Zum Inhalt springen
FLORIN+Ratgeber › Rente & Vorsorge
Rente & Vorsorge

Rentenreform 2026: Was kommt, was geplant ist – und was nur Debatte

Rente mit 70, Kapitalrente, das Aus für Minijobs – die Schlagzeilen überschlagen sich. Hier trennen wir sauber: Was gilt 2026 schon, was ist geplant, und was ist bloß ein Vorschlag aus der Rentenkommission?

Monika Bauer
Monika Bauer
·21. Juni 2026·7 min Lesezeit
Inhalt

Die Reform-Ampel: beschlossen, geplant, Debatte #

Bei der Rente werden gerade drei sehr unterschiedliche Dinge in einen Topf geworfen: Gesetze, die schon gelten, Vorhaben, die in Arbeit sind, und bloße Vorschläge einer Kommission. Wir sortieren nach Ampel-Logik.

Beschlossen

Gilt 2026 bereits oder ist final verabschiedet — wirkt sich konkret aus.

Geplant

Gesetzgebung läuft, ein Start-Termin steht — aber es ist noch nicht in Kraft.

?
Debatte

Vorschlag oder Idee aus der Rentenkommission. Kann kommen, kann scheitern.

Schon beschlossen — das gilt 2026 #

Diese Punkte sind durch und betreffen Millionen Menschen unmittelbar:

Beschlossene Renten-Maßnahmen 2026
MaßnahmeWas sich ändertAb wann
Rentenplus+4,24 % — der Rentenwert steigt von 40,79 € auf 42,52 €; das Rentenniveau bleibt durch die Haltelinie bei 48 % (festgeschrieben bis 2031)1. Juli 2026
AktivrenteBis 2.000 € im Monat steuerfrei für Arbeit nach der Regelaltersgrenzeseit 1. Januar 2026
MütterrenteFür vor 1992 geborene Kinder 3 statt 2,5 Entgeltpunkte2026
MinijobEine früher beantragte Befreiung von eigenen Rentenbeiträgen darf einmalig zurückgenommen werdenseit 1. Juli 2026

Wer von der Aktivrente wirklich profitiert — und wer leer ausgeht — steht im Aktivrente-Ratgeber.

Geplant — die Gesetzgebung läuft #

Zwei größere Bausteine sind angekündigt, aber noch nicht in Kraft:

Kapitalrente (ab 2028)

Ein Teil der Beiträge wird am Aktienmarkt angelegt: zunächst 0,5 % des Bruttolohns, hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, später bis zu 2 %. Sie ergänzt das Umlageverfahren, ersetzt es nicht.

K
Frühstart-Rente für Kinder

10 € im Monat vom Staat in ein Aktien-Depot für Kinder von 6 bis 18 Jahren mit Schulbesuch in Deutschland. Eckpunkte sind vom Kabinett beschlossen, Start 2026 jahrgangsweise (erster Jahrgang rückwirkend ab Januar — 120 € bis Jahresende). Gesperrt bis zur Rente, privat aufstockbar.

Interaktiv: Was zahlst du in die Kapitalrente? #

Verschiebe deinen Bruttolohn und sieh, was der geplante Kapitalrente-Beitrag ungefähr ausmacht — in der Startstufe (0,5 %) und im Endausbau (2 %). Die Hälfte trägt der Arbeitgeber.

Geplante Werte: Start 0,5 %, Endausbau 2 % des Bruttolohns – je zur Hälfte von dir und deinem Arbeitgeber. Schätzung, noch nicht beschlossen.

Nur Empfehlungen — die 33 Vorschläge der Rentenkommission #

!
Vorsicht bei den Schlagzeilen

Am 23. Juni 2026 übergibt die Rentenkommission ihren Bericht mit 33 Empfehlungen an Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas. Vieles klingt nach beschlossener Sache, ist aber genau das: eine Empfehlung — politisch heftig umstritten und (noch) kein Gesetz.

Rentenalter an die Lebenserwartung koppeln (ab 2032). Nach dem „Zwei-zu-eins“-Modell soll man bei einem Jahr mehr Lebenserwartung acht Monate länger arbeiten und vier Monate mehr Rente bekommen. Konkret würde aus der Rente mit 67 (ab 2031) bis 2041 etwa eine Rente mit 67,5 — die vielzitierte „Rente mit 70“ erst in den 2090er-Jahren. Die Schlagzeile „Rente mit 70 ab diesem Jahr“ ist also stark verkürzt; der Koalitionsvertrag schließt eine Anhebung über 67 bislang ohnehin aus.

Rente mit 63 abschaffen. Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte (45 Versicherungsjahre) soll wegfallen; die Altersgrenze für die Frührente mit Abschlägen stiege von 63 auf 64. Vorgesehen ist ein sozialer Ausgleich für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum Renteneintritt arbeiten können.

48-%-Haltelinie aufgeben. Statt das Rentenniveau dauerhaft bei 48 % zu garantieren, empfiehlt die Kommission als Zielgröße eine Nettoersatzrate von mindestens 70 % nach Steuern (Empfehlung Nr. 1). Die bis 2031 gesetzlich gesicherten 48 % bleiben davon unberührt.

Mehr Einzahler — aber nicht alle. Künftig sollen auch Abgeordnete und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Beamte bleiben ausdrücklich außen vor.

Aus für klassische Minijobs. Beitragsfreie Minijobs soll es künftig nur noch für Schüler geben — Ziel ist, vor allem Frauen besser gegen Altersarmut abzusichern.

Ob und wie viel davon Gesetz wird, entscheidet die Politik — und der Streit darüber, vor allem um die Rente mit 63 und ein höheres Rentenalter, hat längst begonnen.

Was heißt das für dich? #

Rentner profitieren sofort: mehr Rente ab Juli, steuerfreier Hinzuverdienst über die Aktivrente, für viele Mütter ein Plus. Arbeitnehmer trifft ab 2028 die Kapitalrente — sie kostet etwas Netto, bringt aber erstmals eine kapitalgedeckte Komponente. Die Chance ist die langfristige Aktienmarkt-Rendite, die Kritik das Marktrisiko und der zunächst kleine Beitrag. Eltern bekommen mit der Frühstart-Rente einen kleinen, aber früh verzinsten Anschub fürs Kind. Minijobber sollten die geplante Reform im Auge behalten.

Deine eigene Lage rechnest du am besten konkret durch: mit dem Renteneintrittsalter-Rechner und – fürs kapitalgedeckte Sparen – dem Altersvorsorgedepot 2026.

Häufige Fragen

Kommt die Rente mit 70?

Beschlossen ist sie nicht. Die Rentenkommission empfiehlt in ihrem Bericht vom 23. Juni 2026, das Renteneintrittsalter ab 2032 an die Lebenserwartung zu koppeln (Zwei-zu-eins-Modell). Demnach würde aus der Rente mit 67 bis 2041 etwa eine Rente mit 67,5 – die „Rente mit 70“ erst in den 2090er-Jahren. Der Koalitionsvertrag schließt eine Anhebung über 67 bislang aus – es bleibt eine Empfehlung, kein Gesetz.

Was ist die Kapitalrente und ab wann gilt sie?

Die Kapitalrente ist eine geplante kapitalgedeckte Ergänzung zur umlagefinanzierten Rente. Vorgesehen ist ein Start ab 2028 mit zunächst 0,5 % des Bruttolohns – hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber –, der später auf bis zu 2 % steigen soll. Das Geld wird am Aktienmarkt angelegt. Beschlossen ist sie noch nicht.

Was ist die Frühstart-Rente für Kinder?

Der Staat zahlt 10 € pro Monat in ein Aktien-Depot für Kinder von 6 bis 18 Jahren, die in Deutschland zur Schule gehen. Das Kabinett hat die Eckpunkte beschlossen; die Einführung soll 2026 jahrgangsweise starten – der erste Jahrgang rückwirkend ab 1. Januar 2026 (120 € bis Jahresende). Das Depot ist bis zum Renteneintritt gesperrt und kann privat aufgestockt werden.

Werden Minijobs abgeschafft?

Es gibt einen Kommissionsvorschlag, beitragsfreie Minijobs künftig nur noch für Schüler zuzulassen – beschlossen ist das nicht. Konkret und fix ist nur: Seit 1. Juli 2026 können Minijobber eine früher beantragte Befreiung von eigenen Rentenbeiträgen einmalig zurücknehmen.

Wie viel mehr Rente gibt es 2026?

Zum 1. Juli 2026 steigen die Renten um 4,24 %. Der aktuelle Rentenwert klettert von 40,79 € auf 42,52 €; rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner profitieren. Das Rentenniveau bleibt durch die Haltelinie bei 48 % – festgeschrieben bis 2031.

Was ändert sich bei der Mütterrente?

Für vor 1992 geborene Kinder werden künftig drei statt bisher zweieinhalb Entgeltpunkte angerechnet. Das erhöht die Rente von Eltern – in der Praxis vor allem von Müttern – mit älteren Kindern.

Was schlägt die Rentenkommission vor?

Ihr Bericht (33 Empfehlungen, übergeben am 23. Juni 2026) enthält u. a.: das Renteneintrittsalter ab 2032 an die Lebenserwartung koppeln, die abschlagsfreie Rente mit 63 abschaffen, die 48-%-Haltelinie durch eine Nettoersatzrate von mindestens 70 % nach Steuern ersetzen sowie Abgeordnete und Selbstständige – nicht aber Beamte – in die gesetzliche Rente einbeziehen. Das sind Empfehlungen, kein Gesetz; die Umsetzung ist politisch umstritten.

Monika Bauer
Über den Autor
Monika Bauer
Steuer- & Vorsorge-Redaktion, FLORIN+

Monika erklärt komplexe Steuer- und Vorsorgethemen so, dass Nicht-Steuerberater sie verstehen. Schwerpunkt: konkrete Zahlen statt Paragrafen-Lyrik.

Schwerpunkte
EinkommensteuerRente & VorsorgeFamilien-FinanzenSozialversicherung

Liquidität sofort — ohne SCHUFA.

Starten