MyWage Research · Pressemitteilung 05/12
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MyWage Research · Report 05 / 12 · Altersvorsorge
Veröffentlicht: August 2026 · Released: August 2026

Rentenniveau 48 Prozent — garantiert bis 2031. Danach beginnt die eigentliche Rechnung

Altersvorsorge und Rentenlücke in Deutschland 2026

48,0 % Sicherungsniveau vor Steuern — gesetzlich garantiert nur bis 2031; amtliche Projektion für 2039: 46,3 % (Rentenversicherungsbericht 2025)
19,5 % Armutsgefährdungsquote der über 65-Jährigen 2025 — gegenüber 18,3 % im Jahr 2022; Frauen 21,3 % (Destatis, EU-SILC 2025)
36,0 % Gender Pension Gap bei eigenen Alterseinkünften — 40,8 % im Westen, 13,2 % im Osten (Destatis, EU-SILC 2025)

Pressemitteilung — Zur sofortigen Veröffentlichung

Zum 1. Juli 2026 sind die gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent gestiegen; der aktuelle Rentenwert liegt bei 42,52 Euro je Entgeltpunkt. Das Sicherungsniveau vor Steuern beträgt 48,0 Prozent und ist durch das Rentenpaket 2025 bis einschließlich 2031 gesetzlich garantiert. Eine Analyse von MyWage Research zeigt: Die vielzitierte Rentenlücke fällt für Vollzeitbeschäftigte mit langer Erwerbsbiografie deutlich kleiner aus als üblich behauptet — während Altersarmut, Gender Pension Gap und Grundsicherungsbezug gleichzeitig neue Höchststände erreichen.

Wer 45 Jahre lang zum Medianlohn eingezahlt hat, erreicht nach der Berechnung von MyWage Research eine gesetzliche Rente von rund 1.992 Euro brutto beziehungsweise 1.746 Euro netto vor Steuern. Gemessen am gängigen Bedarfsmaß von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ergibt das eine Versorgungslücke von rund 280 Euro monatlich — ein Bruchteil der Beträge, die in der Vorsorgedebatte häufig genannt werden. Der Grund für die Diskrepanz ist meist derselbe: Viele Modellrechnungen arbeiten mit veralteten Rentenwerten und einem zu niedrigen Durchschnittsentgelt.

Entscheidend ist nicht die Höhe des Rentenniveaus, sondern die Länge der Erwerbsbiografie. Jedes fehlende Beitragsjahr kostet den Medianverdiener rund 44 Euro Bruttorente im Monat. Bei 40 Beitragsjahren steigt die Lücke auf 473 Euro, bei 30 Jahren auf 861 Euro — der Deckungsgrad fällt von 86 auf 57 Prozent.

Wie stark sich unterbrochene Biografien auswirken, zeigt der Blick auf die Geschlechter. Der Gender Pension Gap bei eigenen Alterseinkünften liegt bundesweit bei 36,0 Prozent, im früheren Bundesgebiet bei 40,8 Prozent, in Ostdeutschland dagegen nur bei 13,2 Prozent. Von den Frauen mit mindestens 40 Versicherungsjahren erhielten zum 31. Dezember 2025 rund 61 Prozent eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 1.446 Euro; bei Männern waren es 27,8 Prozent.

Parallel steigt die Altersarmut. Die Armutsgefährdungsquote der über 65-Jährigen erreichte 2025 19,5 Prozent nach 18,3 Prozent im Jahr 2022. Im Dezember 2025 bezogen 764.065 Menschen ab Regelaltersgrenze Grundsicherung — ein Plus von 3,4 Prozent und der höchste je gemessene Stand. Das DIW Berlin schätzt, dass rund 60 Prozent der Anspruchsberechtigten die Leistung nicht in Anspruch nehmen.

Die private Vorsorge, die diese Lücke schließen soll, erreicht die Betroffenen nur eingeschränkt. 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben weder eine betriebliche Altersversorgung noch einen Riester-Vertrag; bei Bruttoeinkommen unter 1.500 Euro sind es 55 Prozent. Der Riester-Bestand sank Ende 2025 auf 14,66 Millionen Verträge — der neunte Rückgang in Folge. Ab dem 1. Januar 2027 tritt das am 29. Mai 2026 verkündete Altersvorsorgedepot an seine Stelle, mit einer Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich, 300 Euro je Kind und einem einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.

Offen bleibt, was nach 2031 gilt. Die im Dezember 2025 eingesetzte Alterssicherungskommission legte am 23. Juni 2026 einen Bericht mit 33 Empfehlungen vor, darunter eine gesetzliche Kapitalrente mit zwei Prozent Zusatzbeitrag und eine Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67,5 Jahre bis 2041. Ein Gesetzentwurf zur Umsetzung liegt bislang nicht vor.

„Die Haltelinie von 48 Prozent ist eine Frist, kein Zustand. Wer heute unter 50 ist, plant für ein System nach 2031 — und niemand kann ihm sagen, wie es aussieht. Was wir dagegen genau wissen: Nicht das Rentenniveau entscheidet über Altersarmut, sondern die Lücken in der Erwerbsbiografie.“

Robert Moukabary — Gründer, MyWage GmbH

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