ETF-Entnahme: So viel kannst du dir monatlich auszahlen
Du hast ein ETF-Depot aufgebaut – und fragst dich, wie viel du dir monatlich auszahlen kannst, ohne dass dein Vermögen schrumpft. Der Trick: Entnimm nur die Rendite, nicht die Substanz. Hier sind konkrete Monatsbeträge je Depotgröße – und die ehrlichen Grenzen.
Inhalt
Das Wesentliche in 30 Sekunden
Schnellübersicht für eilige Leser
- Faustregel: 3–4 % pro Jahr entnehmen. Bei 100.000 € sind das rund 250–333 € im Monat.
- Entnimmst du weniger als die reale Rendite (Rendite minus Inflation), bleibt das Kapital im Schnitt erhalten.
- „Wird nicht weniger" gilt langfristig im Schnitt – kurzfristig schwankt der Depotwert (Sequenzrisiko).
- Nur der Gewinnanteil der Entnahme wird versteuert – effektiv rund 18,5 % bei Aktien-ETFs.
- In Crash-Jahren weniger entnehmen schützt die Substanz am wirksamsten.
Die Idee: die Rendite entnehmen, nicht das Kapital #
Ein weltweit gestreutes Aktien-ETF-Depot erwirtschaftet langfristig im Schnitt grob 6–8 % pro Jahr vor Inflation. Ziehst du davon die Inflation (im langjährigen Mittel rund 2 %) ab, bleibt eine reale Rendite von etwa 4–6 %. Solange du weniger entnimmst, als real hinzukommt, bleibt dein Vermögen erhalten – dein Depot arbeitet quasi als „selbst auffüllender" Geldtopf.
Genau darauf baut die bekannte 4%-Regel auf: Entnimm im ersten Jahr 4 % deines Depotwerts und passe den Betrag danach an die Inflation an. In historischen Auswertungen hielt ein so entnommenes Depot in den allermeisten Fällen mindestens 30 Jahre – oft war am Ende sogar mehr da als am Anfang.
Wie viel kannst du dir monatlich auszahlen? #
Die folgende Tabelle zeigt die monatliche Brutto-Entnahme je Depotgröße – einmal mit 3 % (vorsichtig, hoher Kapitalerhalt) und mit 4 % (klassische Faustregel).
| Depotwert | 3 % pro Jahr | 4 % pro Jahr |
|---|---|---|
| 50.000 € | 125 €/Monat | 167 €/Monat |
| 100.000 € | 250 €/Monat | 333 €/Monat |
| 200.000 € | 500 €/Monat | 667 €/Monat |
| 300.000 € | 750 €/Monat | 1.000 €/Monat |
| 500.000 € | 1.250 €/Monat | 1.667 €/Monat |
Warum das Geld „nicht weniger wird" – und wo die Grenzen liegen #
Der Kapitalerhalt funktioniert über den Durchschnitt: Wächst dein Depot langfristig stärker, als du entnimmst, bleibt die Substanz erhalten. Über kurze Zeiträume ist das aber keine Garantie – und hier liegt die wichtigste Grenze.
Kommen gleich zu Beginn der Entnahmephase schwache Börsenjahre, verkaufst du Anteile zu niedrigen Kursen – die Substanz sinkt und kann sich schwerer erholen. Eine feste Entnahme in einem Crash ist der gefährlichste Fall. Genau deshalb ist Flexibilität so wichtig (siehe unten).
Zweite Grenze ist die Inflation: 333 € heute haben in 20 Jahren spürbar weniger Kaufkraft. Die 4%-Regel gleicht das aus, indem der Entnahmebetrag jährlich mit der Inflation steigt – dann bleibt die Kaufkraft konstant, nicht nur der Euro-Betrag.
Was nach Steuern übrig bleibt #
Wichtig: Nicht die ganze Entnahme wird versteuert, sondern nur der darin enthaltene Gewinnanteil. Der Teil, der auf deine ursprünglichen Einzahlungen entfällt, ist steuerfrei. Auf den Gewinn fallen an:
- Kapitalertragsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer)
- bei Aktien-ETFs eine Teilfreistellung von 30 % – nur 70 % des Gewinns werden besteuert
- effektiv also rund 18,5 % auf den Gewinnanteil
- der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr bleibt komplett steuerfrei
In den ersten Entnahmejahren ist der Gewinnanteil meist klein, sodass netto fast der volle Betrag ankommt. Für die genaue Zahl lohnt der Rechner.
Flexibel bleiben statt starr entnehmen #
Ein Tagesgeld-Polster für 2–3 Jahresentnahmen überbrückt Crash-Phasen, ohne dass du Anteile zu Tiefstkursen verkaufen musst.
Kürze die Entnahme in Minus-Jahren (z. B. auf 3 %) und hole in guten Jahren auf. Das schützt die Substanz am wirksamsten.
Wer nah an 3 % beginnt, hat historisch die besten Chancen, dass das Depot real erhalten bleibt – und kann später erhöhen.
Rechne deinen Entnahmeplan durch
Wie lange reicht dein Depot – und was bleibt pro Monat? Rechne dein Szenario in 30 Sekunden durch.
Zum Entnahmeplan-Rechner →Faustregeln nach der „Trinity Study" (Cooley, Hubbard & Walz, 1998) und gängigen langfristigen Kapitalmarktdaten. Alle Angaben sind Modellrechnungen; Rendite, Inflation und Steuern schwanken. Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.
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Häufige Fragen
- Als Faustregel gelten 3–4 % pro Jahr. Bei 100.000 € sind das rund 3.000–4.000 € im Jahr, also etwa 250–333 € im Monat (brutto, vor Steuern). Wer näher an 3 % bleibt, hat gute Chancen, dass das Kapital real erhalten bleibt.
- Wenn du langfristig weniger entnimmst, als dein Depot nach Inflation an Rendite erwirtschaftet, bleibt das Kapital im Schnitt erhalten oder wächst. Das gilt aber nur über lange Zeiträume – kurzfristig schwankt der Depotwert, und in schlechten Börsenjahren zehrt eine feste Entnahme an der Substanz (Sequenzrisiko).
- Nur der Gewinnanteil einer Entnahme ist steuerpflichtig. Auf ihn fallen Kapitalertragsteuer (25 % plus Soli) an, bei Aktien-ETFs mit 30 % Teilfreistellung – effektiv rund 18,5 % auf den Gewinn. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr bleibt steuerfrei.
