
  • Steuer und Sozialabgaben sind anders verteilt (BU-Rente nur Ertragsanteil-besteuert)
  • Aktivitäts-Ermäßigungen wie Sport-Mitgliedschaft, Konsum-Präferenzen sinken

Beispiel-Rechnung: Single mit 2.500 € Netto, keine sonstige Vorsorge:

  • 75 %-Bedarf: 1.875 €/Monat
  • Gesetzliche EM-Rente (Schätzung): 1.100 €/Monat
  • Versorgungslücke = 775 €/Monat → das ist die BU-Rente, die du brauchst
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Tipp

Für deinen individuellen Bedarf nutze unseren BU-Bedarf-Rechner 2026 mit Berufsgruppen-Faktor und Alters-Anpassung. Er zeigt auch die Versorgungslücke nach gesetzlicher EM-Rente.

Wie der Beruf den Beitrag bestimmt #

BU-Versicherer teilen Berufe in Risikogruppen ein. Niedrige Gruppe = niedriger Beitrag. Beispiel-Beiträge für 30-Jährige, Nichtraucher, 2.000 € BU-Rente, Laufzeit bis 67:

BU-Beiträge nach Berufsgruppe
BerufsgruppeBeitrag/MoBeispiel
1 (sehr günstig)50–80 €Bürojob, IT, Lehrer, Beamte
280–130 €Verwaltung mit Außendienst, Vertrieb
3130–200 €Ärzte, Pflege, Polizei
4150–250 €Handwerk allg., Maschinenbau
5 (Hochrisiko)300–500 €Dachdecker, Bau, Bergbau, Zerspaner

Wichtig: Berufsgruppen-Einstufung ist je Versicherer unterschiedlich. Ein Vertriebsmitarbeiter kann bei Anbieter A in Gruppe 2 sein, bei Anbieter B in Gruppe 1. Vergleich lohnt sich massiv — Ersparnis 30 % bei gleicher Leistung ist Standard.

Wann solltest du abschließen? #

Die kurze Antwort: So jung wie möglich. Drei Gründe:

  1. Beiträge sind altersabhängig. Mit 25 zahlst du ca. 50 % weniger als mit 40, bei gleicher Versicherungssumme und Laufzeit.
  2. Gesundheitsprüfung wird strenger. Mit jeder Diagnose (Bandscheibe, Burn-Out, Depression) wird der Abschluss schwieriger. Mit 25 hast du meist keine Diagnosen.
  3. Nachversicherungsgarantie nutzen. Bei Heirat, Geburt, Hausbau, Gehaltssprung kannst du die Versicherungssumme ohne erneute Prüfung erhöhen — nur, wenn du früh einsteigst.

Idealzeitpunkt: Ausbildung, Studium, Berufseinstieg. Auszubildende-Tarife sind besonders günstig — und du sicherst dir den Beitrag für die gesamte Laufzeit (bis 67).

Die 6 wichtigsten Klauseln #

BU-Verträge sind komplex. Das sind die nicht-verhandelbaren Klauseln:

  • Verzicht auf abstrakte Verweisung. Sonst kann der Versicherer dich auf irgendeinen anderen Beruf verweisen, der theoretisch zumutbar wäre.
  • Nachversicherungsgarantie ohne neue Gesundheitsprüfung. Bei Lebensereignissen (Heirat, Kind, Hausbau, Gehaltssprung) kannst du erhöhen.
  • Keine Karenzzeit. Die Versicherung zahlt sofort, nicht erst nach 3–6 Monaten.
  • Rückwirkende Leistung. Auch wenn die BU spät festgestellt wird, zahlt der Versicherer ab dem tatsächlichen Eintrittszeitpunkt.
  • Weltweiter Geltungsbereich. Auch bei Auslandsaufenthalten zahlt die Versicherung.
  • Beitragsbefreiung bei BU. Im BU-Fall musst du die Beiträge nicht weiterzahlen — der Versicherer macht das selbst.

Alternativen bei Risikoberufen #

Für Dachdecker, Pflegekräfte und andere Hochrisiko-Berufe ist die BU oft unbezahlbar — 300–500 €/Monat sind realistisch. Drei Alternativen:

Grundfähigkeitsversicherung. Zahlt bei Verlust einer Grundfähigkeit (Sehen, Sprechen, Gehen, Sitzen, Heben, etc.) — nicht berufsspezifisch. Beiträge 30–50 % niedriger als BU. Nachteil: Bei psychischen Erkrankungen, Burn-Out oder Migräne zahlt sie meist nicht.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Zahlt nur bei Verlust jeder Erwerbsfähigkeit (ähnlich der gesetzlichen EM-Rente). Beiträge wieder günstiger, aber Leistung deutlich seltener.

Risikolebensversicherung als Ergänzung. Für Familie mit Hypothek: Risikolebensversicherung sichert die Hinterbliebenen ab. Sehr günstig (8–15 €/Monat bei Junior + Nichtraucher), deckt aber NUR den Todesfall — nicht die BU. Beide kombinieren ist sinnvoll.

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Tipp

Für die optimale Versicherungssumme der Risikolebensversicherung: RLV-Rechner 2026 mit Familienstärke, Restschuld und Einkommens-Ausfall-Faktor.

Häufige Fragen #

Wie viel BU-Rente brauche ich?

Faustregel: 75 % des aktuellen Netto-Einkommens. Bei 2.500 € Netto = 1.875 € BU-Rente nötig. Versicherungssumme darf max 80 % des Brutto betragen (Versicherer-Vorgabe). Höhere Summen erfordern medizinische Prüfung.

Was ist der Unterschied zwischen BU und EM-Rente?

BU zahlt, wenn du DEINEN konkreten Beruf nicht mehr ausüben kannst (50 %). Gesetzliche EM zahlt nur, wenn du KEINEN Beruf mehr ausüben kannst (< 3h/Tag). BU oft 3–5x höher als EM und 5x häufiger gezahlt.

Was kostet eine BU-Versicherung?

Je nach Beruf und Alter. 30-jähriger Bürojob, 2.000 € BU-Rente: 50–80 €/Monat. Handwerker gleicher Alter: 150–250 €/Monat. Je früher abgeschlossen, desto günstiger.

Was ist eine Nachversicherungsgarantie?

Klausel im BU-Vertrag, die es erlaubt, die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen bei Lebensereignissen: Heirat, Kind, Hausbau, Gehaltssprung. Pflicht in jedem guten Vertrag.

Was, wenn ich schon älter bin und Diagnosen habe?

Mit 45+ und ersten Diagnosen wird BU oft sehr teuer oder Ablehnung droht. Alternativen: Grundfähigkeitsversicherung (weniger streng bei Gesundheit), Verbraucherzentrale-Vorprüfung (anonym anfragen), private Krankenversicherung mit Krankentagegeld als Teil-Ersatz.

Ist BU-Rente steuerpflichtig?

Ja — aber nur mit dem Ertragsanteil nach § 22 EStG. Bei 30-jährigem BU-Beginn liegt der Ertragsanteil bei nur etwa 5 %. Konkret: Von 2.000 € BU-Rente sind nur 100 € steuerpflichtig — und auf das in der Regel keine ESt, weil unter Grundfreibetrag.

Paul Richter
Über den Autor
Paul Richter
Vorsorge- und Versicherung-Redaktion, FLORIN+

Paul fokussiert auf Vorsorge-Produkte für jede Lebensphase. Sein Stil: ehrliche Risiken benennen statt schöne Produkte verkaufen.

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