MyWage Research · Report No. 06 / 2026
Wohnen & Mietbelastung

Mieten steigen, Wohnungen fehlen — Deutschlands strukturelle Wohnungskrise 2025

206.600 fertiggestellte Wohnungen — der niedrigste Stand seit 2012. Angebotsmieten +1,9 % (2026, Wachstum verlangsamt sich), 47,2 % Eigentumsquote — EU-Schlusslicht. MyWage Research legt die umfassendste Analyse des deutschen Wohnungsmarkts 2025 vor.

Destatis, Bundesbank, ImmoScout24, Zensus 2022 August 2026 Report No. 06

Vier Fakten, die den Markt definieren

Deutschland steckt in einer strukturellen Wohnungsfalle: Das Angebot wächst nicht, die Mieten steigen schneller als die Löhne, und mehr als jeder vierte Haushalt gibt über 40 % seines Einkommens für Wohnen aus.

−18 %
Fertigstellungsrückgang 2025 — nur 206.600 neue Wohnungen, der niedrigste Stand seit 2012. Das Ziel von 400.000/Jahr ist seit 2023 unerreichbar.
+42 %
Mietpreisanstieg in Großstädten 2015–2025 — gegenüber nur +31 % bei den Bruttolöhnen. Real verlieren Mieter Jahr für Jahr.
47,2 %
Wohneigentumsquote — Deutschland ist EU-Schlusslicht. Der europäische Durchschnitt liegt bei 69,5 %. Nur in der Schweiz ist der Anteil niedriger.
27 %
der Haushalte wenden über 40 % ihres Nettoeinkommens für Wohnen auf — die kritische Schwelle nach EU-Definition für Wohnkostenüberlastung.
München Neuvermietung
19,79 €/m²
Höchste Angebotsmiete DE
Berlin Angebotsmiete
17,98 €/m²
+47 % seit 2020
Bundesdurchschnitt
9,70 €/m²
Bestandsmiete (Zensus 2022)
Bauüberhang
760.700
Genehmigte, unfertige WE
Erloschene Genehmigungen
35.700
Höchstwert seit 2002
Mietindex 2025
109,7
Basis 2020 = 100 (Destatis)

„Deutschland steckt in einer strukturellen Wohnungsfalle: Das Angebot wächst nicht, die Mieten steigen schneller als die Löhne, und mehr als jeder vierte Haushalt gibt über 40 Prozent seines Einkommens für Wohnen aus. Eine Eigentumsquote von 47,2 Prozent zeigt: Das finanzielle Fundament fehlt einem Großteil der Bevölkerung."

Robert Moukabary — Gründer, MyWage GmbH

Mietpreisentwicklung 2015–2025

Der Mietpreisindex ist seit 2015 um 44 Punkte gestiegen — die Löhne haben nicht Schritt gehalten. Nominale Reallohngewinne werden durch höhere Wohnkosten systematisch aufgezehrt.

Abb. 1 — Mietpreisindex vs. Lohnindex (2015 = 100)
Quellen: Destatis Mietindex (Verbraucherpreisindex Wohnungsmieten), Destatis Nominallohnindex. 2015 = 100.
MyWage Plattform-Daten

MyWage-Nutzerauswertungen zeigen: Haushalte mit Nettoeinkommen unter 2.000 Euro wenden im Median 42 % ihres Einkommens für Wohnen auf — die EU-Schwelle für Wohnkostenüberlastung (40 %) wird regelmäßig überschritten. Bei Einkommen über 3.500 Euro sinkt dieser Anteil auf 18 %.

Bestandsmieten vs. Angebotsmieten: Die wachsende Schere

Der Zensus 2022 weist eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 7,28 €/m² für Bestandswohnungen aus — Neuvermietungen kosteten bereits 9,66 €/m² (Zensus 2022). Aktuelle Marktinserate (Angebotsmieten) lagen 2026 bei bundesweit 11,44 €/m² — die Schere zwischen Bestand und Neuangebot hat sich weiter geöffnet. Diese Schere weitet sich: Im Jahresvergleich 2025/2026 stiegen Angebotsmieten noch um ca. 1,9 % — eine deutliche Verlangsamung gegenüber 2023/24, während Bestandsmieten nach Mietpreisbremse und Mietspiegel nur moderat angepasst werden können. Das Ergebnis ist ein Zweiklassenmarkt: Wer umziehen muss, zahlt deutlich mehr.

Stadtvergleich: Angebotsmieten 2026

Die Spannbreite reicht von 19,79 €/m² in München bis 7,20 €/m² in ländlichen Regionen. Auch ostdeutsche Städte wie Leipzig zeigen den stärksten prozentualen Anstieg.

Stadt Ø €/m² Ø 60 m² Wohnung Anstieg 2020–2025
München19,79 €1.187 €/Mon.+32 %
Frankfurt am Main19,75 €1.185 €/Mon.+34 %
Berlin17,98 €1.079 €/Mon.+47 %
Stuttgart16,80 €1.008 €/Mon.+36 %
Hamburg15,50 €930 €/Mon.+31 %
Düsseldorf14,90 €894 €/Mon.+28 %
Köln14,20 €852 €/Mon.+29 %
Leipzig11,50 €690 €/Mon.+55 %
Bundesdurchschnitt9,70 €582 €/Mon.+22 %
Ländliche Regionen7,20 €432 €/Mon.+14 %
Abb. 2 — Angebotsmieten nach Stadt 2026 (€/m², Neuvermietung)
Quellen: ImmoScout24 / Marktdaten H1 2026. Angebotsmieten Neuvermietung (Neuinserate). Bestandsmieten Ø 7,28 €/m² (Zensus 2022).

Mietbelastungsquote nach Einkommensgruppe

Die Mietbelastung ist hochgradig ungleich verteilt. Haushalte mit niedrigem Einkommen wenden mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Wohnen auf — Wohnkostenüberlastung nach EU-Definition gilt ab 40 %.

Abb. 3 — Mietbelastungsquote nach Nettoeinkommen (%, Kalt + Nebenkosten)
Rote Linie = EU-Überlastungsschwelle (40 %). Quelle: Destatis EVS 2023, MyWage-Plattformdaten.
Wohnkostenüberlastung (EU-Definition)

Die EU definiert Wohnkostenüberlastung (housing cost overburden) als: Wohnkosten übersteigen 40 % des verfügbaren Haushaltseinkommens. Nach dieser Definition sind in Deutschland rund 14,8 % aller Haushalte überlastet — bei Mieterhaushalten steigt dieser Anteil auf 27 %. Besonders betroffen: Alleinerziehende (38 %), Rentnerinnenhaushalte (32 %) und Niedriglohnbeschäftigte in Großstädten (44 %).

Wohneigentum: Deutschland als EU-Schlusslicht

Mit 47,2 % Wohneigentumsquote liegt Deutschland weit unter dem EU-Durchschnitt von 69,5 %. Hohe Kaufnebenkosten, strenge Fremdkapitalvorschriften und jahrzehntelange steuerliche Benachteiligung von Eigennutzern haben das Eigentumsmodell strukturell erschwert.

Abb. 4 — Wohneigentumsquote im EU-Vergleich 2025 (%)
Quellen: Eurostat Housing Statistics 2025, Destatis Eigentumsquote (Zensus 2022, aktualisiert 2025).

Warum Eigentum in Deutschland so schwer zu erreichen ist

Kaufnebenkosten in Deutschland betragen 10–15 % des Kaufpreises (Grunderwerbsteuer je nach Bundesland 3,5–6,5 %, Notarkosten, Maklerprovision). Bei einem durchschnittlichen Eigenheim in München (580.000 €) summieren sich die Nebenkosten auf 58.000–87.000 Euro — Kapital, das die meisten Haushalte nicht verfügbar haben. Ohne Eigenkapital von mindestens 20–30 % vergeben Banken seit Basel III kaum Immobilienkredite zu tragbaren Konditionen.

Neubau-Krise: Tiefstwert seit 2012

2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt — 18 % weniger als 2024 und der niedrigste Stand seit 2012. Das von der Bundesregierung ausgerufene Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr ist seit 2023 unerreichbar.

Abb. 5 — Fertiggestellte Wohnungen in Deutschland 2019–2025 (Tsd.)
Quellen: Destatis Pressemitteilung Mai 2026 (Endgültige Jahresergebnisse 2025). Ziel der Bundesregierung: 400.000 Einheiten/Jahr.
Kennzahl 2025 Veränderung
Fertiggestellte Wohnungen206.600−18,0 % ggü. 2024
Baugenehmigungen 2025238.500+10,8 % ggü. 2024
Davon Mehrfamilienhäuser128.100+12,1 %
Erloschene Genehmigungen35.700Höchstwert seit 2002
Bauüberhang (Ende 2025)760.700Auf Vorjahresniveau
Ø Bearbeitungsdauer Genehmigung→Fertig27 Monate+1 Monat ggü. 2024
Strukturelle Ursachen

Die Baukrise hat mehrere Ursachen: Stark gestiegene Baukosten (Materialien +35–50 % seit 2020), hohe Zinsen (Bauzinsen 2022–2024: 3,5–4,5 %), Fachkräftemangel im Handwerk und kommunale Planungsengpässe. Positiv: Baugenehmigungen stiegen 2025 erstmals seit 2021 wieder (+10,8 %), was auf eine schrittweise Erholung ab 2027 hindeutet.

Mietbelastungs-Rechner

Wie viel Prozent Ihres Nettoeinkommens fließt in die Miete? Berechnen Sie Ihre persönliche Mietbelastungsquote und vergleichen Sie mit dem deutschen Durchschnitt.

Mietbelastungs-Rechner
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Mietbelastungsquote (inkl. Nebenkosten)

Quellen & Methodik

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis): Fertiggestellte Wohnungen 2025, Pressemitteilung Mai 2026 — 18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025, destatis.de
  2. Statistisches Bundesamt (Destatis): Baugenehmigungen 2025, Pressemitteilung Feb. 2026 — 10,8 % mehr Baugenehmigungen für Wohnungen im Jahr 2025, destatis.de
  3. Statistisches Bundesamt (Destatis): Zensus 2022 — Wohnungsbestand, Eigentümerquoten, Mietpreisverteilung, destatis.de
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex Wohnungsmieten (Mietindex), Stand 2025 (Index 2020=100: 109,7), destatis.de
  5. Statistisches Bundesamt (Destatis): Eigentumsquote nach Bundesländern, Mikrozensus 2022/2025, destatis.de
  6. Statistisches Bundesamt (Destatis): Wohngeldstatistik — 1,242 Mio. Empfänger Ende 2024, destatis.de
  7. ImmoScout24: Mietpreisspiegel 2025/2026 — Angebotsmieten nach Städten (Neuvermietung), immobilienscout24.de
  8. Bundesregierung: Wohngeld-Plus — Dynamisierung ab Januar 2025, ca. 1,9 Mio. Empfänger 2025, bundesregierung.de
  9. Eurostat: Housing Statistics 2025 — Wohneigentumsquoten im EU-Vergleich, ec.europa.eu/eurostat
  10. Destatis: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023 — Wohnkostenanteil am Haushaltsbudget (34 %), destatis.de
  11. MyWage GmbH: Proprietäre Plattformdaten 2024/2025 — Mietbelastungsquoten nach Einkommensgruppen, interne Auswertung
  12. VDIV Deutschland: Baufertigstellungen brechen weiter ein — Genehmigungen ziehen an, vdiv.de, 2026

Alle Zahlen beziehen sich auf den angegebenen Stand. Prognosen sind als solche gekennzeichnet. Externe Quellen werden zitiert, nicht kopiert. Quellenangabe für Medienzwecke: „MyWage Research".