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Erbschaftsteuer: Grundlagen #
Wer erbt, muss das Erbe grundsätzlich versteuern – aber nur, wenn es über die Freibeträge hinausgeht. Da die Freibeträge in Deutschland sehr großzügig sind, zahlen in der Praxis nur wenige Erben tatsächlich Erbschaftsteuer.
Das Erbe wird dem Finanzamt innerhalb von 3 Monaten gemeldet (§ 30 ErbStG). Das Finanzamt setzt dann die Steuer fest – falls der Freibetrag überschritten wird.
Freibeträge im Überblick #
| Verwandtschaftsgrad | Freibetrag | Steuerklasse |
|---|---|---|
| Ehepartner / eingetragener Lebenspartner | 500.000 € | I |
| Kinder (pro Kind, pro Elternteil) | 400.000 € | I |
| Enkel (wenn Kind verstorben) | 400.000 € | I |
| Enkel (wenn Kind noch lebt) | 200.000 € | I |
| Urenkel, Eltern, Geschwister | 20.000 € | II |
| Nicht verwandte Personen | 20.000 € | III |
Steuersätze nach Steuerklasse #
Wenn der Wert über dem Freibetrag liegt, wird der Überschuss mit folgenden Sätzen besteuert:
| Wert des steuerpfl. Erwerbs | Klasse I | Klasse II | Klasse III |
|---|---|---|---|
| bis 75.000 € | 7% | 15% | 30% |
| bis 300.000 € | 11% | 20% | 30% |
| bis 600.000 € | 15% | 25% | 30% |
| bis 6 Mio. € | 19% | 30% | 30% |
| über 26 Mio. € | 30% | 43% | 50% |
Schenkung: Freibeträge alle 10 Jahre neu #
Der wichtigste Trick zur Erbschaftsteuer-Optimierung: Schenkungen. Wer Vermögen schon zu Lebzeiten überträgt, nutzt die Freibeträge – und kann sie alle 10 Jahre erneut nutzen. Das nennt sich "rollierende Schenkung".
📊 Beispiel: Eine Mutter möchte ihrer Tochter 600.000 € übergeben. Wenn sie alles auf einmal vererbt und die Mutter ledig ist, wird der Teil über 400.000 € (also 200.000 €) mit 11% besteuert = 22.000 € Steuer. Stattdessen: 2010 Schenkung von 400.000 € (steuerfrei), 2020 nochmals 200.000 € (steuerfrei) – Steuer: null.
Das Familienheim: steuerfrei übertragen #
Das selbstgenutzte Eigenheim kann unter bestimmten Bedingungen steuerfrei auf den Ehepartner oder die Kinder übertragen werden:
- Ehepartner: Immer steuerfrei, wenn er/sie die Immobilie selbst bewohnt – ohne Freibetragslimit
- Kinder: Steuerfrei bis zu einer Wohnfläche von 200 qm, wenn das Kind dort 10 Jahre wohnt
- Wird die Immobilie innerhalb von 10 Jahren verkauft oder vermietet, entfällt die Befreiung rückwirkend
Häufige Fragen (FAQ) #
Häufige Fragen
Ab wann muss ich Erbschaftsteuer zahlen?
Erst wenn das Erbe den persönlichen Freibetrag übersteigt. Für Ehepartner liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro, für Kinder bei 400.000 Euro pro Elternteil. Erst der Betrag darüber wird besteuert. In der Praxis zahlen daher die meisten Erbschaften innerhalb der Familie keine Erbschaftsteuer.
Was ist der Unterschied zwischen Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer?
Beide unterliegen dem gleichen Gesetz (ErbStG) und haben identische Freibeträge und Steuersätze. Der Unterschied: Erbschaftsteuer fällt beim Tod des Erblassers an, Schenkungsteuer bei Übertragungen zu Lebzeiten. Der Vorteil der Schenkung: Die Freibeträge können alle 10 Jahre neu genutzt werden.
Wie kann ich Erbschaftsteuer legal vermeiden?
Hauptstrategien: 1) Frühzeitige Schenkungen nutzen (Freibeträge alle 10 Jahre), 2) Das Familienheim an Ehepartner oder Kinder übertragen (steuerfrei), 3) Begünstigungen für Betriebsvermögen nutzen, 4) Testament optimieren (gemeinsames Testament mit Berliner Testament). Eine Steuerberatung lohnt sich bei Vermögen über 300.000 Euro dringend.
Muss ich ein Erbe dem Finanzamt melden?
Ja. Du bist gesetzlich verpflichtet, das Erbe innerhalb von 3 Monaten beim zuständigen Erbschaftsteuer-Finanzamt zu melden (§ 30 ErbStG). Das gilt auch dann, wenn du glaubst, dass kein Freibetrag überschritten wird. Ausnahme: Das Erbe wurde notariell oder gerichtlich beurkundet – dann informiert der Notar das Finanzamt automatisch.
Was ist der Erbschaftsteuer-Versorgungsfreibetrag?
Ehepartner erhalten zusätzlich zum allgemeinen Freibetrag (500.000 Euro) einen Versorgungsfreibetrag von 256.000 Euro, wenn keine Versorgungsbezüge (Witwen-/Witwerrente) aus dem Erbe resultieren. Kinder haben ebenfalls einen Versorgungsfreibetrag von 10.300 bis 52.000 Euro, je nach Alter.
