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Riester-Rente vs. ETF-Sparplan – Wer gewinnt nach 30 Jahren?

von Dr. Gamal Moukabary · 6. Mai 2026 · 12 Min. Lesezeit

Über 16 Millionen Deutsche besparen einen Riester-Vertrag. Doch fast niemand hat ausgerechnet, ob sich das überhaupt lohnt. In diesem Artikel vergleichen wir Riester-Rente und ETF-Sparplan mit echten Zahlen, Steuern und Zulagen – und zeigen dir, wer nach 30 Jahren wirklich gewinnt.

Was ist Riester-Rente?

Die Riester-Rente ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt, das seit 2002 existiert. Der Staat belohnt deine Sparbeiträge mit direkten Zulagen und Steuervergünstigungen. Klingt gut – aber es gibt Haken.

Förderung 2026:

  • Grundzulage: 175 € pro Jahr für jeden Sparer
  • Kinderzulage: 185 € pro Jahr (für Kinder vor 2008 geboren) oder 300 € pro Jahr (ab 2008 geboren)
  • Steuervorteil: Deine Beiträge kannst du bis 2.100 € pro Jahr steuerlich absetzen

Um die volle Zulage zu bekommen, musst du mindestens 4 % deines Vorjahresbruttoneinkommens abzüglich bereits erhaltener Zulagen einzahlen.

Vertragsarten: Riester gibt es als Banksparplan, Versicherung, Fondssparplan oder Bausparvertrag. Hier liegt bereits das erste Problem: Versicherungen sind oft teuer (1–2 % Verwaltungskosten pro Jahr), während Fondssparpläne günstiger sind.

Achtung: Riester ist eine nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet: Die Leistungen im Rentenalter sind vollständig steuerpflichtig. Wenn du in der Rente mit anderen Einkünften zusammen über 50.000 € hinauskommst, zahlst du möglicherweise mehr Steuern zurück, als du gespart hast.

Was ist ein ETF-Sparplan?

Ein ETF-Sparplan ist eine einfache, passive Anlagestrategie: Du sparst regelmäßig einen festen Betrag in einen oder mehrere börsengehandelte Indexfonds ein. Diese Fonds bilden große Aktienindizes ab – zum Beispiel den MSCI World oder FTSE All-World.

Vorteile:

  • Geringe Kosten: TER (Total Expense Ratio) von nur 0,1–0,2 % pro Jahr
  • Volle Flexibilität: Du kannst jederzeit Geld entnehmen, nachschießen oder stoppen
  • Transparenz: Kein Kleingedrucktes, keine versteckten Gebühren
  • Globale Diversifikation: Dein Geld ist in hunderten von Unternehmen weltweit angelegt
  • Teilverkäufe möglich: Du kannst flexibel vorzeitig auf dein Geld zugreifen

Steuern: Auf Kursgewinne zahlst du Abgeltungssteuer (25 % + Soli = ca. 26,4 %). Allerdings hast du einen Freibetrag (801 € für Singles, 1.602 € für Verheiratete) pro Jahr.

Der Vergleich: 30 Jahre, echte Zahlen

Lass uns durchrechnen: Du sparst 30 Jahre lang jeden Monat 100 € ein. Wie viel Geld hast du nach 3 Jahrzehnten?

Szenario Riester-Rente ETF-Sparplan
Monatlicher Sparbeitrag 100 € 100 €
Staatliche Förderung/Jahr 175 € (Grundzulage) – (keine)
Rendite p.a. (nach Kosten) 3 % 7 % (Historischer Schnitt MSCI World)
Nach 30 Jahren (brutto) ca. 58.000 € ca. 113.000 €
Nach Steuern/Besteuerung ca. 48.000 € netto* ca. 95.000 € netto*
Flexibilität in Notfall Gering (Kündigung teuer) Hoch (jederzeit)
Risiko Niedrig Mittel (Schwankungen)

*Riester: Nachgelagerte Besteuerung im Rentenalter (angenommen 45 % Grenzsteuersatz); ETF: Abgeltungssteuer 26,4 % auf realisierte Kursgewinne nach Freibetrag

Das Ergebnis ist deutlich: Nach 30 Jahren hast du mit dem ETF-Sparplan knapp 47.000 € mehr in der Tasche als mit Riester. Das ist nicht nur eine Frage der Rendite, sondern auch der Flexibilität und der versteckten Kosten bei Riester-Verträgen.

Wer profitiert von Riester?

Es gibt Menschen, bei denen Riester trotzdem Sinn macht – aber sie sind in der Minderheit.

Riester ist attraktiv für:

  • Geringverdiener mit vielen Kindern: Wenn du 20.000 € brutto verdienst und 2 Kinder hast, bekommst du jährlich 175 € (Grundzulage) + 2 × 300 € (Kinderzulage) = 775 € Förderung. Dein Mindestbeitrag liegt aber nur bei ca. 600 € pro Jahr. Die Zulagen übersteigen deinen Eigenbeitrag!
  • Beamte: Sie haben keine gesetzliche Rente, deshalb ist private Vorsorge für sie wichtiger
  • Menschen mit sehr niedrigem Rentensteuersatz: Wer im Ruhestand unter der Steuerfreibetragsgrenze bleibt, zahlt keine Steuern auf Riester-Auszahlungen

Beispiel: Mutter, 2 Kinder, 20.000 € Bruttoeinkommen

  • Mindestbeitrag: 4 % × 20.000 € = 800 €/Jahr
  • Abzug Grundzulage: 800 € – 175 € = 625 € Eigenbeitrag nötig
  • Erhaltene Zulagen: 175 € + 600 € = 775 €/Jahr
  • Effektiv verdient sie durch Zulagen! Riester macht hier Sinn.

Das Urteil: Für die meisten ist der ETF besser

Wir sprechen Klartext: Für Durchschnittsverdiener ohne Kinder ist der ETF-Sparplan die bessere Wahl.

Gründe:

  1. Höhere Rendite: Historisch liefert der MSCI World im Schnitt 7–8 % pro Jahr. Riester bringt selbst mit Zulagen nur 3–4 %.
  2. Niedrigere Kosten: ETF-Kosten sind 0,1–0,2 % vs. 1–2 % bei Riester-Versicherungen
  3. Flexibilität: Mit ETF kannst du jederzeit Geld entnehmen. Bei Riester verlierst du die Zulagen und zahlst ggf. Strafzinsen.
  4. Keine Steuerfalle: ETF unterliegen der Abgeltungssteuer (pauschal 26,4 %), nicht der Einkommensteuer. Das ist oft günstiger als Riester im Rentenalter.
  5. Vererbbarkeit: Dein ETF-Depot geht auf deine Erben über. Riester endet oft mit deinem Tod.
Unsere Empfehlung: Mache den Riester-Check: Berechne deine jährliche Förderung und vergleiche sie mit den Kosten deines Vertrags. Wenn die Zulagen deine Kosten nicht decken, wechsel zu ETF.

5-Schritte-Plan: So steigst du um

Schritt 1: Riester-Vertrag prüfen

Sammle deine Vertragsunterlagen oder kontaktiere deinen Anbieter. Du brauchst folgende Daten:

  • Jährliche Verwaltungskosten (in € oder %)
  • Bisheriges Guthaben
  • Vereinbarte Rendite
  • Erhaltene Zulagen (Gesamtsumme)

Schritt 2: Kalkulation machen

Nutze unseren Riester-Kalkulator (siehe Sidebar) oder rechne selbst: Teile deine jährlichen Kosten durch 4 %. Das ist die Grenze, ab der Riester wirtschaftlich sinnlos wird.

Schritt 3: Entscheidung treffen

Falls Riester wirtschaftlich schlecht ist: Nicht kündigen – kündigung kostet Zulagen und Steuervorteile! Besser: Beitragsfrei stellen. Das bedeutet, du zahlst nicht mehr ein, das Guthaben läuft aber weiter. Später, im Rentenalter, bekommst du trotzdem die aufgelaufene Summe.

Schritt 4: ETF-Depot eröffnen

Wähle einen Neobroker (Trade Republic, Scalable, Comdirect). Die Kontoeröffnung dauert 10 Minuten, die Gebühren sind minimal. Bespare einen All-World-ETF mit ca. 300–500 €/Monat.

Schritt 5: Sparplan automatisieren

Richte einen Dauerauftrag ein – jeden Monat am selben Tag. So läuft dein Sparplan automatisch und du denkst nicht mehr dran.

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Dr. Gamal Moukabary
Gründer von FLORIN+ und MyWage

FAQ – Die wichtigsten Fragen beantwortet

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