Der Cost-Average-Effekt gilt als Wunderwaffe gegen schlechtes Markt-Timing. Aber stimmt das wirklich? Wir räumen mit dem Mythos auf und erklären, wann ein ETF-Sparplan trotzdem die richtige Wahl ist.
Der Cost-Average-Effekt (auch: Dollar-Cost-Averaging, DCA) beschreibt das Prinzip, regelmäßig denselben Euro-Betrag in eine Anlage zu investieren – unabhängig vom aktuellen Kurs. Das klingt simpel, hat aber einen mathematisch interessanten Effekt: Bei niedrigen Kursen kaufst du mehr Anteile, bei hohen Kursen weniger. Der Durchschnittskaufpreis liegt dadurch oft unter dem reinen Kursdurchschnitt.
Ein Beispiel: Du kaufst monatlich für 100 Euro ETF-Anteile. Im Januar kostet ein Anteil 50 Euro – du kaufst 2 Anteile. Im Februar kostet er 25 Euro – du kaufst 4 Anteile. Im März kostet er 100 Euro – du kaufst 1 Anteil. Durchschnittspreis: 75 Euro. Aber dein tatsächlicher Einstandspreis liegt bei 300 Euro für 7 Anteile = ~42,86 Euro – deutlich günstiger als der reine Kursdurchschnitt.
Viele Marketing-Texte und Finanzberater behaupten, DCA „reduziere das Risiko". Das ist mathematisch falsch – zumindest für Anleger, die ein größeres Startkapital haben und wählen könnten, es sofort oder schrittweise zu investieren.
Die Studie ist eindeutig – aber sie vergleicht zwei Strategien für Anleger, die eine große Summe auf einmal zur Verfügung haben. Das ist nicht die Realität der meisten Arbeitnehmer. Für normale Gehaltsempfänger ist DCA nicht eine Wahl, sondern die einzig mögliche Strategie:
In all diesen Fällen ist der monatliche ETF-Sparplan (= automatisches DCA) die optimale Lösung. Er nimmt dir das Timing-Problem komplett ab und sorgt dafür, dass du konsequent anlegst – auch wenn der Markt gerade schlecht läuft.
| Strategie | Investiert | Endwert nach 20 Jahren (7 % p.a.) |
|---|---|---|
| 200 €/Monat Sparplan | 48.000 € | ca. 104.000 € |
| 2.400 € einmalig Anfang Jahr × 20 | 48.000 € | ca. 108.000 € |
| Einmalig 48.000 € am Tag 1 | 48.000 € | ca. 186.000 € |
Der Unterschied zwischen Sparplan und jährlicher Einmalzahlung ist überschaubar. Wer aber das gesamte Kapital sofort investieren kann, liegt deutlich vorne – wegen des längeren Zeitraums im Markt. Das zeigt: "Time in Market" schlägt "Timing the Market" fast immer.
Selbst wenn die Einmalinvestition mathematisch oft besser ist – viele Menschen können den Moment psychologisch nicht verkraften, wenn kurz nach einer großen Einmalanlage der Markt um 20 % fällt. Die Reaktion: Panikverkauf in der Verlustzone. Ein Sparplan dagegen verhindert diesen Fehler: Wer monatlich automatisch kauft, denkt gar nicht über Markt-Timing nach.
Alle Angaben ohne Gewähr. Renditeprognosen sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
Beim Cost-Averaging investierst du regelmäßig denselben Betrag. Bei niedrigen Kursen kaufst du mehr Anteile, bei hohen weniger – der Durchschnittskaufpreis liegt oft unter dem reinen Kursdurchschnitt.
In einer Vanguard-Studie schlug die Einmalinvestition den Sparplan in 68 % aller Fälle. Der Grund: In steigenden Märkten verliert man Zeit im Markt, wenn man schrittweise investiert. Das Geld liegt zwischenzeitlich unverzinst.
Ein Sparplan ist optimal, wenn du kein großes Startkapital hast und regelmäßig Geld aus dem Gehalt anlegst. Du kannst nicht das gesamte Jahressalär auf einmal investieren – also ist DCA die logische Wahl für Arbeitnehmer mit monatlichem Einkommen.
Nein. DCA reduziert den Einstiegsrisiko bei hohen Kursen, schützt aber nicht grundsätzlich vor Verlusten. In fallenden Märkten kaufst du zwar günstiger nach, aber das Depot verliert trotzdem an Wert – bis der Markt sich erholt.