Die Frage, an der sich die Finanzforen streiten. Die gute Nachricht: Es gibt eine klare Reihenfolge und eine einzige Rechenregel, die fast jede Situation löst — ohne Bauchgefühl.
Johann MüllerKredit- & Bonitäts-Redaktion · Stand August 2026 · 6 Min. Lesezeit
Die Regel: Solange der Schuldzins höher ist als die erwartete Rendite, gewinnt Tilgen. Gesparte Zinsen sind sichere, steuerfreie Rendite.
Verbraucherzentrale-Faustregel für die Rücklage: 2–3 Netto-Monatsgehälter auf dem Tagesgeld.
Die Reihenfolge, mit der aus wenig Geld das Meiste wird: erst Mindestpuffer, dann teure Schulden, dann Rücklage, dann anlegen. Quelle: Verbraucherzentrale · Beratungsdienst Geld und Haushalt.
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Tilgen oder anlegen — was bringt dir mehr?
Wähle deinen freien Betrag, deinen teuersten Schuldzins und deine erwartete Rendite. Du bekommst eine klare Empfehlung und den Jahresvergleich.
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Tilgen spart / Jahr—
Anlegen bringt / Jahr (erwartet)—
Vereinfachter Jahresvergleich: gesparte Schuldzinsen sind sicher und steuerfrei; die Anlage-Rendite ist erwartet, schwankt und ist steuerpflichtig. Keine Anlage- oder Kreditberatung.
Die meisten Streitgespräche lösen sich auf, wenn man die Schritte einfach in die richtige Reihenfolge bringt:
1. Kleiner Notgroschen zuerst (500–1.000 €). Ohne Mindestpuffer wirft dich die nächste kaputte Waschmaschine sofort zurück in den Dispo — und der ganze Tilgungsfortschritt ist futsch. Deshalb kommt ein kleiner Startpuffer noch vor das Tilgen.
2. Teure Schulden tilgen. Alles, was mehr als etwa 8 % pro Jahr kostet — allen voran der Dispo und Kreditkartenschulden. Jeder getilgte Euro spart hier garantiert Zinsen.
3. Rücklage aufbauen. Jetzt den Notgroschen auf die Verbraucherzentrale-Faustregel von 2–3 Netto-Monatsgehältern bringen — gut erreichbar auf dem Tagesgeld.
4. Anlegen. Erst wenn keine teuren Schulden mehr offen sind und der Puffer steht, lohnt sich breit gestreutes Anlegen, etwa in ETFs.
Wenn du unsicher bist, ob tilgen oder anlegen: Vergleiche Schuldzins gegen erwartete Rendite. Ein getilgter Dispo zu 11,3 % ist eine sichere, steuerfreie „Rendite" von 11,3 % — die kein Tagesgeld und langfristig auch kaum ein ETF zuverlässig schlägt. Erst wenn deine Schulden günstiger sind als das, was du realistisch (nach Steuern) an Rendite erwartest, kann Anlegen die bessere Wahl sein. Und selbst dann gilt: der Notgroschen steht zuerst.
Lektion
„Ich habe angelegt und gleichzeitig den Dispo laufen lassen."
Muster Es fühlt sich gut an, ein Depot wachsen zu sehen — während im Hintergrund der Dispo zu 11 % weiterläuft und mehr kostet, als das Depot einbringt.
Die Lektion: Teure Schulden zu behalten, um parallel anzulegen, ist fast immer ein Minusgeschäft. Erst das teure Minus schließen, dann investieren.
Bau zuerst einen kleinen Notgroschen von 500 bis 1.000 € auf, damit die nächste unerwartete Ausgabe nicht sofort neue Schulden verursacht. Danach hat das Tilgen teurer Schulden Vorrang, weil Kredit- und vor allem Dispozinsen fast immer höher sind als die Zinsen auf dem Sparkonto.
Wie viel Notgroschen ist sinnvoll?
Als Faustregel empfiehlt die Verbraucherzentrale zwei bis drei Netto-Monatsgehälter auf einem gut erreichbaren Konto (Tagesgeld). Starte aber klein mit 500 bis 1.000 € und stocke nach dem Tilgen teurer Schulden weiter auf.
Wann lohnt sich Anlegen statt Tilgen?
Erst wenn keine teuren Schulden mehr offen sind und der Notgroschen steht. Faustregel: Solange der Schuldzins höher ist als die realistisch erwartete Rendite nach Steuern, gewinnt Tilgen — denn gesparte Zinsen sind eine sichere, steuerfreie Rendite.
Warum zuerst ein kleiner Notgroschen und nicht sofort tilgen?
Ohne Mindestpuffer führt die nächste kaputte Waschmaschine direkt zurück in den Dispo — und der mühsame Tilgungsfortschritt ist verloren. Ein kleiner Startpuffer verhindert genau diesen Kreislauf.