Du stellst einen Kreditantrag, möchtest eine Wohnung mieten oder einen Handyvertrag abschließen – und irgendwo im Hintergrund läuft eine Auskunftei-Abfrage. Aber welche? In Deutschland gibt es drei große Auskunfteien: SCHUFA, CRIF GmbH (früher CRIF Bürgel) und Experian Deutschland GmbH (früher Arvato Infoscore und Boniversum). Jede Branche hat ihre bevorzugten Partner – und das macht einen erheblichen Unterschied für deine Bonität.
Schnellübersicht: Wer nutzt wen?
| Branche / Anbieter | SCHUFA | CRIF GmbH | Experian |
|---|---|---|---|
| Banken & Direktbanken | ✔ fast immer | ⚬ einige | ⚬ einige |
| Kreditvermittler | ✔ Standard | ⚬ ergänzend | ⚬ ergänzend |
| Mobilfunk & Telekom | ✔ ja | ✔ ja | ✗ selten |
| Vermieter / Wohnungsmarkt | ✔ Standard | ✗ selten | ✗ selten |
| Online-Handel / BNPL | ⚬ teilweise | ✔ häufig | ✔ häufig |
| Versicherungen | ✔ ja | ✗ selten | ✔ ja |
| Energieversorger | ✔ ja | ✔ ja | ✗ selten |
| Auto-Leasing & KFZ-Finanzierung | ✔ immer | ⚬ ergänzend | ⚬ ergänzend |
| Mietkauf & Ratenzahlung | ⚬ teilweise | ✔ häufig | ✔ häufig |
Legende: ✔ = wird regelmäßig genutzt · ⚬ = wird von einigen Anbietern genutzt · ✗ = selten oder nicht genutzt
Banken und Kreditinstitute
Die SCHUFA ist bei Banken der absolute Standard. Nahezu jede deutsche Bank – ob Filialbank, Direktbank oder Neobank – fragt bei einem Kreditantrag oder der Kontoeröffnung mindestens einmal die SCHUFA ab. Der Grund: Die SCHUFA hat die mit Abstand größte Datenbank für Kreditverhalten in Deutschland, mit Daten zu über 68 Millionen Personen.
Viele Banken nutzen jedoch mehrere Auskunfteien gleichzeitig, insbesondere bei größeren Kreditvolumina. Hier kommen CRIF GmbH und Experian Deutschland als Ergänzung ins Spiel:
- ING, DKB, Consorsbank, Santander: primär SCHUFA, teilweise CRIF ergänzend
- Auxmoney, Smava (Kreditvermittler): SCHUFA plus meist weitere Auskunfteien für Scoring-Optimierung
- Neobanken (N26, Vivid): SCHUFA bei Kontoeröffnung mit Kreditfunktionen
- Hausbanken bei Immobilienfinanzierung: SCHUFA, Experian und CRIF möglich – je nach Kreditvolumen und internen Richtlinien
Mobilfunk und Telekommunikation
Wer einen neuen Handyvertrag abschließt, triggert in der Regel zwei Abfragen: eine bei der SCHUFA und eine bei der CRIF GmbH. CRIF (früher CRIF Bürgel) hat traditionell starke Verbindungen zur Telekommunikationsbranche und verfügt über umfangreiche Daten zu Zahlungsausfällen bei Mobilfunkverträgen.
- Telekom, Vodafone, O2 (Telefónica): SCHUFA und CRIF
- 1&1, Freenet: SCHUFA, teilweise CRIF
- Prepaid-Verträge: meist keine Bonitätsprüfung
- DSL/Kabel-Internettarife: SCHUFA und/oder CRIF, je nach Anbieter
Wer bei einem Mobilfunkanbieter in der Vergangenheit eine offene Forderung hatte, die von CRIF gespeichert wurde, kann selbst mit einer einwandfreien SCHUFA abgelehnt werden. Deshalb lohnt es sich, vor einem neuen Vertrag auch eine Selbstauskunft bei CRIF einzuholen (kostenlos nach DSGVO Art. 15).
Vermieter und Wohnungsmarkt
Beim Thema Wohnen ist die SCHUFA König. Die weitaus meisten Vermieter – sowohl private als auch institutionelle – verlangen eine SCHUFA-Selbstauskunft als Bonitätsnachweis. Dies ist in Deutschland so stark etabliert, dass der Begriff "SCHUFA-Auskunft" bei der Wohnungssuche synonym für "Bonitätsauskunft" verwendet wird.
- Private Vermieter: fast ausschließlich SCHUFA
- Wohnungsbaugesellschaften, SAGA, Gagfah: SCHUFA, teilweise eigene Prüfungen
- Immobilienmakler: vermitteln SCHUFA-Selbstauskunft oder akzeptieren sie
- Immobilienportale (ImmobilienScout24): SCHUFA-Partnerschaft, digitaler Abruf möglich
Online-Handel, BNPL und Versandkauf
Im E-Commerce und bei "Buy now, pay later"-Diensten (BNPL) spielen CRIF GmbH und Experian Deutschland ihre größte Rolle. Experian Deutschland (hervorgegangen aus Arvato Infoscore) hat historisch sehr enge Verbindungen zum Versandhandel und kennt vor allem Zahlungsausfälle bei Rechnungskauf und Ratenkauf.
- Klarna: eigenes Scoring, ergänzend SCHUFA und Experian/Arvato-Daten
- PayPal Ratenzahlung: SCHUFA und interne Daten
- Otto, Baur, Bonprix (Versandhandel): CRIF und Experian/Arvato (historisch Kernkunden)
- Afterpay, Paydirekt: CRIF und/oder Experian
- Amazon Pay später: eigene Entscheidungslogik, SCHUFA-Daten fließen ein
Besonders relevant: Negative Einträge beim früheren Arvato Infoscore (jetzt Experian) tauchen nicht in der SCHUFA auf. Wer beim Online-Shopping in der Vergangenheit Probleme hatte und denkt, "meine SCHUFA ist sauber, also gibt es kein Problem" – der irrt möglicherweise. Genau diese Einträge können bei Experian Deutschland noch gespeichert sein.
Versicherungen
Versicherungen fragen seltener – aber durchaus – Bonitätsdaten ab. Die Hauptakteure hier sind SCHUFA und Experian Deutschland (früher Boniversum, das speziell für die Versicherungsbranche entwickelt wurde).
- Kfz-Versicherungen: SCHUFA bei Ratenzahlung der Prämie, Experian ergänzend
- Lebens- und Risikoversicherungen: SCHUFA und/oder Experian (ehemals Boniversum)
- Krankenversicherung (privat): keine Bonitätsprüfung im eigentlichen Sinne
- Wohngebäude-, Haftpflichtversicherungen: meist keine Abfrage
Experian Deutschland (als Nachfolger von Boniversum) hat sich auf die Versicherungsbranche spezialisiert. Wer frühere Prämienzahlungsprobleme bei einer Versicherung hatte, sollte seine Experian-Selbstauskunft prüfen.
Energieversorger und Stadtwerke
Strom-, Gas- und Wärmeversorger prüfen ebenfalls die Bonität – vor allem bei neuen Verträgen mit Vorauszahlungen oder Ratenzahlung. Hier sind SCHUFA und CRIF die häufigsten Partner.
- E.ON, RWE, EnBW: SCHUFA und teilweise CRIF
- Stadtwerke: variiert stark je nach Größe und Region; viele nutzen SCHUFA
- Günstige Online-Energieanbieter (Verivox-Partner): SCHUFA-Abfrage bei Vertragsbeginn häufig
Auto-Leasing und KFZ-Finanzierung
Bei Auto-Leasing und KFZ-Finanzierung ist die SCHUFA gesetzt – ohne Ausnahme. Kein Leasingvertrag und kein Autokredit in Deutschland wird vergeben, ohne dass die SCHUFA geprüft wurde. Ergänzend nutzen manche Hersteller-Banken und Leasinggesellschaften CRIF oder Experian.
- Volkswagen Financial Services, BMW Financial Services, Mercedes-Benz Bank: SCHUFA immer, ergänzende Auskunftei je nach Vertragswert
- ALD Automotive, Sixt Leasing: SCHUFA plus interne Scoring-Modelle
- Autokredit über Direktbanken: SCHUFA, teilweise CRIF
Warum fragen manche Anbieter mehrere Auskunfteien ab?
Die drei großen Auskunfteien haben unterschiedliche Datenschwerpunkte und teilen ihre Daten nicht untereinander. Das bedeutet: Ein negativer Eintrag bei Experian taucht nicht automatisch in der SCHUFA auf – und umgekehrt. Anbieter mit hohem Ausfallrisiko nutzen deshalb mehrere Auskunfteien, um ein vollständigeres Bild zu bekommen.
Gleichzeitig bedeutet das für Verbraucher: Dein "Bonitätsbild" kann je nach Auskunftei sehr unterschiedlich aussehen. Eine saubere SCHUFA ist keine Garantie für eine saubere CRIF-Auskunft – und vice versa.
- SCHUFA Datenkopie (kostenlos, 1x jährlich): schufa.de
- CRIF Selbstauskunft (kostenlos nach Art. 15 DSGVO): crif.de
- Experian Selbstauskunft (kostenlos nach Art. 15 DSGVO): experian.de
Fazit: Alle drei Auskunfteien prüfen lohnt sich
Wer glaubt, eine saubere SCHUFA sei alles, was zählt, unterschätzt die Relevanz von CRIF und Experian. Je nach Branche können diese Auskunfteien entscheidend sein – beim Versandkauf, beim Mobilfunkvertrag oder bei Versicherungen. Die gute Nachricht: Alle drei Auskunfteien sind verpflichtet, dir einmal pro Jahr kostenlos Auskunft über deine gespeicherten Daten zu geben (DSGVO Art. 15). Nutze dieses Recht – und zwar bei allen drei.
Quellen & weiterführende Links
- SCHUFA Holding AG – Selbstauskunft: schufa.de
- CRIF GmbH – Auskunft & Datenschutz: crif.de
- Experian Deutschland GmbH – Verbraucherauskunft: experian.de
- Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) § 31 – Scoring
- DSGVO Art. 13 – Informationspflichten bei Datenerhebung
- DSGVO Art. 15 – Auskunftsrecht der betroffenen Person