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MyWage mywage MyWage Research · 2026
Finanzielle Lage in Deutschland

Überschuldung und finanzielle Notlagen in Deutschland

Erstmals seit 2018 steigt die Überschuldung in Deutschland wieder deutlich an. Der Creditreform Schuldneratlas 2025 meldet 5,67 Millionen überschuldete Personen. Gleichzeitig erreicht die Kontoüberziehungsquote im März 2026 einen historischen Höchststand von 13,5 Prozent.

📅 Aktuellster Datenpunkt: smava März 2026 📊 Quellen: Creditreform, smava, Destatis, IAB 📄 Berichtszeitraum: 2015–2026
Zusammenfassung

Der Creditreform Schuldneratlas 2025 verzeichnet 5,67 Millionen überschuldete Menschen in Deutschland (+2,0 % gegenüber 2024) — die erste spürbare Trendwende nach Jahren des Rückgangs. Parallel dazu hat die Kontoüberziehungsquote im März 2026 mit 13,5 Prozent einen historischen Rekord erreicht (smava). Der häufigste Auslöser: Laufende Lebenshaltungskosten wie Miete und Lebensmittel, die 27,7 Prozent der Betroffenen zur Kontoüberziehung zwingen. Besonders betroffen sind junge Erwachsene (25–34 Jahre), Alleinerziehende und Menschen in strukturschwachen Regionen. Creditreform erwartet eine Fortsetzung des Negativtrends auch 2026.

Zentrale Kennzahlen


0
Überschuldete Personen
Deutschland (2025)
↑ +2,0 % — erste Trendwende seit 2018
MyWage EinblickKreditgenehmigung: Starke regionale Unterschiede
14 % vs. 10 %
Kreditkarten-Genehmigungsrate:
Bayern-Süd vs. Bayern-Nord —
innerregionale Disparität
NRW-Nord
Höchstes absolutes Kreditanfrage-Volumen
bei niedrigster regionaler
Genehmigungsquote
Trend ↓
Genehmigungsraten gesunken:
Okt 2025: 17,6 % → Mai 2026: 7 %
(TF Bank Kreditkarte)

Basis: Aggregierte TF Bank-Kreditkartenanträge über MyWage nach PLZ-Region, 2025–2026. Genehmigungsquoten spiegeln algorithmische Kreditentscheidungen und regionale Bonitätsprofile wider.

0
Überschuldungsquote
Erwachsene (2025)
↑ von 8,09 % (2024)
0
Kontoüberziehungsquote
März 2026 (smava)
Historischer Höchststand
0
Ø Dispozinssatz
(2026)
Bis zu 15,47 % möglich
0
Überziehungen wegen
laufender Kosten
Häufigster Auslöser (smava 2026)
0
Überzieher mit
> 2.000 € Minus
März 2026 (smava)

Schuldneratlas 2025: Trendwende bei der Überschuldung


Der Creditreform Schuldneratlas 2025 markiert eine klare Zäsur: Nach Jahren sinkender Überschuldungszahlen steigt die Quote erstmals seit 2018 wieder spürbar an. 5,67 Millionen Menschen über 18 Jahre sind in Deutschland überschuldet — das sind 111.000 mehr als im Vorjahr (+2,0 %). Creditreform spricht von einer „Trendwende" und warnt, dass die finanziellen Puffer vieler Haushalte durch die Multikrisenjahre erschöpft seien.

Abb. 1 — Überschuldete Personen in Deutschland 2015–2025
In Millionen. Quelle: Creditreform Schuldneratlas 2025.
Tabelle 1: Entwicklung der Überschuldung in Deutschland 2015–2025. Quelle: Creditreform Schuldneratlas 2025.
JahrÜberschuldete PersonenÜberschuldungsquoteVeränd. zum Vorjahr
20156,84 Mio.10,2 %
20176,91 Mio.10,3 %+1,0 %
20196,92 Mio.10,2 %±0 %
20206,85 Mio.10,0 %−1,0 %
20215,98 Mio.8,7 %−12,7 %
20225,64 Mio.8,2 %−5,7 %
20235,52 Mio.8,1 %−2,1 %
20245,56 Mio.8,09 %+0,7 %
20255,67 Mio.8,16 %+2,0 %

🔴 Höchste Überschuldungsquoten (2025)

Bremerhaven: ~18,9 %
Bremen: 12,11 %
Duisburg: ~15 %
Sachsen-Anhalt: 10,73 %
Dortmund: ~14,4 %

🟢 Niedrigste Überschuldungsquoten (2025)

Bayern: 6,05 %
Baden-Württemberg: 6,88 %
München (Lkr.): ~3,2 %
Starnberg: ~3,5 %
Bodenseekreis: ~4,4 %

Unterschätzung durch Definition: Der Schuldneratlas erfasst nur Überschuldung mit formellen Negativmerkmalen (SCHUFASchutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung – Deutschlands wichtigste Wirtschaftsauskunftei, die Kreditwürdigkeitsdaten speichert., Gerichtsvollzieher). „Stille Überschuldung" — anhaltender Geldmangel ohne formelle Einträge — wird systematisch unterschätzt. Schätzungen gehen von bis zu 8 Millionen Betroffenen aus, wenn weichere Kriterien angelegt werden.

Kontoüberziehung: Historischer Rekord im März 2026


Die monatlichen Erhebungen der smava GmbH (Innofact AG) zeigen: Im März 2026 hatten 13,5 Prozent der deutschen Erwachsenen ihr Girokonto überzogen — der höchste Wert seit Beginn der Erhebungsreihe im Dezember 2021. 34,8 Prozent der Überzieher standen dabei mit mehr als 2.000 Euro im Minus.

Abb. 2 — Kontoüberziehungsquote in Deutschland (Erhebungsreihe smava)
In %. Monatliche repräsentative Umfrage (Innofact AG, n ≥ 1.000). Quelle: smava GmbH, 2022–2026.

Gründe für Kontoüberziehung (März 2026)

Abb. 3 — Hauptauslöser der Kontoüberziehung
Mehrfachnennungen möglich. Quelle: smava / Innofact AG, März 2026 (n=1.046).
Dispokosten bei Ihrem Zinssatz
Bei günstigem Ratenkredit (6,5 %)
Mehrkosten durch Dispo
Kostenverlauf: Dispo vs. Ratenkredit
Akkumulierte Zinskosten je Monat

Auslöser von Überschuldung


Die amtliche Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes (basiert auf Schuldnerberatungsdaten) zeigt: Überschuldung entsteht überwiegend durch wirtschaftliche Schockereignisse, nicht durch mangelnde Disziplin. Besonders auffällig ist der Anstieg der Kategorie „gestiegene Lebenshaltungskosten" in der Post-Inflationsphase.

Tabelle 2: Hauptauslöser von Überschuldung in Deutschland (2024). Quellen: Destatis Überschuldungsstatistik, Caritas/Diakonie Schuldnerberatung.
AuslöserAnteil (2024)Veränd. ggü. 2019
Arbeitslosigkeit / Einkommensverlust30,2 %−2,1 PP
Gescheiterte Selbstständigkeit11,4 %+0,3 PP
Scheidung / Trennung9,8 %−0,7 PP
Krankheit / Unfall8,7 %+1,2 PP
Gestiegene Lebenshaltungskosten6,1 %+3,8 PP
Unwirtschaftliches Haushalten7,9 %−0,4 PP
Sucht (Glücksspiel, Alkohol etc.)4,3 %+0,2 PP
Sonstiges / Unbekannt21,6 %
Lebenshaltungskosten als neue Schuldenfalle: Der Auslöser „gestiegene Lebenshaltungskosten" ist zwischen 2019 und 2024 um fast 4 Prozentpunkte gestiegen — ein direkter Fingerabdruck der Inflationsphase. Haushalte, die bereits knapp budgetierten, wurden durch den Preisanstieg über die Grenze zur Überschuldung gedrängt.

Risikogruppen: Wer ist besonders betroffen?


Abb. 4 — ÜberschuldungsquoteAnteil der Bevölkerung, der seine Schulden dauerhaft nicht mehr bedienen kann und bei dem eine dauerhafte finanzielle Notlage vorliegt. nach Altersgruppe (2025)
In %. Bundesdurchschnitt: 8,16 %. Quelle: Creditreform Schuldneratlas 2025.
Tabelle 3: Überschuldungsrisiko nach Haushaltstyp (2025). Quellen: Creditreform, SCHUFA Kredit-Kompass 2025.
HaushaltstypRelative Gefährdung
Alleinerziehende (1+ Kind)3,4× überdurchschnittlich
Alleinstehende unter 352,2× überdurchschnittlich
Paare ohne Kinder unter 351,6× überdurchschnittlich
Familien mit 3+ Kindern1,5× überdurchschnittlich
Paare mit 1–2 Kindern1,1× leicht überdurchschnittlich
Paare mittleren Alters ohne Kinder (45–60)0,6× unterdurchschnittlich
Rentnerhaushalte (65+)0,4× deutlich unterdurchschnittlich
Altersgruppe 25–34 Jahre am stärksten betroffen: Mit einer Überschuldungsquote von 14,2 Prozent liegt diese Gruppe weit über dem Bundesdurchschnitt von 8,16 Prozent. Hohe Konsumkreditbelastungen (Automobil, Einrichtung), instabilere Beschäftigungsverhältnisse und in Städten ein überproportional hoher Mietkostenanteil am Einkommen sind die Hauptfaktoren.

Privatinsolvenzen: Anhaltend hoher Anstieg


Die Verkürzung der Restschuldbefreiungsfrist von 6 auf 3 Jahre (Insolvenzrechtsreform Oktober 2020) hat die Privatinsolvenz als Instrument zur Schuldenbereinigung attraktiver gemacht. Seit 2021 steigen die Fallzahlen kontinuierlich an. Die Kombination aus Reform-Nachholeffekten und echten Neufällen aus der Inflationsphase hat die Privatinsolvenzen in Deutschland wieder auf über 90.000 pro Jahr getrieben.

Abb. 5 — Privatinsolvenzen in Deutschland 2015–2024
Anzahl der Verfahren. Quelle: Statistisches Bundesamt, Insolvenzstatistik (Fachserie 2, Reihe 4.1).

Ausblick 2026: Creditreform erwartet weiteren Anstieg


Creditreform erwartet in seiner Prognose für 2026 eine Fortsetzung des Negativtrends: Steigende Lebenshaltungskosten, ein sich eintrübender Arbeitsmarkt (Industrie, Automobilsektor) und der Abbau der während der Pandemie aufgebauten finanziellen Puffer könnten die Überschuldungszahlen auf 5,8–6,0 Millionen Personen steigen lassen. Die Kontoüberziehungsquote von 13,5 Prozent im März 2026 ist ein deutliches Frühwarnsignal.

Kapazitätsengpass in der Schuldnerberatung: Die rund 1.400 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland (Träger: Caritas, Diakonie, Verbraucherzentralen) können nach Schätzungen nur etwa ein Drittel der Beratungsanfragen bedienen. Die Wartezeiten betragen vielerorts 6–12 Monate. Fachverbände fordern eine deutliche Aufstockung der öffentlichen Mittel.

Methodik und Datengrundlage

Überschuldungsdaten: Creditreform Schuldneratlas 2025 (veröffentlicht November 2025), basiert auf Bonitäts- und Inkassodaten. Kontoüberziehungsdaten: smava GmbH / Innofact AG, repräsentative monatliche Umfragen (n ≥ 1.000, bevölkerungsrepräsentativ nach Alter, Geschlecht, Bundesland; aktuellster Datenpunkt März 2026). Privatinsolvenzstatistik: Statistisches Bundesamt Fachserie 2, Reihe 4.1. Auslöser von Überschuldung: Destatis Überschuldungsstatistik (basiert auf Erhebung bei Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen). Risikogruppen: Creditreform Schuldneratlas 2025, SCHUFA Kredit-Kompass 2025. Dispozinssätze: smava Marktübersicht 2026. Alle Quoten beziehen sich auf Personen ab 18 Jahren.

Quellenverzeichnis


ÜberschuldungSchuldneratlas 2025DispoPrivatinsolvenzenRisikogruppenTrendwende
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