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MyWage mywage MyWage Research · 2026
Finanzielle Lage in Deutschland

Altersvorsorge und RentenlückeDie Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der zu erwartenden gesetzlichen Rente – der Teil, der durch private Vorsorge gedeckt werden muss. in Deutschland

Das Rentenniveau sinkt, die Lebenserwartung steigt — und die private Vorsorge bleibt in Deutschland unzureichend. Dieser Report analysiert die Rentenlücke nach Einkommensgruppe, Vorsorgeinstrumente und zeigt mit einem interaktiven Rentenrechner, was heute zu tun ist.

📅 Datenstand: DRV 2025 / BMAS 2026 📊 Quellen: DRV, Bundesbank, BMAS, DIW 📄 Berichtszeitraum: 2015–2045 (Projektion)
Zusammenfassung

Das gesetzliche Rentenniveau sinkt bis 2045 auf rund 45 Prozent des Durchschnittslohns (Halterungslinie). Für einen Medianlohnempfänger bedeutet das eine gesetzliche Rente von rund 1.500–1.700 Euro brutto nach 45 Beitragsjahren — deutlich unterhalb des oft genannten Bedarfs von 60–80 % des letzten Nettoeinkommens. Die Rentenlücke — die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und tatsächlichem Bedarf — beträgt für viele Haushalte 400–900 Euro monatlich. Rund 30 Prozent der Bevölkerung betreiben keine private Altersvorsorge. Altersarmut betrifft bereits heute 18,1 % der über 65-Jährigen.

Zentrale Kennzahlen 2025/2026


0
Rentenniveau 2025
(Netto vor Steuern)
↓ Sinkend: Ziel 2045: ~45 %
MyWage EinblickFinanzstress in der Hauptansparphase: 25–45-Jährige
25–45 J.
Stärkste Kreditnachfrage-Kohorte —
Familienphase und Altersvorsorge
konkurrieren um knappes Budget
Median 37 J.
Ø Alter der Nutzer, die
Gehaltsvorschuss (EWA) beantragen —
prime Ansparfenster
36–45 J.
Höchste relative Kreditnachfrage
aller Altersgruppen — Wohnen,
Familie, Vorsorge gleichzeitig

Basis: Aggregierte MyWage-Nutzerdaten nach Altersgruppe. Wer in der Haupterwerbsphase auf kurzfristige Liquiditätslösungen angewiesen ist, kann langfristige Altersvorsorge-Beiträge nur eingeschränkt leisten.

0
Ø Rentenzahlung West
(brutto, 2025, 45 Beitragsjahre)
↑ +4,57 % ab Juli 2025
0
Altersarmutsquote
(über 65-Jährige, 2024)
↑ Langzeittrend steigend
0
Ohne private
Altersvorsorge (2025)
Besonders unter 35-Jährige
0
Ø monatl. Riester-RenteStaatlich geförderte private Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteil, benannt nach dem Ex-Arbeitsminister Walter Riester.
(Auszahlung, 2024)
Riester-Krise: Neuabschlüsse −62 %
0
Gesamt-Rentenversicherungs-
ausgaben 2025
Stark steigend durch Demografie

Rentenniveau: Sinkender Standardwert


Das Rentenniveau — das Verhältnis einer Standardrente (45 Entgeltpunkte) zum Durchschnittsverdienst — gibt an, wie viel Prozent des Durchschnittseinkommens eine gesetzliche Rente ausmacht. 2025 liegt es bei rund 48,1 Prozent (netto vor Steuern). Durch demografischen Wandel und steigende Beitragsbelastungen soll es bis 2045 auf 45 Prozent gesenkt werden (Haltelinie im Rentenpaket II).

Zum Juli 2025 wurden die Renten um 4,57 Prozent erhöht — den zweiten kräftigen Anstieg in Folge. Gleichzeitig stiegen die Rentenbeiträge von 18,6 % auf 18,9 % des Bruttolohns ab 2025. Bis 2035 prognostiziert die Deutsche Rentenversicherung einen Beitragssatz von 20,5–22 Prozent.

Abb. 1 — Rentenniveau und Beitragssatz: Entwicklung 2010–2045
Rentenniveau netto vor Steuern in %. Beitragssatz in %. Gestrichelt = Projektion. Quellen: DRV, BMAS Rentenversicherungsbericht 2025.
Tabelle 1: Rentenanpassungen und Rentenniveau 2020–2025. Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund.
JahrRentenanpassung WestRentenniveau (netto)Beitragssatz
2020+3,45 %49,1 %18,6 %
2021+0,00 %48,9 %18,6 %
2022+5,35 %48,7 %18,6 %
2023+4,39 %48,5 %18,6 %
2024+4,57 %48,3 %18,6 %
2025+4,57 %48,1 %18,9 %

Rentenlücke: Der stille Fehlbetrag


Als Rentenlücke bezeichnet man die Differenz zwischen der gesetzlichen Rente und dem tatsächlichen Einkommensbedarf im Alter. Dieser Bedarf wird üblicherweise auf 60–80 Prozent des letzten Nettoeinkommens geschätzt (ohne Berufskosten, mit reduzierten Wohnkosten). Bei einem MedianlohnDer Lohn, bei dem genau die Hälfte aller Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient. von 4.505 € brutto (3.108 € netto) und einem Bedarf von 70 % bedeutet das einen Bedarf von rund 2.176 € netto monatlich.

Rentenlücke nach Einkommensgruppe (2025, Schätzung nach 40 Beitragsjahren)

Geringverdiener (Ø 1.800 € netto)
61 %
39 % Lücke
Unteres Mittelfeld (Ø 2.500 € netto)
56 %
44 % Lücke
Median (Ø 3.100 € netto)
48 %
52 % Lücke
Oberes Mittelfeld (Ø 4.500 € netto)
38 %
62 % Lücke

Lesebeispiel: Die blaue Leiste zeigt, wie viel Prozent des Nettoanspruchs die gesetzliche Rente deckt. Der rote Bereich ist die Rentenlücke (Bedarf 70 % des letzten Nettoeinkommens). Schätzung auf Basis DRV 2025-Rentenwert, persönliche Situation kann abweichen.

BBE-Lücke für MedianDer mittlere Wert einer Verteilung – genau die Hälfte liegt darüber, die andere Hälfte darunter. Robuster als der Durchschnitt.-Haushalt: Bei 40 Beitragsjahren auf Basis des Medianlohns ergibt sich eine geschätzte gesetzliche Rente von rund 1.480 € brutto/Monat (≈ 1.260 € netto). Bei einem Bedarf von 70 % des letzten Nettos (3.100 €) ergibt sich eine monatliche Rentenlücke von ca. 910 €, die durch private und betriebliche Altersvorsorge geschlossen werden müsste.

Private Altersvorsorge: Instrumente und Verbreitung


Die drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland sind: (1) gesetzliche Rentenversicherung, (2) betriebliche Altersvorsorge (bAV) und (3) private Vorsorge. Nur rund 57 % der Arbeitnehmer haben Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge, und die private Vorsorge ist stark von Einkommen und Bildung abhängig.

💼 Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

57 % der Arbeitnehmer mit bAV-Anspruch (2024). Durchschnittliche bAV-Rente: rund 350 €/Monat. Besonders verbreitet in Großunternehmen, Metallindustrie, öffentlichem Dienst. Niedrigverdiener oft ausgeschlossen.

🌱 Riester-Rente

16,8 Mio. Verträge Ende 2024 (−900.000 ggü. 2022). Ø Förderquote: 154 €/Jahr. Reform geplant für 2026 ("Riester 2.0"). Ø Auszahlung: 457 €/Monat. Produkt gilt als zu komplex und kostenintensiv.

🛡️ Rürup/Basis-Rente

Ca. 2,5 Mio. Verträge (2024). Vor allem für Selbstständige attraktiv (Steuerabzug bis 27.566 €/Jahr). Lebenslange Verrentung, kein Kapitalwahlrecht. Wachsend bei Gutverdienern.

📈 ETFExchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfonds, der einen Index (z. B. MSCI World) kostengünstig nachbildet.-Sparpläne & Wertpapiere

Über 7 Mio. Sparpläne in Deutschland (2025, DKI). Beliebteste Form der privaten Altersvorsorge bei unter 40-Jährigen. Kein steuerlicher Vorteil in der Ansparphase, aber Flexibilität und Rendite.

Abb. 2 — Verbreitung privater Altersvorsorge nach Einkommensgruppe (2025)
Anteil der Personen mit mind. einem Vorsorgeinstrument. Quelle: BMAS Alterssicherungsbericht 2025, DIW SOEP.

Interaktiv: Renten- und RentenlückenPlural: Die Differenzen zwischen letzten Nettoeinkommen und gesetzlichen Renten, die durch private Vorsorge gedeckt werden müssen.-Rechner


Berechnen Sie Ihre geschätzte gesetzliche Rente auf Basis Ihres aktuellen Einkommens und Ihrer Beitragsjahre — und sehen Sie direkt, wie groß Ihre persönliche Rentenlücke ist.

Geschätzte Nettorente
Bedarf im Alter
Monatliche Rentenlücke
Empf. Sparbeitrag/Monat
Rente: 60 %
Lücke: 40 %

Staatliche Maßnahmen und Reformvorhaben 2025/2026


📋 Rentenpaket II (2025)

Haltelinie: Rentenniveau mindestens 48 % bis 2040. Generationenkapital (Aktienrente): 200 Mrd. € Kapitalstock ab 2035 soll 10–12 Mrd. €/Jahr zur Rentenstabilisierung beitragen.

🔄 Riester-Reform ("Riester 2.0")

Vorgesehen für 2026: Flexiblere Auszahlungsoptionen, niedrigere Verwaltungskosten, stärkere staatliche Förderung für Geringverdiener. Ziel: Reaktivierung des eingebrochenen Marktes.

💼 bAV-Stärkung

Obligatorischer Arbeitgeberbeitrag bei Entgeltumwandlung (15 % des umgewandelten Betrags). Ziel: Ausweitung der betrieblichen Altersvorsorge auf KMUs und Geringverdiener.

🏦 Staatliches Depot ("Altersvorsorgedepot")

Diskutiert seit 2025: ETF-basiertes staatlich gefördertes Depot als Alternative zu Riester. Ähnlich dem schwedischen Modell. Noch keine beschlossene Gesetzgebung Stand Mai 2026.

Ausblick: Demografische Zeitbombe


Die geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer 1955–1970) treten zwischen 2020 und 2040 in Rente. Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern verschlechtert sich von heute rund 2,0:1 auf geschätzte 1,5:1 bis 2040. Ohne Reformen drohen massive Beitragssatzerhöhungen oder Leistungskürzungen.

Handlungsempfehlung: Wer heute 35 Jahre alt ist, sollte bereits jetzt mindestens 200–400 € monatlich privat vorsorgen — je nach Einkommenshöhe und vorhandener bAV. Der Zinseszinseffekt bei langer Laufzeit macht früh begonnene Sparpläne deutlich effizienter. Wer mit 50 Jahren anfängt, muss mehr als das Dreifache monatlich sparen, um dasselbe Endkapital zu erreichen.
Abb. 3 — Projektion Rentenbeitragssatz 2025–2045
In %. Gestrichelt = Projektion. Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Rentenversicherungsbericht 2025 (BMAS).

Methodik und Datengrundlage

Rentenniveau und Rentenanpassungen: Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV), Pressemitteilungen 2025. Altersarmutsquote: Destatis, Mikrozensus 2024 (Armutsgefährdungsquote 65+). Verbreitung Altersvorsorge: BMAS Alterssicherungsbericht 2025, DIW SOEP 2024. Riester-Daten: BMAS, Riester-Zulagenstatistik 2024. Der Rentenrechner basiert auf dem aktuellen Rentenwert West (39,32 €/Entgeltpunkt ab Juli 2025). Entgeltpunkte werden aus dem Verhältnis BruttolohnDas Gehalt vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben (Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung). zu Durchschnittsverdienst (45.358 €/Jahr 2025) berechnet. Nettorente nach Abzug von KV (7,3 %) und PV (1,7 %). Der Sparbedarf zur Lückenschließung wird mit der Barwertformel berechnet (7 % Rendite, monatliche Sparrate bis Renteneintritt 67).

Quellenverzeichnis


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