Du hast jahrelang gespart – jetzt willst du wissen, wie lange dein Depot im Ruhestand hält. Wir erklären die 4%-Regel, das Sequenzrisiko und praktische Entnahmestrategien für den deutschen Markt.
Die 4%-Regel ist eine Faustregel aus der US-amerikanischen Finanzwissenschaft, die auf der sogenannten Trinity-Studie von 1998 basiert. Forscher analysierten historische Börsendaten und stellten fest: Bei einer jährlichen Entnahmerate von 4 % des anfänglichen Depotwertes überlebt ein Aktien-Anleihen-Portfolio in 95 % der historischen Szenarien mindestens 30 Jahre.
Auf Deutschland übertragen, empfehlen viele Experten eine konservativere Rate von 3,5 %, weil hier Steuern auf Entnahmen anfallen (26,375 % Abgeltungssteuer auf Kursgewinne) und die Renditeannahmen für europäische Märkte historisch etwas niedriger waren.
Beim Verkauf von ETF-Anteilen fällt Abgeltungssteuer auf den Kursgewinn an. Wenn du 1.000 Euro entnimmst und die Hälfte davon Kursgewinn ist, zahlst du 26,375 % auf 500 Euro = ca. 132 Euro Steuern. Die Netto-Entnahme beträgt dann 868 Euro.
Je länger das Depot läuft, desto größer wird der Kursgewinn-Anteil – und damit auch die Steuerbelastung. Daraus folgt: Die 3,5 %-Regel ist für den deutschen Markt realistischer als 4 %.
Das Sequenzrisiko ist das größte Risiko im Ruhestand – und wird oft unterschätzt. Es beschreibt den Effekt, dass starke Kursverluste in den ersten Jahren des Ruhestands dauerhaft schädlicher sind als die gleichen Verluste in späteren Jahren.
| Szenario | Depot nach 10 Jahren |
|---|---|
| Start: 500.000 €, Markt läuft stabil (5 % p.a.), 20.000 €/Jahr Entnahme | ca. 540.000 € |
| Start: 500.000 €, Jahr 1–2 Crash (-40 %), dann Erholung (+7 % p.a.) | ca. 220.000 € (!) |
Das Depot im Crash-Szenario ist um 60 % kleiner – obwohl der Gesamtmarkt sich langfristig erholt hat. Der Grund: In den ersten Jahren werden bei fallenden Kursen mehr Anteile verkauft als geplant. Diese fehlen dann bei der Erholung.
Die Bucketing-Strategie teilt das Depot in drei Töpfe mit unterschiedlichen Zeithorizonten:
Bei einem Börsencrash greifst du aus Topf 1 und lässt Topf 3 in Ruhe erholen. Das verhindert, dass du ETFs zu ungünstigen Kursen verkaufen musst.
Statt jedes Jahr denselben Betrag zu entnehmen, passt du die Entnahme der Marktlage an: In guten Börsenjahren entnimmst du etwas mehr, in schlechten Jahren weniger. Studien zeigen, dass schon eine Reduktion von 10 % in Crash-Jahren die Überlebenswahrscheinlichkeit des Depots erheblich erhöht.
2 % Inflation pro Jahr klingen harmlos – aber über 20 Jahre halbiert sich die Kaufkraft beinahe. Eine Entnahme von 1.667 Euro monatlich heute entspricht nach 20 Jahren bei 2 % Inflation noch einer realen Kaufkraft von etwa 1.120 Euro. Wer seinen Lebensstandard halten möchte, muss die Entnahmen regelmäßig anpassen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Renditeprognosen sind keine Garantie. Dieser Artikel stellt keine Anlage- oder Rentenberatung dar.
Die 4%-Regel stammt aus der Trinity-Studie (USA): Bei einer jährlichen Entnahmerate von 4 % des anfänglichen Depotwertes hält das Portfolio mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens 30 Jahre. Für Deutschland mit Steuern wird oft 3,5 % empfohlen.
Das Sequenzrisiko beschreibt das Risiko, dass starke Kursverluste in den ersten Jahren des Ruhestands das Depot dauerhaft schädigen. Wer in einem Börsencrash hohe Entnahmen tätigt, verbraucht mehr Anteile als geplant – und erholt sich schlechter.
Bei 500.000 Euro, 5 % Rendite und 4 % Entnahme (20.000 Euro/Jahr) wächst das Depot real noch leicht. Theoretisch reicht es unbegrenzt. Nach Steuern und bei 2 % Inflation wird die reale Kaufkraft der Entnahmen jedoch schleichend geringer.
Beim Bucketing wird das Depot in mehrere Töpfe aufgeteilt: Topf 1 (Cash für 1–2 Jahre), Topf 2 (Anleihen für 3–7 Jahre), Topf 3 (Aktien-ETF für 8+ Jahre). So muss man bei einem Crash keine ETFs verkaufen und kann aus dem Cash-Topf leben.