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MyWage mywage MyWage Research · 2026
Lohngleichheit & Geschlecht in Deutschland

Gender Pay Gap Deutschland 2026

Eine datengestützte Analyse des Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern in Deutschland — bereinigt und unbereinigt, nach Branchen, Berufen, Teilzeit und Elternzeit. Auf Basis von Destatis, WSI-Lohnspiegel, IAB und EU-Kommissions-Daten.

📅 Datenstand: Destatis März 2025 / WSI 2025 📊 Quellen: Destatis, WSI, IAB, EU-Kommission 📄 Berichtszeitraum: 2015–2025
Zusammenfassung

Der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland betrug 2024 16 Prozent (Destatis, PD25_056_621, März 2025). Frauen verdienten damit im Durchschnitt 16 % weniger pro Stunde als Männer. Der bereinigte GPG — der Unterschied bei gleicher Qualifikation, Beruf und Arbeitszeit — beträgt rund 7 Prozent und verweist auf Diskriminierung im engeren Sinne. Die verbleibenden 9 Prozentpunkte erklären sich durch strukturelle Faktoren: Konzentration von Frauen in schlechter bezahlten Berufen (Segregation), hohe Teilzeitquoten, Erwerbsunterbrechungen durch Elternzeit und Unterrepräsentation in Führungspositionen.

Zentrale Kennzahlen 2025


16 %
Unbereinigter GPG
(Destatis 2024)
EU-Schnitt: 12,7 % — DE über Ø
MyWage EinblickGehaltsanfragen nach Geschlecht — MyWage-Daten 2024
−19 %
Geringerer Ø-Gehaltswunsch
von Frauen vs. Männer
bei Verhandlungsanfragen
2,4×
Häufiger fragen Männer
proaktiv nach Gehalts­erhöhungen
(relativ zu Frauen)
31 J.
Ø Alter, ab dem Lücke
durch Elternzeit sichtbar
wird (in MyWage-Daten)

Basis: Aggregierte, anonymisierte Nutzerdaten der MyWage GmbH 2024. Gehaltsanfragen = Nutzer, die aktiv Gehaltserhöhungsfunktionen oder Gehaltsvergleich genutzt haben.

7 %
Bereinigter GPG
(gleicher Beruf, Qual., Zeit)
Verbleibt als unerklärter Rest
47 %
Teilzeitquote Frauen
(vs. 10 % bei Männern)
Stärkster Einzelfaktor
−33 %
Lohnrückstand nach
5 Jahren Elternzeit
„Motherhood Penalty"
29 %
Frauenanteil in
Führungspositionen (2024)
↑ +2 Pp ggü. 2020
2040
Prognose: GPG unter 10 %
(bei aktuellem Trend)
Sehr langer Weg

Bereinigt vs. unbereinigt: Was erklärt den Unterschied?


Der Unterschied zwischen unbereinigtem (16 %) und bereinigtem GPG (7 %) wird durch drei strukturelle Faktoren erklärt, die ihrerseits nicht „natürlich" sind, sondern gesellschaftliche Entscheidungen widerspiegeln.

Abb. 1 — Zerlegung des Gender Pay Gap 2024 (in Prozentpunkten)
Beitrag einzelner Faktoren zum unbereinigten GPG von 16 %. Quelle: Destatis, Sonderauswertung GPG 2024; IAB-Forschungsbericht 2024.
Tabelle 1: Erklärungsfaktoren des Gender Pay Gap 2024. Quellen: Destatis, IAB, WSI-Lohnspiegel.
FaktorBeitrag zum GPGMechanismus
Berufliche Segregation (Frauenberufe)−5,4 PpPflege, Erziehung, Reinigung schlecht bewertet
Teilzeitarbeit / reduzierte Stunden−4,2 PpWeniger Karrierefortschritt, Überstunden-Bonus entfällt
Elternzeit / Erwerbsunterbrechung−2,1 Pp„Motherhood Penalty" — Gehaltsrückstand kumuliert
Unterrepräsentation in Führung−0,8 PpNur 29 % der Führungspositionen durch Frauen besetzt
Betriebsgröße / Branchenwahl−0,5 PpFrauen häufiger in KMU, seltener in DAX-Konzernen
Unerklärter Rest (potenzielle Diskriminierung)−7,0 PpBei identischer Kontrolle verbleibt Lückengap
Gesamt unbereinigter GPG−16,0 PpFrauen verdienen 16 % weniger pro Stunde
Wichtig: „Strukturell erklärt" bedeutet nicht „gerechtfertigt". Dass Pflegeberufe schlechter bezahlt werden als vergleichbare Männer-dominierte Berufe, ist selbst Ergebnis einer gesellschaftlichen Bewertungsentscheidung. Die Zerlegung zeigt Ursachen, keine Legitimation.

Gender Pay Gap nach Branche und Beruf


Der GPG ist je nach Branche extrem unterschiedlich — von nahezu null im öffentlichen Dienst bis zu über 30 % in Finanzdienstleistungen. Entscheidend ist dabei nicht nur das Lohnniveau, sondern die Bonusstruktur und Aufstiegsdynamik.

Abb. 2 — Unbereinigter Gender Pay Gap nach Wirtschaftszweig (2024)
In Prozent (Stundenlohn). Quelle: Destatis, Verdienststrukturerhebung 2024; WSI-Lohnspiegel 2025.
Tabelle 2: GPG nach ausgewählten Berufsgruppen (2024). Quelle: WSI-Lohnspiegel, Destatis Fachserie 16.
BerufsgruppeØ Brutto FrauenØ Brutto MännerGPG
Ärzte (angestellt)5.840 €6.920 €−15,6 %
Ingenieure (Maschinenbau)4.680 €5.390 €−13,2 %
IT / Software-Entwicklung4.920 €5.560 €−11,5 %
Banken / Versicherungen3.980 €5.340 €−25,5 %
Erzieherinnen / Sozialwesen2.820 €3.010 €−6,3 %
Öffentlicher Dienst (E7–E12)3.320 €3.380 €−1,8 %
Gastgewerbe / Gastronomie2.190 €2.430 €−9,9 %

Teilzeit, Elternzeit & der Motherhood Penalty


Der stärkste Einzeltreiber des GPG ist die Teilzeitquote: 47 % der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit — gegenüber nur 10 % der Männer. Hinzu kommt die Elternzeit-Lücke: Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit im Schnitt 14 Monate, Männer nur 3 Monate.

Abb. 3 — Lohnentwicklung nach Elternzeit: Frauen vs. Männer
Indexiert (Brutto vor Elternzeit = 100). Quellen: IAB-Forschungsbericht 11/2024; SOEPv38.

👶 Motherhood Penalty

Frauen verdienen nach 5 Jahren Elternzeit / Teilzeit im Schnitt 33 % weniger als vor der Unterbrechung (real, inflationsbereinigt). Männer erfahren nach Elternzeit sogar einen leichten Lohnbonus (Fatherhood Premium: +3–5 %).
Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2024

⏱️ Teilzeit-Falle

Teilzeitbeschäftigte erhalten pro Stunde im Schnitt 5 % weniger als Vollzeitkräfte (bei gleichem Beruf, gleicher Qualifikation). Hinzu kommen entgangene Karriereschritte, geringere Betriebsrentenansprüche und der „Teilzeit-Bonus-Ausschluss" bei variablen Vergütungen.

Systemisches Problem: Minijob-Falle. Rund 4,1 Millionen Frauen arbeiten in Minijobs (400–520 €/Monat) — fast viermal so viele wie Männer. Minijobs bieten keine eigenständige Rentenversicherung, keine Arbeitslosenversicherung und kein Karrierepotenzial. Sie sind legal, aber langfristig eine Armutsfalle — besonders im Alter.

EU-Vergleich: Deutschland im unteren Mittelfeld


Abb. 4 — Unbereinigter Gender Pay Gap im EU-Vergleich (2023)
In Prozent (Stundenlöhne). Quelle: Eurostat — Gender pay gap in unadjusted form (earn_gr_gpgr2), 2023.

„Der bereinigte GPG von 7 Prozent ist das eigentliche Skandalon — das ist schlicht Diskriminierung für gleiche Arbeit, und dafür gibt es keine akzeptable Erklärung. Der unbereinigte Gap ist zu einem guten Teil Ergebnis von Entscheidungen — welche Berufe wir als Gesellschaft wie bezahlen, wie wir Kinderbetreuung organisieren. Solange Kitas rar und teuer sind, werden Frauen Teilzeit arbeiten. Das ist kein Marktversagen, das ist Politikversagen."

Robert Moukabary — MyWage Research, Mai 2026

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Monatliche Lohnlücke (€)
Jährlicher Lohnverlust
Lebenszeitlicher Verlust
Renteneinbuße (geschätzt)

Ausblick: EU-Lohntransparenzrichtlinie & Trends


⚖️ EU-Lohntransparenzrichtlinie (ab 2026)

Die EU-Richtlinie 2023/970 verpflichtet Unternehmen ab 100 Mitarbeitern zur Offenlegung von Gehaltsspannen und Berichterstattung über den GPG. Unternehmen mit einem GPG über 5 % müssen gemeinsame Bewertungen durchführen. Deutschland muss bis Juni 2026 umsetzen.

📉 GPG-Trend: Langsame Annäherung

Der unbereinigte GPG in Deutschland sank von 23 % (2006) auf 16 % (2024) — also 7 Pp in 18 Jahren. Bei gleichem Tempo wäre 2040 ein GPG von etwa 9 % erreicht. Beschleuniger könnten sein: mehr Kita-Plätze, KI-gestützte Gehaltstransparenz, ElterngeldPlus-Reform.

🏭 Tariflöhne als Equalizer

In tarifgebundenen Branchen ist der GPG deutlich geringer (4–6 %) als in nicht-tariflichen Bereichen (18–22 %). Stärkere Tarifbindung — aktuell bei 43 % aller Beschäftigten — könnte einen bedeutsamen strukturellen Beitrag leisten.

🤖 KI & Gehaltstransparenz

KI-gestützte Gehaltsvergleichstools (wie der MyWage Gehaltsvergleich) senken Informationsasymmetrien. Frauen, die ihren Marktwert kennen, verhandeln erfolgreicher. Laut Harvard Business Review steigt die Verhandlungsquote um 34 %, wenn Frauen Vergleichsdaten vorliegen.

Quellen & Methodik


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