MyWage MyWage Research · No. 03 / 2026
Löhne & Einkommen in Deutschland

Löhne und Gehälter in Deutschland 2026

Deutschlands gespaltene Lohnlandschaft

+4,2 % Nominallohnwachstum, ein Mindestlohn von 13,90 € und ein Gender Pay Gap von 16 % markieren 2026 eine Lohntektonik, die Deutschland in Gewinner und Verlierer teilt. Vier Jahre kumulierter Kaufkraftverlust, ein explosiver Branchengegensatz zwischen IT und Gastgewerbe sowie hartnäckige regionale Disparitäten — MyWage Research legt die vollständigste Analyse der deutschen Lohnstruktur 2026 vor.

Veröffentlicht: Juli 2026 Aktuellster Datenpunkt: Destatis Q1 2026 Quellen: Destatis, WSI, IAB, BMAS, Bundesbank, MyWage Research (intern) Berichtszeitraum: 2015–2026

Kurzantwort · Stand: 4. Oktober 2026

Wie haben sich die Löhne in Deutschland entwickelt?

Die Nominallöhne in Deutschland stiegen 2025 um 4,2 %, real – nach Abzug der Inflation von 2,2 % – um 1,9 % (Destatis). Vollzeitbeschäftigte verdienten im April 2025 im Durchschnitt 4.784 € brutto im Monat (ohne Sonderzahlungen). Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 %, bereinigt bei 6 %. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit 1. Januar 2026 13,90 € und steigt 2027 auf 14,60 €.

Die wichtigsten Zahlen
KennzahlWertZeitraumQuelle
Nominallöhne 2025+4,2 %ggü. 2024Destatis, PM 27.02.2026
Reallöhne 2025+1,9 %ggü. 2024Destatis, PM 27.02.2026
Reallöhne Q2 2026+1,5 %ggü. Q2 2025Destatis, PM 27.08.2026
Ø Bruttomonatsverdienst Vollzeit4.784 €April 2025, ohne SonderzahlungenDestatis, Verdiensterhebung April 2025
Gender Pay Gap16 % / 6 %unbereinigt / bereinigt, 2025Destatis, PM 16.12.2025
Mindestlohn13,90 € / 14,60 €ab 01.01.2026 / ab 01.01.2027BMAS, Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung

Amtliche Werte und Fremdstudien mit Quelle und Bezugszeitraum; MyWage-Plattformdaten sind im Report gesondert gekennzeichnet. Kennzahlen zuletzt gegen Primärquellen geprüft am 4. Oktober 2026.

Korrektur 04.10.2026: Branchenwerte Information und Kommunikation (6.141 €) und Gastgewerbe (3.185 €) auf die Destatis-Verdiensterhebung April 2025 (Durchschnitt, Vollzeit) aktualisiert. Zweite Prüfung: Branchen- und West/Ost-Werte vollständig auf Destatis umgestellt (Ost-West-Abstand 840 € statt „bis zu 1.820 €“), Mindestlohn-Betroffene: bis zu 4,8 Mio. Jobs, Gender Pay Gap 2010: 22 %.

Executive Summary

Deutschland befindet sich 2026 in einer paradoxen Lohnsituation: Nominale Rekordwerte treffen auf strukturelle Persistenz. +4,2 % Nominallohnwachstum und der Mindestlohnsprung auf 13,90 € signalisieren nach außen eine starke Lohnerholung — doch vier Jahre kumulierter Reallohnverlust (2021–2024) haben eine tiefe Kaufkraftwunde hinterlassen. Proprietäre MyWage-Plattformdaten zeigen: Der Anteil der Nutzer, die weniger als 50 % des Medianeinkommens verdienen, ist zwischen 2022 und 2026 von 18 % auf 24 % gestiegen. Gleichzeitig entkoppelt sich der Bereich Information und Kommunikation (6.141 €/Monat) systematisch von Branchen wie dem Gastgewerbe (3.185 €/Monat; Durchschnitt Vollzeit, April 2025, Destatis) — eine Divergenz, die kein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Phänomen ist. Der Gender Pay Gap verharrt bei 16 % trotz zwei Jahrzehnten Gleichstellungspolitik, und Vollzeitbeschäftigte im Osten verdienen im Schnitt 840 € im Monat weniger als im Westen.

Takeaway 01 — Kaufkraftbilanz

Reale Lohnerholung ist brüchig: Trotz +4,2 % nominal liegt der reale Nettokaufkraftzuwachs kumuliert seit 2020 bei nur +1,3 %. Haushalte im unteren Einkommensdrittel haben den Inflationsschock 2021–2023 noch nicht vollständig aufgeholt — ein Risiko für die Binnennachfrage 2027.

Takeaway 02 — Branchenspaltung

Systemrelevanz-Paradox: Gastgewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft lagen im April 2025 rund ein Drittel unter dem Vollzeitdurchschnitt von 4.784 €, Finanzbranche und Information/Kommunikation 28 bis 31 % darüber (Destatis).

Takeaway 03 — Mindestlohn-Wirkung

13,90 € als Systemeingriff: Von der Anhebung auf 13,90 € ab Januar 2026 profitieren nach Destatis-Schätzung bis zu 4,8 Millionen Jobs (rund 12 % aller Jobs); bei der Stufe auf 14,60 € ab 2027 sind es bis zu 7 Millionen.

Deutschland 2026: Sechs Schlüsselindikatoren der Lohnentwicklung


Aktuelle Messwerte aus öffentlichen und proprietären Quellen — unabhängig verifiziert. Alle Werte beziehen sich auf Vollzeitäquivalente, sofern nicht anders angegeben.

LOHN-NOM · 2025
+4,2 %
Nominallohnwachstum 2025
(Nominallohnindex, Destatis)
▲ Destatis, PM 27.02.2026
LOHN-REAL · 2025
+1,9 %
Reallohnwachstum 2025
(VPI-bereinigt, Destatis)
▲ Erste dauerhaft positive Runde seit 2021
MIN-LOHN · JAN 2026
13,90 €
Gesetzl. Mindestlohn / Std.
(ab 1. Januar 2026)
▲ +8,4 % gegenüber 12,82 € (Jan. 2025)
GENDER-GAP · 2025
16 %
Gender Pay Gap unadjustiert
(Destatis 2025, Vollzeit)
▼ Von 22 % (2010) — Rückgang verlangsamt
OST-WEST · 2025
840 €
Monatl. Bruttoverdienst-Abstand
West vs. Ost (Vollzeit 2025)
Destatis, Jahresdurchschnitt 2025
ERWERBST · 2025
45,9 Mio.
Erwerbstätige Deutschland
(IAB, Jahresdurchschnitt 2025)
▲ Historischer Höchststand

Lohnentwicklung 2015–2025: Boom, Inflationsschock, Erholung


Der nominale Lohnindex Deutschlands (Basis 2020 = 100) hat bis 2025 auf 124,4 Punkte zugelegt — ein Anstieg von 24,4 % gegenüber dem Vorkrisenjahr 2020. Der reale Lohnindex liegt 2025 jedoch nur bei 101,3 — ein mageres Plus von 1,3 %. Der Unterschied: rund 23 Indexpunkte, die durch Inflation aufgefressen wurden. Der schwerste Einbruch des Reallohnindex erfolgte 2022 (−4,2 % gegenüber 2021) — der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung.

Abbildung 1
Nominaler und realer Lohnindex Deutschland 2015–2025 (Basis 2020 = 100)
Vollzeitäquivalente. Reallohn = Nominallohn ÷ VPI × 100. Grau = Differenz durch Inflation.
Quelle: Destatis, Verdienststatistik (Fachserie 16, Reihe 2.3); Destatis VPI (Fachserie 17, Reihe 7). Reallohn: eigene Berechnung MyWage Research.
Jahr Nominallohn (Index) VPI Reallohn (Index) Reale Veränd.
201587,294,392,5—
201791,795,196,4+1,9 %
201997,198,698,5+1,1 %
2020100,0100,0100,0+1,5 %
2021103,1103,1100,00,0 %
2022107,8111,296,9−3,1 %
2023114,3117,897,0+0,1 %
2024119,4120,499,2+2,3 %
2025124,4123,0101,3+2,1 %
Schlüsselbefund — Das Kaufkraft-Defizit

Fünf Jahre, um 1,3 % zu gewinnen: Zwischen 2020 und 2025 wuchs der nominale Lohnindex um 24,4 Punkte — der reale Lohnindex jedoch nur um 1,3 Punkte. Das entspricht einer realen Kaufkraftsteigerung von +1,3 % in fünf Jahren, während die Nominallohnsumme um 24,4 % stieg. Die Inflationsjahre 2021–2023 haben — trotz historischer Tarifrunden — eine strukturelle Kaufkraftwunde hinterlassen, die für das untere Einkommensdrittel noch nicht vollständig verheilt ist.

Branchenatlas 2025: rund 3.100 € Monatsgefälle zwischen den Branchen


Vollzeitbeschäftigte verdienten im April 2025 im Durchschnitt 4.784 € brutto im Monat (ohne Sonderzahlungen, Destatis). Dahinter steckt eine große Streuung: In der Finanz- und Versicherungsbranche waren es 6.279 €, in Information und Kommunikation 6.141 € — im Gastgewerbe 3.185 € und in der Land- und Forstwirtschaft 3.172 €. Gesundheits- und Sozialwesen (4.794 €) sowie Erziehung und Unterricht (5.282 €) liegen beim Vollzeitverdienst auf oder über dem Durchschnitt. Die Werte gelten nur für Vollzeit; Teilzeit, Minijobs und Sonderzahlungen sind nicht enthalten.

Abbildung 2
Durchschnittlicher Bruttomonatsverdienst nach Wirtschaftsabschnitt, April 2025 — Vollzeit (€/Monat)
Sortiert aufsteigend. Rot = unter dem Durchschnitt aller Vollzeitbeschäftigten (4.784 €).
Quelle: Destatis, Verdiensterhebung April 2025, arithmetisches Mittel ohne Sonderzahlungen, Stand 09.01.2026.
Wirtschaftsabschnitt Brutto Ø/Monat Abw. vom Ø
Finanz- und Versicherungsdienstl.6.279 €+31,2 %
Information und Kommunikation6.141 €+28,4 %
Energieversorgung5.966 €+24,7 %
Erziehung und Unterricht5.282 €+10,4 %
Verarbeitendes Gewerbe4.913 €+2,7 %
Gesundheits- und Sozialwesen4.794 €+0,2 %
Öffentliche Verwaltung4.727 €−1,2 %
Handel4.402 €−8,0 %
Baugewerbe4.213 €−11,9 %
Verkehr und Lagerei3.935 €−17,7 %
Sonst. wirtschaftl. Dienstleistungen3.870 €−19,1 %
Gastgewerbe3.185 €−33,4 %
Land- und Forstwirtschaft3.172 €−33,7 %
Einordnung

Gastgewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft liegen rund ein Drittel unter dem Vollzeitdurchschnitt, Finanzbranche und Information/Kommunikation 28 bis 31 % darüber. Wo Sie mit Ihrem eigenen Gehalt stehen, zeigt der Gehaltsvergleich nach Beruf und Region.

Regionale Disparitäten: 840 € Monatsgefälle zwischen West und Ost


Vollzeitbeschäftigte im früheren Bundesgebiet (einschließlich Berlin) verdienten 2025 im Jahresdurchschnitt 4.961 € brutto im Monat, in den neuen Ländern 4.121 € — ein Abstand von 840 € oder rund 17 %. Bei Frauen ist der Abstand mit 443 € deutlich kleiner als bei Männern (1.019 €).

Abbildung 3
Durchschnittlicher Bruttomonatsverdienst 2025 — Vollzeit, West und Ost (€/Monat)
Jahresdurchschnitt 2025, ohne Sonderzahlungen. Rot = neue Länder (ohne Berlin).
Quelle: Destatis, Durchschnittliche Bruttomonatsverdienste (Zeitreihe), Stand 01.04.2026. Länderwerte für 2025 liegen noch nicht in vergleichbarer Form vor.

Männer, Vollzeit (2025)

West (inkl. Berlin): 5.175 €
Ost (ohne Berlin): 4.156 €
Deutschland: 5.046 €

Frauen, Vollzeit (2025)

West (inkl. Berlin): 4.496 €
Ost (ohne Berlin): 4.053 €
Deutschland: 4.435 €

Methodik-Hinweis

Die Werte sind Jahresdurchschnitte 2025 und daher nicht direkt mit dem Stichmonat April 2025 (4.784 €) vergleichbar. Innerhalb der Länder streuen die Verdienste zusätzlich stark zwischen Städten und ländlichen Kreisen.

Gender Pay Gap 2025: 16 % Lohnlücke — strukturell, nicht versehentlich


Der unadjustierte Gender Pay Gap (GPG) in Deutschland betrug 2024 laut Destatis 16 % — Frauen verdienten je geleistete Stunde im Durchschnitt 16 % weniger als Männer. Deutschland liegt damit im EU-Vergleich im unteren Drittel; der EU-27-Durchschnitt beträgt 12,7 %. Der bereinigte GPG — der Unterschied bei gleicher Stelle, Qualifikation und Branche — liegt bei 6 %, ist aber methodisch schwerer zu messen und politisch umstrittener.

Abbildung 4
Gender Pay Gap Deutschland 2010–2025 — unadjustiert (%)
Stundenlohn Frauen vs. Männer, alle Beschäftigten. Gestrichelte Linie = EU-27-Durchschnitt 12,7 % (2023, Eurostat).
Quelle: Destatis Verdienststrukturerhebungen 2010–2024 (alle 4 Jahre erhoben; Zwischenwerte: eigene Schätzung MyWage Research). EU-Vergleich: Eurostat earn_gr_gpgr2.
Strukturanalyse — Warum der GPG persistent bleibt

Drei strukturelle Treiber erklären 85 % des unadjustierten GPG: (1) Branchensegregation: Frauen sind in Niedriglohnbranchen überrepräsentiert (Gesundheit, Soziales, Erziehung, Einzelhandel) — diese 4 Branchen beschäftigen 68 % weibliche Vollzeitkräfte; (2) Teilzeitquote: 47 % der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, vs. 11 % bei Männern — mit erheblichem Stundenlohnabschlag durch Stellen mit niedrigeren Qualifikationsanforderungen; (3) Führungspositions-Gap: Frauen stellen nur 29 % der Führungspositionen in DAX-40-Unternehmen (Stand 2025) — High-Income-Stellen, die den Durchschnitt stark anheben.

Mindestlohn 2026: Von 8,50 € auf 13,90 € — Revolution von unten


Die Geschichte des deutschen Mindestlohns ist eine der schnellsten Lohninterventionen in der OECD-Geschichte: In elf Jahren hat sich der Mindestlohn von 8,50 € (2015) auf 13,90 € (2026) erhöht — ein Plus von 63,5 %. Der entscheidende Bruch war Oktober 2022, als die Bundesregierung den Mindestlohn politisch auf 12,00 € anhob (außerhalb des Kommissionsverfahrens). Von der Anhebung auf 13,90 € ab Januar 2026 profitieren nach Destatis-Schätzung bis zu 4,8 Millionen Jobs (Stand 22.01.2026).

Abbildung 5
Mindestlohnentwicklung Deutschland 2015–2026 (€/Stunde)
Gesetzlicher Mindestlohn zum Stichtag Januar (außer Okt. 2022). Blau = Kommissionsbeschluss, Rot = politische Sonderanhebung.
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Mindestlohnkommission 2024/2026.
Politische Einordnung

Mindestlohn vs. Tariflohn-Deckungsgrad: Der Mindestlohn wirkt nur dort, wo kein höherer Tariflohn gilt. In Deutschland sind 2025 nur noch 43 % der Beschäftigten durch allgemeinverbindliche Tarifverträge abgedeckt (1990: 80 %). In diesem Kontext ist der Mindestlohn kein Supplement, sondern für Millionen Arbeitnehmer die primäre Lohnschutzschiene. Seine Kaufkraftentwicklung: Real lag der Mindestlohn 2025 trotz aller Anhebungen nur 8 % über seinem Einführungswert 2015 — die Inflation hat den Löwenanteil der nominalen Zuwächse aufgezehrt.

Nettogehaltsrechner 2026 — Was bleibt wirklich?


Deutschland gehört zu den am höchsten besteuerten Ländern in der OECD — ein Alleinverdiener-Paar mit Durchschnittseinkommen zahlt laut OECD-Taxing Wages 2025 eine Gesamtabgabenquote von 49,2 %. Der interaktive Rechner berechnet das monatliche Nettogehalt auf Basis der §32a EStG-Progressionsformel 2026 und der aktuellen Sozialversicherungsbeiträge.

Nettogehaltsrechner 2026

Berechne dein monatliches Nettogehalt nach §32a EStG 2026 und SV-Beiträgen. KV 8,75 %, RV 9,3 %, ALV 1,3 %, PV 1,8 % (mit Kindern) / 2,4 % (kinderlos). Kein Steuerberatungsersatz.

4.000 €
−621 €
Sozialversicherung
−540 €
Lohnsteuer + Soli
2.839 €
Nettogehalt
Effektive Abgabenquote: 29,0 %. SV 15,5 %, Lohnsteuer+Soli 13,5 %.

BBG KV/PV: 5.812,50 €/Mon. · BBG RV/ALV: 8.450 €/Mon. · Grundfreibetrag 2026: ca. 12.348 €. Kirchensteuer und individuelle Freibeträge nicht berücksichtigt.

Deep Dive — MyWage Plattformdaten: Reale Lohnspannen in Deutschland


MyWage Proprietäre Daten · 47.000+ Nutzer · 2024–2026
Der Median täuscht: Ein Drittel der MyWage-Nutzer verdient unter 2.500 € brutto
Aggregierte Selbstauskunft-Daten über die MyWage-Plattform ergeben ein differenzierteres Bild der deutschen Lohnrealität als amtliche Statistiken — mit deutlichem Linksüberhang in der Verteilung.

Offizielle Lohnstatistiken basieren auf Sozialversicherungsdaten, die Vollzeitäquivalente bevorzugen und Teilzeit, Minijobs und informelle Einkommensbestandteile strukturell unterschätzen. Die MyWage-Plattformdaten zeigen: Der Median-Nutzer gibt ein Bruttogehalt von 3.450 €/Monat an — deutlich unter dem Destatis-Vollzeitdurchschnitt von 4.784 € (April 2025). Die Differenz erklärt sich durch den überproportionalen Anteil an Teilzeitkräften, Berufseinsteigern und weiblichen Nutzerinnen (58 % der Nutzer).

3.450 €
Median-Bruttogehalt
MyWage-Nutzer 2025
vs. Destatis-Vollzeit-Ø 4.784 €
34 %
Nutzer unter 2.500 € brutto
Strukturell vom Tariflohnwachstum
wenig profitierend
+12 %
Nutzer mit Gehaltserhöhung
2024–2025 — Mehrheit ohne
Lohnrunde im Berichtsjahr

Lohnmobilität: Wer bekommt wirklich mehr?

Nur 12 % der MyWage-Nutzer berichten von einer Gehaltserhöhung im Zeitraum 2024–2025. Die Mehrheit erlebte keine Veränderung oder keine nominale Erhöhung — was bei +2,2 % VPI einem realen Rückgang entspricht. Besonders betroffen: Nutzer ohne Tarifbindung (58 % der Stichprobe), Nutzer in Klein- und Kleinstunternehmen (< 10 MA) und Nutzer in strukturschwachen Regionen. Der Befund unterstreicht die systemische Bedeutung von Tarifbindung und Mindestlohn als Lohnbodengarantien.

Hinweis — Datengrenzen

MyWage-Daten basieren auf freiwilliger Selbstauskunft (n = 47.000+). Befunde als Trendindikator, nicht als repräsentative Totalerhebung zu interpretieren.

Strategische Implikationen: Handlungsfelder für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Politik


Die Datenlage 2026 zeichnet ein klares Bild: Das strukturelle Lohngefälle nach Branche, Region und Geschlecht ist kein vorübergehendes Konjunkturphänomen, sondern Ausdruck tiefer institutioneller Weichenstellungen. Drei strategische Handlungsfelder leiten sich ab.

Arbeitnehmer
Branchenmobilität und Qualifikation als Haupthebel

Die Branchen-Lohnschere ist so groß wie nie: rund 2.950 € Monatsgefälle zwischen Information/Kommunikation und Gastgewerbe (Destatis, April 2025). Gezielte Qualifikationsmaßnahmen in Richtung IT, Finanz und Energiesektor liefern den stärksten Lohnimpuls — stärker als Betriebs- oder Regionalwechsel. Weiterbildungsprämien (bis 2.500 € p.a., BMBF 2026) sind strukturell untergenutzt: Nur 8 % der Anspruchsberechtigten haben sie abgerufen.

Arbeitgeber & HR
Lohntransparenz als Bindungsinstrument

Das geplante EU-Lohntransparenzgesetz (Umsetzungsfrist 2026) verpflichtet Unternehmen ab 100 Mitarbeitern zu Gehaltsberichten und schafft Auskunftsrechte. Unternehmen, die proaktiv auf Transparenz setzen, berichten 18 % höhere Retention-Raten in Zielgruppen. Der GPG als Reputationsrisiko: 41 % der Bewerber geben 2026 an, Gehaltstransparenz als Entscheidungskriterium zu gewichten.

Politik & Regulierung
Tarifbindung als strategische Priorität

Nur 43 % der Beschäftigten unterliegen 2025 einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag (1990: 80 %). Die Erosion der Tarifbindung ist der wichtigste strukturelle Treiber der Lohnungleichheit. Modelle wie die österreichische Allgemeinverbindlichkeitserklärung (Tarifbindungsquote: >95 %) zeigen, dass höhere Bindungsquoten mit niedrigerem GPG, niedrigeren Niedriglohnquoten und höherer Binnennachfrage korrelieren.

Methodik und Datengrundlage

Nominallohnindex und Reallohnindex: Destatis Fachserie 16, Reihe 2.3 (Verdienstindizes); VPI: Destatis Fachserie 17, Reihe 7. Branchendaten: Destatis Verdiensterhebung April 2025 (arithmetisches Mittel, Vollzeit, ohne Sonderzahlungen). Regionaldaten: Destatis, Jahresdurchschnitt 2025, früheres Bundesgebiet / neue Länder. Gender Pay Gap: Destatis Fachserie 16, Reihe 2.6 (Verdienststrukturerhebung; vierjährlich; Zwischenwerte: eigene Schätzung auf Basis Mikrozensusdaten). Mindestlohn: BMAS / Mindestlohnkommission. Proprietäre Daten: Selbstauskunft MyWage-Plattformnutzer (n = 47.000+; 2024–2026; anonymisiert, aggregiert nach PLZ-Cluster). Alle Eurostat-Vergleichswerte: earn_gr_gpgr2, earn_mw_cur (letzter Zugriff Juni 2026).

Quellenverzeichnis


  • Destatis: Bruttomonatsverdienste nach Wirtschaftsabschnitten, Stichmonat April 2025 (Stand 09.01.2026). destatis.de
  • Destatis: Durchschnittliche Bruttomonatsverdienste, Zeitreihe West/Ost (Stand 01.04.2026). destatis.de
  • Destatis: Mindestlohnerhöhung betrifft bis zu 4,8 Millionen Jobs (PM 22.01.2026). destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Verdienstindizes: Verdienststatistik (Fachserie 16, Reihe 2.3). Wiesbaden, 2025. destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Verdienststrukturerhebung 2023 — Ergebnisse für Deutschland. Wiesbaden, 2025.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Gender Pay Gap 2024: Frauen verdienten 16 % weniger als Männer. Pressemitteilung Nr. 097 / 2025. destatis.de
  • WSI-Tarifarchiv (Hans-Böckler-Stiftung): WSI-Lohntrend 2025 — Tariflohnentwicklung. Düsseldorf, 2025. wsi.de
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Mindestlohn — Sechster Beschluss der Mindestlohnkommission 2026. Berlin, 2024. bmas.de
  • Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): IAB-Arbeitsmarktbericht 2025. Nürnberg, 2025. iab.de
  • Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2026 — Lohn- und Preisentwicklung. Frankfurt, 2026. bundesbank.de
  • Eurostat: Gender pay gap in unadjusted form (earn_gr_gpgr2). Luxembourg, 2024. eurostat.ec.europa.eu
  • OECD: Taxing Wages 2025 — Germany. Paris, 2025. oecd.org
  • MyWage GmbH (intern): Aggregierte Gehaltsangaben MyWage-Plattformnutzer nach PLZ-Cluster. Berlin, 2024–2026. Nicht publiziert.
Lohnentwicklung Reallohn Gender Pay Gap Mindestlohn 2026 Branchenspaltung Ost-West-Disparität Kaufkraft Tariflohn
HinweisKreditaufnahme kostet Geld.