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Thesaurierend vs. ausschüttend — welcher ETF ist besser?

Die meistgestellte ETF-Frage — endlich klar beantwortet. Vorabpauschale, Zinseszins, Freistellungsauftrag: was der Unterschied wirklich bedeutet, wann welche Variante besser ist, und konkrete ETF-Empfehlungen für 2026.

Paul Weber
Paul Weber
·14. Juni 2026 ·10 min Lesezeit

1. Was bedeutet thesaurierend und ausschüttend? #

Jeder ETF, der Aktien hält, erhält regelmäßig Dividenden von den enthaltenen Unternehmen. Was der ETF mit diesen Dividenden macht, entscheidet die Unterscheidung:

MerkmalThesaurierend (Acc)Ausschüttend (Dist)
Was passiert mit Dividenden?Automatisch reinvestiertAufs Verrechnungskonto ausgezahlt
KursanpassungKurs steigt um reinvestierte ErträgeKurs fällt am Ausschüttungstag (Ex-Tag)
AusschüttungsfrequenzKeineMonatlich / quartalsweise / jährlich
Erkennungszeichen ISIN„Acc" oder „C" im Namen„Dist" oder „D" im Namen
Steuer bei AusschüttungNein (Vorabpauschale stattdessen)Ja, 25 % + Soli direkt
HandlungsbedarfKeiner — läuft automatischErträge ggf. manuell reinvestieren
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Wichtig: Das Gesamtvermögen ist identisch

Kurz nach einer Ausschüttung fällt der Kurs des ausschüttenden ETFs um genau die Höhe der Dividende. Das Gesamtvermögen (Kurs × Anteile + Ausschüttung auf dem Konto) ist mathematisch gleich. Der Unterschied entsteht erst durch Steuern und Wiederanlage-Effizienz.

2. Der Zinseszins-Vorteil des Thesaurierers #

Bei einem ausschüttenden ETF landest du nach jeder Dividendenausschüttung Geld auf deinem Konto. Das Problem: Entweder du lässt es liegen (kein Zinseszins), oder du reinvestierst manuell — mit Transaktionskosten und Zeitverlust. Bei einem thesaurierenden ETF passiert das automatisch, sofort und kostenlos.

Rechenbeispiel: 10.000 € einmalig in einen MSCI World ETF, 7 % Bruttorendite p.a., 30 Jahre. Dividendenrendite ca. 1,5 % p.a.:

SzenarioEndwert nach 30 JahrenDifferenz
Thesaurierend (automatische Wiederanlage)ca. 76.100 €
Ausschüttend, Dividenden reinvestiert (+ 0,5 % Transaktionskosten)ca. 73.800 €−2.300 €
Ausschüttend, Dividenden entnommenca. 57.400 €−18.700 €

Der Unterschied zwischen vollständiger Wiederanlage (thesaurierend) und Entnahme der Dividenden beträgt fast 19.000 € auf 10.000 € Einmalanlage — allein durch den Zinseszins-Effekt über 30 Jahre.

3. Die Vorabpauschale — Steuer ohne Ausschüttung #

Seit der Investmentsteuerreform 2018 gilt in Deutschland eine besondere Regelung für thesaurierende Fonds: die Vorabpauschale. Vereinfacht gesagt besteuert der Staat einen fiktiven Mindestjahresertrag, auch wenn du keine Ausschüttung erhalten hast.

SchrittBerechnung 2026 (Beispiel)
Depotwert Jahresbeginn10.000 €
Basiszinssatz 2026 (BBk)ca. 2,29 % p. a.
Basisertrag (Depotwert × Basiszins × 0,7)10.000 × 0,0229 × 0,7 = 160,30 €
Tatsächliche Wertsteigerung 2026Kursgewinn (Deckel: Basisertrag ist Maximum)
Teilfreistellung (30 % bei Aktienfonds)160,30 € × 0,7 = 112,21 € steuerpflichtig
Kapitalertragsteuer (25 % + 5,5 % Soli)112,21 × 0,2638 = 29,60 €
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Freistellungsauftrag abzieht die Vorabpauschale vollständig

Wer einen Freistellungsauftrag von 1.000 € gestellt hat (Alleinstehende) und ein Depot bis ca. 43.000 € besitzt, zahlt 2026 keine Vorabpauschale — der Freibetrag reicht. Bei größeren Depots fällt sie an — aber der Broker berechnet und zieht sie automatisch ein (Anfang Januar).

Vorabpauschale exakt berechnen

Unser Rechner berechnet deine Vorabpauschale auf Basis deines Depotwerts, des aktuellen Basiszinssatzes und der Teilfreistellung — inkl. Freibetrags-Check.

4. Steuerlicher Vergleich: Thesaurierer vs. Ausschütter #

Ein weit verbreiteter Irrglaube: „Ausschüttende ETFs sind steuerlich günstiger, weil ich die Vorabpauschale spare." Das stimmt nicht — bei ausschüttenden ETFs wird die Kapitalertragsteuer auf die Ausschüttungen sofort fällig. Der Unterschied liegt im Timing:

AspektThesaurierendAusschüttend
Steuerfälligkeit laufendVorabpauschale (Jan., niedrig)KESt + Soli bei jeder Ausschüttung
Gesamtsteuerlast bei Verkauf25 % + Soli auf Gesamtgewinn (−Vorabpauschalen)25 % + Soli auf Kursgewinn (Ausschüttungen schon besteuert)
SteuerstundungseffektJa — Vorabpauschale ist nur ein kleiner VorschussNein — Steuer sofort
Freistellungsauftrag effizient nutzenOptimal — Vorabpauschale wird abgezogenGut — Ausschüttungen werden abgezogen
Kirchensteuer-ProblemNeinKirchensteuerpflichtige: Broker muss nachfragen

Fazit Steuer: Thesaurierende ETFs haben einen kleinen Steuerstundungsvorteil — der Staat bekommt weniger früh, mehr am Ende. Der Unterschied ist bei kleinen Depots minimal, wächst aber mit Depotgröße und Zeithorizont. Entscheidender als die Steuer ist die Wiederanlage-Effizienz.

5. Wann macht ein ausschüttender ETF Sinn? #

Es gibt konkrete Situationen, in denen ausschüttende ETFs die bessere Wahl sind:

1
Entnahmephase / Ruhestand

Wer aus dem Depot leben möchte, kann mit ausschüttenden ETFs regelmäßige Einnahmen ohne Verkäufe erzeugen. Die Dividenden landen automatisch auf dem Konto — ideal für monatliche Entnahmen ohne emotionale Verkaufsentscheidungen.

2
Freistellungsauftrag vollständig ausschöpfen

Wer ein kleines Depot hat und seinen Freibetrag (1.000 € / 2.000 €) noch nicht ausschöpft, kann mit ausschüttenden ETFs die Ausschüttungen steuerfrei einnehmen und sofort konsumieren — ohne Steuerlast später beim Verkauf.

3
Psychologische Motivation

Wer die quartalsweisen Ausschüttungen als Feedback braucht, um beim Investieren zu bleiben, ist mit einem Ausschütter besser bedient — selbst wenn der Thesaurierer theoretisch effizienter ist. Dranbleiben schlägt optimieren.

4
Kombination aus mehreren Depots

Wer Depots bei verschiedenen Brokern hat (z.B. Elternteil hat Depot für Kinder eröffnet), kann ausschüttende ETFs nutzen, um den Freistellungsauftrag in jedem Depot auszuschöpfen — ein Thesaurierer würde die Vorabpauschale ggf. nicht vollständig abdecken.

6. Konkrete ETF-Empfehlungen 2026 #

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Hinweis (WpHG)

Die folgenden ETF-Nennungen sind allgemeine Informationen, keine persönliche Anlageempfehlung gem. WpHG. Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich Kapitalverlust.

StrategieETF-NameISINTERTyp
Vermögensaufbau (Empfehlung)iShares Core MSCI World AccIE00B4L5Y9830,20 %Thesaurierend
Vermögensaufbau günstigAmundi MSCI World UCITS ETF AccLU17815411790,12 %Thesaurierend
Global inkl. SchwellenländerVanguard FTSE All-World AccIE00B3RBWM250,22 %Thesaurierend
Ruhestand / EntnahmeVanguard FTSE All-World DistIE00B3RBWM25*0,22 %Ausschüttend
Entnahme mit höherer AusschüttungiShares MSCI World Quality Dividend ESG DistIE00BYYHSQ670,38 %Ausschüttend

* Vanguard FTSE All-World existiert in beiden Varianten (Acc: IE00B3RBWM25 / Dist: IE00B3RBWM25 — exakte ISIN beim Broker prüfen da Dist-Variante eigene ISIN hat)

7. Entscheidungshilfe: Was ist besser für dich? #

Deine SituationEmpfehlung
Sparplan für Vermögensaufbau, Horizont > 10 JahreThesaurierend
Einmalanlage, langfristig parkenThesaurierend
Im Ruhestand, regelmäßige Entnahmen gewünschtAusschüttend
Freistellungsauftrag noch nicht ausgeschöpft, kleines DepotAusschüttend (oder egal)
Motivationshilfe, Dividenden sehen wollenAusschüttend
Steuereinfachheit, kein AufwandThesaurierend (Broker macht alles)
Depot für Kinder/Enkel, sehr langer HorizontThesaurierend
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Freistellungsauftrag immer stellen — egal welcher ETF

Beides gilt: Stelle deinen Freistellungsauftrag bei jedem Broker, wo du ein Depot hast. Insgesamt darf er 1.000 € nicht übersteigen (Alleinstehende, Stand 2024). Ohne Freistellungsauftrag zieht der Broker ab dem ersten Euro Kapitalertragsteuer ein — auch wenn das gar nicht nötig wäre.

ETF-Sparplan-Rechner

Wie viel bringt dein Sparplan mit thesaurierendem ETF über 20 oder 30 Jahre? Unser Rechner zeigt den Unterschied zwischen Thesaurierer und Ausschütter inklusive Steuereffekten.

Häufige Fragen #

Was ist der Unterschied zwischen thesaurierend und ausschüttend?

Thesaurierende ETFs reinvestieren alle Dividenden automatisch im Fonds. Ausschüttende ETFs zahlen diese Erträge regelmäßig auf dein Verrechnungskonto aus. Der Gesamtbetrag (Kurswert + Ausschüttung) ist kurzfristig gleich — langfristig haben Thesaurierer durch den Zinseszins-Effekt einen Vorteil beim Vermögensaufbau.

Was ist die Vorabpauschale und wann fällt sie an?

Die Vorabpauschale ist eine jährliche Mindestbesteuerung für thesaurierende Fonds. Sie wird Anfang Januar vom Broker automatisch einbehalten. Die Höhe hängt vom Basiszinssatz der Deutschen Bundesbank ab (2026: ca. 2,29 %) multipliziert mit 70 % des Depotwerts vom Jahresanfang, mit 30 % Teilfreistellung bei Aktienfonds. Ein Freistellungsauftrag bis 1.000 € kann sie vollständig abdecken.

Ist ein thesaurierender ETF steuerlich besser?

Minimal ja — wegen des Steuerstundungseffekts. Bei thesaurierenden ETFs fällt nur die kleine Vorabpauschale jährlich an, die volle Steuer erst beim Verkauf. Bei ausschüttenden ETFs wird Steuer auf Dividenden sofort fällig. Der Unterschied ist bei kleinen Depots gering, wächst aber mit Depotgröße und Zeit.

Welchen thesaurierenden MSCI World ETF sollte ich kaufen?

Beliebt und günstig: iShares Core MSCI World Acc (IE00B4L5Y983, TER 0,20 %), Amundi MSCI World Acc (LU1781541179, TER 0,12 %) oder Xtrackers MSCI World Swap 1C (LU0274208692, TER 0,15 %). Alle drei sind bei Trade Republic, Scalable Capital und DKB als kostenlose Sparpläne verfügbar.

Kann ich von thesaurierend auf ausschüttend wechseln?

Ja — durch Verkauf des thesaurierenden ETFs und Kauf des ausschüttenden Pendant desselben Index. Achtung: Der Verkauf ist ein steuerpflichtiges Ereignis. Die aufgelaufenen Kursgewinne werden dann mit 25 % + Soli versteuert (abzüglich Freistellungsauftrag und bereits gezahlter Vorabpauschalen). Ein Wechsel im laufenden Sparplan ist jederzeit kostenfrei möglich.

Muss ich die Vorabpauschale in der Steuererklärung angeben?

In der Regel nicht — der Broker berechnet und zieht sie automatisch ab. Falls dein Freibetrag nicht ausreichte oder du im Ausland Depot hältst, kann eine Angabe in der Steuererklärung (Anlage KAP) nötig sein. Liegt alles bei einem deutschen Broker und wurde korrekt einbehalten, reicht die Jahressteuerbescheinigung des Brokers.

Paul Weber
Über den Autor
Paul Weber
Redakteur | Geldanlage & Kapitalmarkt, FLORIN+

Paul Weber schreibt bei FLORIN+ über Geldanlage, ETFs und Altersvorsorge. Sein Ansatz: klare Mathematik statt Marketing-Sprech — und immer die Frage, was für den normalen Anleger wirklich funktioniert.

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