Zum Inhalt springen
FLORIN+Ratgeber › Geldanlage & ETF
Geldanlage & ETF

Riester-Rente vs. ETF-Sparplan – Wer gewinnt nach 30 Jahren?

Riester oder ETF? Wir vergleichen beide Strategien nach 30 Jahren mit echten Zahlen, Zulagen, Steuern und realen Renditen. Das Ergebnis überrascht.

Paul Richter
Paul Richter
·6. Mai 2026·4 min Lesezeit
Inhalt

Was ist Riester-Rente? #

Die Riester-Rente ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt, das seit 2002 existiert. Der Staat belohnt deine Sparbeiträge mit direkten Zulagen und Steuervergünstigungen. Klingt gut – aber es gibt Haken.

Förderung 2026:

  • Grundzulage: 175 € pro Jahr für jeden Sparer
  • Kinderzulage: 185 € pro Jahr (für Kinder vor 2008 geboren) oder 300 € pro Jahr (ab 2008 geboren)
  • Steuervorteil: Deine Beiträge kannst du bis 2.100 € pro Jahr steuerlich absetzen

Um die volle Zulage zu bekommen, musst du mindestens 4 % deines Vorjahresbruttoneinkommens abzüglich bereits erhaltener Zulagen einzahlen.

Vertragsarten: Riester gibt es als Banksparplan, Versicherung, Fondssparplan oder Bausparvertrag. Hier liegt bereits das erste Problem: Versicherungen sind oft teuer (1–2 % Verwaltungskosten pro Jahr), während Fondssparpläne günstiger sind.

Achtung: Riester ist eine nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet: Die Leistungen im Rentenalter sind vollständig steuerpflichtig. Wenn du in der Rente mit anderen Einkünften zusammen über 50.000 € hinauskommst, zahlst du möglicherweise mehr Steuern zurück, als du gespart hast.

Was ist ein ETF-Sparplan? #

Ein ETF-Sparplan ist eine einfache, passive Anlagestrategie: Du sparst regelmäßig einen festen Betrag in einen oder mehrere börsengehandelte Indexfonds ein. Diese Fonds bilden große Aktienindizes ab – zum Beispiel den MSCI World oder FTSE All-World.

Vorteile:

  • Geringe Kosten: TER (Total Expense Ratio) von nur 0,1–0,2 % pro Jahr
  • Volle Flexibilität: Du kannst jederzeit Geld entnehmen, nachschießen oder stoppen
  • Transparenz: Kein Kleingedrucktes, keine versteckten Gebühren
  • Globale Diversifikation: Dein Geld ist in hunderten von Unternehmen weltweit angelegt
  • Teilverkäufe möglich: Du kannst flexibel vorzeitig auf dein Geld zugreifen

Steuern: Auf Kursgewinne zahlst du Abgeltungssteuer (25 % + Soli = ca. 26,4 %). Allerdings hast du einen Sparerpauschbetrag (seit 2023: 1.000 € für Singles, 2.000 € für Verheiratete) pro Jahr.

Der Vergleich: 30 Jahre, echte Zahlen #

Lass uns durchrechnen: Du sparst 30 Jahre lang jeden Monat 100 € ein. Wie viel Geld hast du nach 3 Jahrzehnten?

Der Vergleich: 30 Jahre, echte Zahlen
Szenario Riester-Rente ETF-Sparplan
Monatlicher Sparbeitrag 100 € 100 €
Staatliche Förderung/Jahr 175 € (Grundzulage) – (keine)
Rendite p.a. (nach Kosten) 3 % 7 % (Historischer Schnitt MSCI World)
Nach 30 Jahren (brutto) ca. 58.000 € ca. 113.000 €
Nach Steuern/Besteuerung ca. 48.000 € netto* ca. 95.000 € netto*
Flexibilität in Notfall Gering (Kündigung teuer) Hoch (jederzeit)
Risiko Niedrig Mittel (Schwankungen)

*Riester: Nachgelagerte Besteuerung im Rentenalter (angenommen 45 % Grenzsteuersatz); ETF: Abgeltungssteuer 26,4 % auf realisierte Kursgewinne nach Freibetrag

Das Ergebnis ist deutlich: Nach 30 Jahren hast du mit dem ETF-Sparplan knapp 47.000 € mehr in der Tasche als mit Riester. Das ist nicht nur eine Frage der Rendite, sondern auch der Flexibilität und der versteckten Kosten bei Riester-Verträgen.

Wer profitiert von Riester? #

Es gibt Menschen, bei denen Riester trotzdem Sinn macht – aber sie sind in der Minderheit.

Riester ist attraktiv für:

  • Geringverdiener mit vielen Kindern: Wenn du 20.000 € brutto verdienst und 2 Kinder hast, bekommst du jährlich 175 € (Grundzulage) + 2 × 300 € (Kinderzulage) = 775 € Förderung. Dein Mindestbeitrag liegt aber nur bei ca. 600 € pro Jahr. Die Zulagen übersteigen deinen Eigenbeitrag!
  • Beamte: Sie haben keine gesetzliche Rente, deshalb ist private Vorsorge für sie wichtiger
  • Menschen mit sehr niedrigem Rentensteuersatz: Wer im Ruhestand unter der Steuerfreibetragsgrenze bleibt, zahlt keine Steuern auf Riester-Auszahlungen

Beispiel: Mutter, 2 Kinder, 20.000 € Bruttoeinkommen

  • Mindestbeitrag: 4 % × 20.000 € = 800 €/Jahr
  • Abzug Grundzulage: 800 € – 175 € = 625 € Eigenbeitrag nötig
  • Erhaltene Zulagen: 175 € + 600 € = 775 €/Jahr
  • Effektiv verdient sie durch Zulagen! Riester macht hier Sinn.

Das Urteil: Für die meisten ist der ETF besser #

Wir sprechen Klartext: Für Durchschnittsverdiener ohne Kinder ist der ETF-Sparplan die bessere Wahl.

Gründe:

  1. Höhere Rendite: Historisch liefert der MSCI World im Schnitt 7–8 % pro Jahr. Riester bringt selbst mit Zulagen nur 3–4 %.
  2. Niedrigere Kosten: ETF-Kosten sind 0,1–0,2 % vs. 1–2 % bei Riester-Versicherungen
  3. Flexibilität: Mit ETF kannst du jederzeit Geld entnehmen. Bei Riester verlierst du die Zulagen und zahlst ggf. Strafzinsen.
  4. Keine Steuerfalle: ETF unterliegen der Abgeltungssteuer (pauschal 26,4 %), nicht der Einkommensteuer. Das ist oft günstiger als Riester im Rentenalter.
  5. Vererbbarkeit: Dein ETF-Depot geht auf deine Erben über. Riester endet oft mit deinem Tod.
OK
Gut zu wissenMache den Riester-Check: Berechne deine jährliche Förderung und vergleiche sie mit den Kosten deines Vertrags. Wenn die Zulagen deine Kosten nicht decken, wechsel zu ETF.

5-Schritte-Plan: So steigst du um #

Schritt 1: Riester-Vertrag prüfen

Sammle deine Vertragsunterlagen oder kontaktiere deinen Anbieter. Du brauchst folgende Daten:

  • Jährliche Verwaltungskosten (in € oder %)
  • Bisheriges Guthaben
  • Vereinbarte Rendite
  • Erhaltene Zulagen (Gesamtsumme)

Schritt 2: Kalkulation machen

Nutze unseren Riester-Kalkulator (siehe Sidebar) oder rechne selbst: Teile deine jährlichen Kosten durch 4 %. Das ist die Grenze, ab der Riester wirtschaftlich sinnlos wird.

Schritt 3: Entscheidung treffen

Falls Riester wirtschaftlich schlecht ist: Nicht kündigen – kündigung kostet Zulagen und Steuervorteile! Besser: Beitragsfrei stellen. Das bedeutet, du zahlst nicht mehr ein, das Guthaben läuft aber weiter. Später, im Rentenalter, bekommst du trotzdem die aufgelaufene Summe.

Schritt 4: ETF-Depot eröffnen

Wähle einen Neobroker (Trade Republic, Scalable, Comdirect). Die Kontoeröffnung dauert 10 Minuten, die Gebühren sind minimal. Bespare einen All-World-ETF mit ca. 300–500 €/Monat.

Schritt 5: Sparplan automatisieren

Richte einen Dauerauftrag ein – jeden Monat am selben Tag. So läuft dein Sparplan automatisch und du denkst nicht mehr dran.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Riester-Rente noch in 2026?

Für Geringverdiener mit Kindern und Anrecht auf hohe Zulagen kann Riester sinnvoll sein. Für Durchschnittsverdiener ohne Kinder ist ein ETF-Sparplan langfristig überlegen – durch niedrigere Kosten, höhere Rendite und mehr Flexibilität.

Was ist der Riester-Förderrahmen 2026?

Der Mindesteigenbeitrag für die volle Zulage beträgt 4 % des Vorjahresbruttoeinkommens minus Zulagen. Die Grundzulage beträgt 175 € pro Jahr, Kinderzulage 185 € (vor 2008 geboren) oder 300 € (ab 2008 geboren).

Kann man von Riester zu ETF wechseln?

Ja, du kannst Riester-Verträge kündigen oder beitragsfrei stellen. Bei Kündigung musst du erhaltene Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Besser: Vertrag beitragsfrei stellen und parallel ETF-Sparplan starten.

Wie viel Geld bräuchte ich mit ETF für denselben Lebensstandard?

Mit der 4%-Regel kannst du pro Jahr 4 % deines Vermögens entnehmen. Mit 500.000 € ETF-Vermögen wären das 20.000 € pro Jahr – die meisten Menschen reichen damit aus.

Was ist mit Börsenrisiko bei ETF?

ETF schwanken, das stimmt. Aber über 30 Jahre gleichen sich Schwankungen aus. Historisch ist fast niemand mit langfristigen Indexinvestitionen Geld verloren. Riester ist sicherer, aber bringt auch weniger – das ist der klassische Risiko-Rendite-Tradeoff.

Paul Richter
Über den Autor
Paul Richter
Kredit-Experte, FLORIN+

Paul schreibt seit 2019 über deutsche Kreditprodukte und SCHUFA-Themen. Schwerpunkt: Was Kreditnehmer tatsächlich zahlen — nach Versteckkosten und Versicherungen.

Schwerpunkte
RatenkrediteSCHUFA & ScoreKredit-OptimierungUmschuldung

Liquidität sofort — ohne SCHUFA.

Starten