Nachhaltig anlegen ohne Renditeverlust – klingt gut, aber stimmt das wirklich? Wir erklären, was ESG, SRI und PAB bedeuten, welche ETFs empfehlenswert sind und warum Greenwashing ein echtes Problem bleibt.
Der Nachhaltigkeitsbegriff in der Geldanlage ist alles andere als einheitlich. Je nach Label gelten unterschiedlich strenge Kriterien:
| Label | Bedeutung | Strenge |
|---|---|---|
| ESG | Environmental, Social, Governance – Bewertung nach diesen Kriterien | Gering bis mittel |
| SRI | Socially Responsible Investment – harte Ausschlüsse ganzer Branchen | Hoch |
| PAB | Paris-Aligned Benchmark – CO₂-Reduktionspfad eingebaut | Sehr hoch |
| CTB | Climate Transition Benchmark – etwas weniger streng als PAB | Hoch |
ESG ist das am weitesten verbreitete Label. Es filtert Unternehmen nach einem Score – aber wer den Score berechnet und wie, variiert stark zwischen den Anbietern. Ölfirmen mit guter Unternehmensführung können trotzdem im ESG-Index landen.
SRI schließt ganze Branchen aus: Waffen, Tabak, Glücksspiel, fossile Brennstoffe. Der MSCI World SRI enthält dadurch nur etwa 350 statt 1.500 Unternehmen – eine deutlich konzentriertere Auswahl.
PAB (Paris-Aligned Benchmark) richtet die Portfoliostruktur auf das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens aus. Unternehmen müssen einen CO₂-Reduktionspfad aufweisen. Das ist der strengste Standard unter den gängigen ETF-Bezeichnungen.
Die häufigste Frage: Muss ich für Nachhaltigkeit auf Rendite verzichten? Die Antwort ist differenziert:
| ETF | TER | Replikation | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| iShares MSCI World SRI | 0,20 % | Physisch | Strenges SRI-Screening, ca. 350 Titel |
| Amundi MSCI World SRI | 0,18 % | Physisch | Günstigster SRI-Welt-ETF, sehr ähnlich zu iShares |
| Vanguard ESG Global All Cap | 0,24 % | Physisch | Sehr breite Diversifikation inkl. Schwellenländer |
ESG-ETFs haben in der Regel höhere Gesamtkostenquoten (TER) als ihre konventionellen Pendants. Der MSCI World Standard ist ab 0,12 % TER erhältlich, ESG-Varianten kosten 0,17 bis 0,50 % TER. Der Unterschied klingt gering, macht über Jahrzehnte aber hunderte Euro aus.
Beispiel: 10.000 Euro, 30 Jahre, 7 % Rendite. Bei 0,12 % TER: ca. 73.000 Euro. Bei 0,20 % TER: ca. 70.000 Euro. Differenz: knapp 3.000 Euro – allein durch den Kostenunterschied.
Alle Angaben ohne Gewähr. ETF-Bezeichnungen und TER-Werte können sich ändern. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). ESG-ETFs schließen Unternehmen aus, die in diesen Bereichen schlecht abschneiden, oder gewichten solche stärker, die gut bewertet werden.
SRI hat strengere Ausschlusskriterien als ESG. Während ESG Unternehmen anhand eines Scores bewertet, schließt SRI ganze Branchen komplett aus: Waffen, Tabak, Glücksspiel, fossile Brennstoffe. Der MSCI World SRI enthält deshalb nur ca. 350 statt 1.500 Unternehmen.
Die Datenlage ist gemischt. 2019–2023 schnitten ESG-ETFs oft besser ab (weniger Öl, mehr Tech). 2024–2025 eher schlechter. Langfristig ist kein konsistenter Unterschied belegt – es kommt stark auf den Zeitraum und den konkreten Index an.
Greenwashing bezeichnet den Vorwurf, dass ein ETF sich als nachhaltig vermarktet, aber tatsächlich wenig ändert. Beispiele: Tesla wurde aus dem S&P 500 ESG Index entfernt, während manche Ölunternehmen mit guter Governance-Bewertung drin geblieben sind.