1. Warum das Depot übertragen statt verkaufen? #
Wer den Broker wechseln möchte, steht vor zwei Optionen: alle Positionen verkaufen und beim neuen Broker neu kaufen — oder das Depot als Sachübertrag übertragen. Der Unterschied ist gravierend:
| Merkmal | Verkauf + Neukauf | Sachübertrag |
|---|---|---|
| Steuer | Kapitalertragsteuer auf alle Gewinne fällig | Keine — steuerneutral |
| Kosten | 2× Transaktionskosten (Verkauf + Kauf) + Spread | Meist kostenlos oder erstattet |
| Marktrisiko | Zeitlich aus dem Markt (Kauf/Verkauf asynchron) | Keines — Wertpapiere bleiben investiert |
| Anschaffungskosten | Neue AK zum aktuellen Kurs | Ursprüngliche AK bleiben erhalten |
| Aufwand | Höher (Steuer, Timing) | Niedrig (einmaliger Antrag) |
Wer sein Depot verkauft und beim neuen Broker neu kauft, zahlt sofort Kapitalertragsteuer auf alle aufgelaufenen Kursgewinne — 25 % + 5,5 % Soli. Auf ein Depot mit 50.000 € Gewinn wären das ca. 13.200 €. Ohne Not zu vermeiden.
2. So funktioniert der Depotübertrag — Schritt für Schritt #
Zuerst das Depot beim neuen Broker vollständig eröffnen und verifizieren (Legitimation per VideoIdent oder PostIdent). Ohne aktives Zieldepot kann keine Übertragung stattfinden. Für Gemeinschaftsdepots: beide Inhaber müssen beim neuen Broker verifiziert sein.
Fast alle Broker ermöglichen es, den Übertragungsantrag beim Zielmakler zu stellen — nicht beim alten. Das neue Institut kümmert sich um die Koordination. Du gibst an: Depotnummer beim alten Broker, Bankleitzahl / BIC, welche Positionen übertragen werden sollen (alles oder Teilübertrag).
Einige Broker verlangen eine zusätzliche Bestätigung durch dich als Depotinhaber — per E-Mail, Formular oder durch deine Zustimmung im Online-Banking. Trade Republic z.B. schickt eine Push-Benachrichtigung zur Bestätigung. Comdirect oder DKB verlangen oft ein ausgefülltes PDF-Formular per Post oder Secure Message.
In dieser Phase sind deine Wertpapiere gesperrt. Du kannst weder beim alten noch beim neuen Broker handeln. Kursschwankungen bleiben dein Risiko — du bist weiterhin investiert, nur vorübergehend nicht handelbar. Halte in dieser Zeit ausreichend Liquidität auf dem Verrechnungskonto des alten Brokers für laufende Sparpläne.
Nach erfolgtem Übertrag: Einstandspreise beim neuen Broker mit deinen Kaufabrechnungen vergleichen. Bei Fehlern sofort melden — fehlerhafte AK-Daten können bei späterem Verkauf zu falscher Steuerberechnung führen. Bewahre alle Kaufabrechnungen dauerhaft auf (keine Aufbewahrungspflicht, aber im eigenen Interesse).
Sparpläne übertragen sich nicht — sie müssen beim neuen Broker neu eingerichtet werden. Freistellungsauftrag zum neuen Broker umbuchen (Gesamtbetrag bleibt 1.000 €). Dann alten Account kündigen — sonst fallen weiter Grundgebühren an.
3. Was kostet ein Depotübertrag? #
| Broker (abgebend) | Übertragungsgebühr | Erstattung möglich? |
|---|---|---|
| Trade Republic | Kostenlos | — |
| Scalable Capital | Kostenlos | — |
| DKB | Kostenlos | — |
| ING | Kostenlos | — |
| Comdirect | 12,90 € pro Gattung | Ja, oft durch Zielmakler |
| Consorsbank | 15,00 € pro Gattung | Ja, oft durch Zielmakler |
| Depot-Übertrag innerhalb gleicher Gruppe | Kostenlos | — |
Trade Republic, Scalable Capital und DKB erstatten bei Übertrag von einem anderen Broker teilweise oder vollständig die Übertragungsgebühren des abgebenden Brokers. Diese Angebote ändern sich — vor dem Antrag direkt beim Zielmakler nachfragen oder die aktuelle Konditionen-Seite prüfen.
4. Anschaffungskosten (AK-Daten) — warum sie entscheidend sind #
Die Anschaffungskosten (AK, manchmal „Einstandspreis" genannt) sind der Kaufpreis deiner Wertpapiere zuzüglich Transaktionskosten. Sie bestimmen, wie hoch dein steuerpflichtiger Gewinn beim späteren Verkauf ist:
Formel: Steuerpflichtiger Gewinn = Verkaufspreis − Anschaffungskosten (−bereits versteuerte Vorabpauschalen)
| Szenario | AK nach Übertrag | Steuer bei Verkauf für 500 € |
|---|---|---|
| Kaufpreis 200 €, korrekte AK übertragen | 200 € | 25 % auf 300 € = 75 € |
| AK-Fehler: neuer Broker setzt AK auf 500 € | 500 € | Kein Gewinn → 0 € (zu wenig!) |
| AK-Fehler: neuer Broker setzt AK auf 0 € | 0 € | 25 % auf 500 € = 125 € (zu viel!) |
Was tun bei falschen AK-Daten? Sofort den neuen Broker kontaktieren und Kaufabrechnungen einreichen. Der Broker ist verpflichtet, die AK-Daten zu korrigieren. Für weiter zurückliegende Käufe: Jahreskontoauszüge oder Depot-Abrechnungen des alten Brokers aufbewahren. Im Zweifelsfall: Steuerberater konsultieren, besonders bei großen Gewinnen.
5. Was passiert mit Sparplänen und Freistellungsauftrag? #
| Element | Überträgt sich? | Was tun? |
|---|---|---|
| Wertpapiere (ETFs, Aktien) | Ja — vollständig | Nichts, geschieht automatisch |
| Sparplan-Ausführungen | Nein | Beim neuen Broker neu anlegen |
| Freistellungsauftrag | Nein | Beim alten Broker reduzieren/aufheben, beim neuen stellen |
| Dividenden-Einzugsermächtigung | Nein | Automatisch beim neuen Broker aktiv |
| Steuerbescheinigung Alt-Jahr | Nein | Alte Jahressteuerbescheinigung aufbewahren |
| Watchlists, Kursalarme | Nein | Manuell neu erstellen |
Du hast insgesamt 1.000 € Freistellungsauftrag pro Jahr (Alleinstehende, Stand 2024). Wenn du ihn komplett beim alten Broker hast und der neue Broker Ausschüttungen einzieht, berechnet er sofort Kapitalertragsteuer. Freistellungsauftrag beim alten Broker online reduzieren oder aufheben — dann beim neuen Broker in gewünschter Höhe einrichten.
6. Welcher Broker eignet sich als Ziel 2026? #
Die folgenden Broker-Nennungen sind allgemeine Informationen, keine persönliche Empfehlung gem. WpHG.
| Broker | Sparplan ab | Ordergebühr | Tagesgeld | Übertrag-Erstattung |
|---|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 € | 1 € | 3,75 % p.a.* | Ja (oft vollständig) |
| Scalable Capital Free | 1 € | 0,99 € | — | Ja (oft vollständig) |
| Scalable Capital Prime | 1 € | 0 € | — | Ja |
| DKB | 25 € | 1,50 € | bis 2,50 % p.a.* | Teilweise |
| ING | 1 € | 3,90 € + 0,25 % | bis 1,50 % p.a.* | Selten |
* Zinssätze variieren und können sich ändern — aktuelle Konditionen beim Broker prüfen.
Unser Depot-Kosten-Rechner zeigt dir basierend auf Sparrate, Order-Häufigkeit und geplanter Haltedauer, welcher Broker langfristig am günstigsten ist — bevor du transferierst.
7. Checkliste: Depotübertrag in 10 Punkten #
Häufige Fragen #
Wie lange dauert ein Depotübertrag?
2–4 Wochen in der Regel. Während dieser Zeit sind Wertpapiere gesperrt. Bei komplizierten Positionen (Zertifikate, ausländische Wertpapiere) oder Übertrag zwischen sehr unterschiedlichen Systemen kann es länger dauern. Neobroker-zu-Neobroker-Transfers gehen oft schneller (1–2 Wochen).
Ist ein Depotübertrag steuerpflichtig?
Nein — ein korrekter Sachübertrag ist vollständig steuerneutral. Es findet kein Verkauf statt. Anschaffungskosten werden mitübertragen. Erst wenn du Wertpapiere beim neuen Broker verkaufst, entsteht ein steuerpflichtiger Vorgang.
Was kostet ein Depotübertrag?
Bei modernen Neobrokers (Trade Republic, Scalable, DKB) kostenlos. Traditionelle Broker wie Comdirect verlangen bis zu 12,90 € pro Gattung. Viele Zielbroker erstatten diese Kosten als Incentive. Vor dem Antrag beim Zielbroker nach der aktuellen Erstattungsregelung fragen.
Werden Anschaffungskosten beim Übertrag übertragen?
Ja — bei korrektem Inlandstransfer werden die Anschaffungskosten (AK-Daten) mit dem Übertrag elektronisch übermittelt. Nach dem Übertrag solltest du die Einstandspreise beim neuen Broker prüfen. Bei Fehlern: Kaufabrechnungen einreichen und beim Broker reklamieren.
Kann ich nur Teile meines Depots übertragen?
Ja — bei den meisten Brokern ist ein Teilübertrag möglich. Du kannst einzelne Positionen (ISINs) oder bestimmte Anteile übertragen. Das gibt dir Flexibilität, z.B. günstige ETFs zum Neobroker zu übertragen und komplexere Wertpapiere beim alten Broker zu behalten.
Muss ich die Übertragung steuerlich in der Steuererklärung angeben?
Bei einem reinen Sachübertrag innerhalb Deutschlands nicht. Es ist kein Veräußerungsvorgang. Wenn du jedoch Verluste realisiert hattest oder der Broker in einer Jahressteuerbescheinigung den Übertrag anders verbucht, solltest du die Anlage KAP in deiner Steuererklärung prüfen. Im Zweifel: Steuerberater fragen.
