Was ist POSTIDENT-Betrug?
POSTIDENT ist das meistgenutzte Identitätsprüfungsverfahren in Deutschland. Banken, Kreditinstitute und andere regulierte Anbieter setzen es ein, um sicherzustellen, dass ein Kreditantragsteller tatsächlich die Person ist, die sie zu sein behaupten. Das Verfahren funktioniert entweder in einer Postfiliale mit einem Ausweis in der Hand oder digital über Video-Ident von zu Hause.
Beides kann missbraucht werden – und wird es. Das Bundeskriminalamt hat in seinem Lagebericht zur Internetkriminalität 2024 eine deutliche Zunahme von Identitätsbetrug bei Kreditanträgen verzeichnet. Die häufigsten Varianten:
- Gestohlene Ausweisdaten: Daten aus gehackten Datenbanken, Phishing-Kampagnen oder dem Darknet werden genutzt, um einen Kreditantrag zu stellen.
- Erschlichene Identitätsverifizierung: Das Opfer wird durch Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu gebracht, eine Video-Ident-Sitzung zu starten – angeblich für einen Gewinn, eine Prämie oder einen anderen Kredit.
- Mietung von Identitäten: Finanziell notleidende Personen werden dazu verleitet, ihre Ausweise gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen – was selbst eine Straftat ist.
Wie der Betrug abläuft
Ablaufschema: Video-Ident-Erschleichung
Dokumentierte Fälle mit BaFin-Bezug
Besonders perfide: die „Geldkurier"-Masche
Eine Unterform des Identitätsmissbrauchs, die 2024 stark zugenommen hat und im BKA-Lagebericht eigens erwähnt wird: Täter suchen über Kleinanzeigen nach sogenannten „Geldkurieren". Den Opfern wird erklärt, sie müssten nur ein Konto eröffnen oder einen Kredit aufnehmen und das Geld dann weiterleiten – als angeblicher Dienstleisterjob für 100 bis 200 Euro Provision.
Das ist kein Kavaliersdelikt. Wer so handelt, ist Geldwäsche nach § 261 StGB schuldig – und haftet für den Kredit persönlich, da er ihn ja selbst abgeschlossen hat. Die Opfer verlieren oft sowohl das Geld als auch ihre Kreditwürdigkeit.
⚠️ Warnsignale für laufenden Identitätsmissbrauch
- Inkassoschreiben für Schulden, von denen du nichts weißt.
- Unbekannte SCHUFA-Einträge bei der nächsten Selbstauskunft.
- Du wirst um eine Video-Ident-Sitzung gebeten, ohne selbst einen Kredit beantragt zu haben.
- Jemand fragt, ob du gegen Bezahlung einen Kredit aufnehmen würdest.
- Ausweisfoto oder -daten wurden für ein angeblich anderes Zweck angefragt (Gewinnspiel, Job, Prämie).
So schützt du dich – konkret
Identitätsmissbrauch lässt sich nicht vollständig verhindern, aber das Risiko deutlich reduzieren. Die wichtigsten Maßnahmen:
- SCHUFA-Selbstauskunft regelmäßig anfordern: Einmal jährlich kostenlos auf meineschufa.de. Unbekannte Einträge sofort anfechten.
- Ausweisdaten nie ungefragt versenden: Kein seriöser Arbeitgeber, kein Gewinnspiel und kein legitimer Online-Dienst braucht ein Ausweisfoto über WhatsApp.
- Video-Ident nur bei eigenem Antrag starten: Wenn dich jemand bittet, für ihn oder „gemeinsam" eine Identitätsprüfung durchzuführen – immer ablehnen.
- Phishing-Mails erkennen: Nie auf Links klicken, die zu Ausweisfotos oder Video-Ident-Seiten führen, ohne dass du selbst einen Antrag gestellt hast.
Sofort-Checkliste nach Verdacht auf Identitätsmissbrauch
✓ Das musst du sofort tun
🚨 Bei akutem Identitätsmissbrauch: Diese Stellen helfen
- Polizei (Online-Wache): Anzeige erstatten unter der Online-Wache deines Bundeslandes. Bewahrt alle Belege.
- SCHUFA: Widerspruch gegen unberechtigte Einträge über meineschufa.de. Die SCHUFA ist gesetzlich verpflichtet, falsche Daten zu löschen.
- Verbraucherzentrale: Kostenlose Rechtsberatung zu Haftungsfragen; manche VZ-Büros haben eigene Betrugsberatungsstellen.
- BaFin (verbraucher@bafin.de): Wenn der Betrug über ein nicht-lizenziertes Institut lief, ist eine BaFin-Meldung wichtig für die Warnliste.
- Rechtsanwalt: Bei Forderungen über 1.000 Euro ist anwaltliche Begleitung dringend empfohlen. Viele Kanzleien bieten kostenlose Erstgespräche.