Das Problem ist größer als du denkst: Rund 40 % der Klarna-Nutzer in Deutschland haben laut Branchenstudien gleichzeitig mehr als eine offene Forderung. Viele bemerken die schleichende Schuldenfalle erst, wenn die erste Mahnung im Postfach liegt.
Warum Klarna-Schulden so schnell entstehen
Klarna ist das Paradebeispiel für Buy Now, Pay Later (BNPL): Du kaufst heute, zahlst in 14 oder 30 Tagen – oder in bequemen Raten. Das klingt entspannt, ist aber psychologisch riskant. Wer mehrere Shops gleichzeitig nutzt, verliert leicht den Überblick, wie viel er tatsächlich schuldet.
Typisches Szenario: Im Januar nutzt du Klarna bei ASOS, im Februar bei Zalando, im März bei About You. Plötzlich kommen drei Fälligkeiten im gleichen Monat – und das Girokonto macht nicht mit. Eine Forderung wird überfällig, Mahngebühren entstehen, die Spirale beginnt.
📊 Wie Klarna-Schulden eskalieren
- Stufe 1: Fälligkeit verpasst → Klarna mahnt per App & E-Mail (keine Gebühr)
- Stufe 2: 1. schriftliche Mahnung → erste Mahngebühr (meist 1–2,50 €)
- Stufe 3: 2. Mahnung nach ≥4 Wochen → Androhung SCHUFA-Eintrag
- Stufe 4: Übergabe an Inkasso (Riverty) → höhere Inkassogebühren
- Stufe 5: Negativer SCHUFA-Eintrag → schlechterer Score für bis zu 3 Jahre
Schritt 1: Vollständigen Überblick verschaffen
Bevor du irgendwas zahlst oder verhandelst, brauchst du eine vollständige Liste aller offenen Klarna-Forderungen. Viele Menschen unterschätzen die Gesamtsumme, weil die Posten auf mehrere Shops verteilt sind.
Klarna-App öffnen → „Bestellungen" & „Zahlungen"
In der Klarna-App findest du unter „Zahlungen" alle offenen Posten mit Fälligkeitsdatum. Notiere alle Beträge, Shop-Namen und Fälligkeitsdaten in einer einfachen Tabelle oder Notiz.
Mahnstatus prüfen
Hast du bereits Mahnungen per E-Mail oder Post erhalten? Suche in deinem E-Mail-Postfach nach Absendern wie „klarna.com", „riverty.com" oder bekannten Inkassobüros. Notiere, welche Forderungen schon im Mahnverfahren sind.
Offene Retouren kontrollieren
Hast du etwas zurückgeschickt, aber die Gutschrift erscheint noch nicht? Melde Retouren aktiv in der Klarna-App – eine Retoure auf dem Postweg schiebt die Fälligkeit nicht automatisch nach hinten. Mehr dazu: Klarna Inkasso trotz Retoure.
🚦 Klarna-Schulden-Ampel-Check
Nutze unseren kostenlosen Ampel-Check, um einzuschätzen, wie dringend deine Situation ist und welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind.
Schritt 2: Forderungen priorisieren
Nicht alle Klarna-Forderungen sind gleich dringend. Priorisiere nach diesem Schema:
| Situation | SCHUFA-Risiko | Priorität |
|---|---|---|
| Forderung fällig, noch keine Mahnung | Niedrig | Diese Woche begleichen |
| 1. Mahnung erhalten | Mittel | Sofort zahlen oder Ratenplan anfragen |
| 2. Mahnung / Inkasso (Riverty) | Hoch | Innerhalb 24–48h handeln |
| Retoure offen, Fälligkeit läuft | Mittel | Retoure in App melden, Zahlung aussetzen lassen |
| Forderung strittig / falsch | Niedrig (bei Widerspruch) | Schriftlich widersprechen |
Schritt 3: Ratenplan oder Stundung vereinbaren
Wenn du nicht alles auf einmal zahlen kannst, gibt es zwei Wege: den Klarna-eigenen Ratenplan und die individuelle Vereinbarung mit dem Kundendienst.
Option A: Klarna-Ratenplan in der App
Klarna bietet direkt in der App an, fällige Beträge ab ca. 50 € in Raten à 3, 6 oder 12 Monate umzuwandeln. Vorteil: sofort verfügbar, kein Anruf nötig. Nachteil: effektiver Jahreszins von bis zu 18,99 % – deutlich teurer als ein klassischer Ratenkredit.
Tipp: Kosten vergleichen. Bei höheren Beträgen (ab ca. 500 €) kann ein FLORIN+ Kleinkredit mit niedrigerem Zinssatz günstiger sein als Klarnas Ratenfunktion. Nutze unseren BNPL-Kosten-Rechner, um den Unterschied zu sehen.
Option B: Individuelle Vereinbarung mit Klarna
Für größere Beträge oder wenn die App-Ratenfunktion nicht verfügbar ist, kontaktiere Klarna direkt. Der Kundendienst kann individuelle Stundungen, Zahlungspläne oder in seltenen Fällen sogar Vergleichsangebote machen.
Klarna Kundendienst kontaktieren
Am schnellsten über die Klarna-App (Chat) oder per E-Mail an kundendienst@klarna.de. Telefon: 0800 723 8033 (kostenfrei).
Situation klar kommunizieren
Erkläre sachlich, dass du Zahlungsschwierigkeiten hast und einen Ratenplan oder Zahlungsaufschub beantragst. Nenne konkrete Zahlen: Gesamtbetrag, welchen Monatsrate du dir leisten kannst.
Vereinbarung schriftlich bestätigen lassen
Bitte immer um eine schriftliche Bestätigung der Vereinbarung per E-Mail. Mündliche Zusagen sind im Streitfall schwer durchzusetzen.
Schritt 4: SCHUFA-Auswirkungen verstehen und begrenzen
Viele denken, allein das Verpassen einer Zahlung führt zu einem negativen SCHUFA-Eintrag. Das stimmt nicht. Klarna muss vor einem Negativeintrag:
- Mindestens zweimal gemahnt haben,
- zwischen den Mahnungen mindestens vier Wochen gewartet haben,
- dich ausdrücklich auf den drohenden SCHUFA-Eintrag hingewiesen haben,
- und die Forderung muss über 100 € liegen (oder in speziellen Fällen auch darunter bei Titulierung).
Das bedeutet: Du hast Zeit zu handeln. Wer spätestens nach der zweiten Mahnung zahlt oder einen verbindlichen Ratenplan vereinbart, schützt in der Regel seinen SCHUFA-Score.
SCHUFA bereits eingetragen? Wenn du nach einem Klarna-Mahnverfahren einen negativen Eintrag befürchtest, prüfe deinen aktuellen Score mit dem SCHUFA-Simulator und fordere einmal jährlich kostenlos deinen vollständigen SCHUFA-Report unter meineschufa.de an.
Schritt 5: Fehlerhafte Forderungen widersprechen
Nicht jede Klarna-Forderung ist berechtigt. Häufige Fehlerquellen: Retouren, die nicht korrekt verbucht wurden, doppelte Buchungen oder technische Fehler beim Händler. Wenn du eine Forderung für falsch hältst:
- Widerspreche schriftlich – per E-Mail und per Einschreiben,
- lege Beweise bei (Retourenschein, Sendungsverfolgung, Screenshots),
- zahle die strittige Forderung nicht – Zahlung gilt als Anerkenntnis,
- schalte bei fehlendem Einlenken die Verbraucherzentrale ein.
Details zum Vorgehen bei Retoure-Problemen: Klarna Inkasso trotz Retoure – Was tun?
Schritt 6: Langfristig BNPL-Fallen vermeiden
Wer einmal in der Klarna-Schuldenfalle war, hat gute Gründe, BNPL künftig bewusster einzusetzen. Die Grundregel ist simpel: Nutze „Später bezahlen" nur für Beträge, die du heute schon auf dem Konto hast.
Die größten BNPL-Risiken – überhöhte Zinsen bei Ratenfunktion, fehlende Budgetkontrolle, Auswirkungen auf Bonität – erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber: BNPL-Fallen: Alle Risiken 2026.
Was Klarna wirklich kostet: Bei einem 500-€-Einkauf auf 12 Monate Rate mit 18,99 % Jahreszins zahlst du rund 52 € extra. Unser BNPL-Kosten-Rechner zeigt dir den genauen Betrag für deine Situation.
Häufig gestellte Fragen
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