💰 Vorkasse-Warnung

Vorkasse bei Krediten: Warum das immer Betrug ist

Kein seriöser Kreditgeber verlangt Geld, bevor er eines ausgezahlt hat. Das ist in Deutschland gesetzlich verboten – und trotzdem verlieren jedes Jahr Tausende Menschen Geld an diese Masche. Wie sie abläuft, warum sie so gut funktioniert und was du nach einer Zahlung tun kannst.

§ 655d BGB: Vorkasse verboten
∅ 380 € Durchschn. Schaden/Opfer
BaFin Primärquelle
Rechtlicher Hinweis: Die aufgeführten Fälle basieren auf öffentlichen BaFin-Verdachtsmitteilungen gemäß § 37 Abs. 4 KWG. Es handelt sich um Verdachtslagen – keine rechtskräftigen Urteile.

Das Gesetz ist eindeutig – und wird trotzdem gebrochen

§ 655d des Bürgerlichen Gesetzbuches ist unmissverständlich: Kreditvermittler dürfen vor der tatsächlichen Auszahlung eines Kredits keine Provision und keine sonstigen Vergütungen verlangen. Das gilt unabhängig davon, wie die Zahlung bezeichnet wird – ob als „Bearbeitungsgebühr", „Schutzversicherung", „Aktivierungsbeitrag" oder „Treuhandgebühr".

Trotzdem ist die Vorkasse-Masche im Bereich unseriöser Kreditangebote nach wie vor die am häufigsten dokumentierte Betrugsform. Sie funktioniert, weil sie gezielt Menschen anspricht, die bereits abgelehnt wurden – von Banken, wegen Schufa-Einträgen, wegen prekärem Einkommen. Wer verzweifelt ist, prüft weniger.

Wichtig: Das Verbot gilt nicht nur für den Kreditgeber selbst, sondern auch für alle zwischengeschalteten Vermittler, Berater und „Agenten". Der klassische Satz „Wir vermitteln nur – das Geld geht an die Bank" ist eine häufige Schutzbehauptung, die vor Gericht nicht zieht.

Wie die Vorkasse-Masche abläuft – Schritt für Schritt

Die Masche hat sich über Jahre kaum verändert, weil sie funktioniert. Das typische Ablaufschema:

Typisches Ablaufschema einer Vorkasse-Falle

1
Verlockende Werbung: Suchmaschinenwerbung oder Social-Media-Post verspricht „Kredit ohne Schufa, sofortige Zusage, 1.000–50.000 €". Oft sind die Anzeigen optisch professionell gestaltet.
2
Schnelle Zusage: Nach einem kurzen Online-Formular kommt eine Zusage per E-Mail oder SMS – manchmal innerhalb von Minuten. Das soll Seriösität vortäuschen.
3
Die Forderung: Vor Auszahlung wird eine Gebühr verlangt – für Bearbeitung, Versicherung, Notar, Treuhand oder „Aktivierung". Beträge typischerweise zwischen 49 und 799 Euro.
4
Bezahlung: Häufig per Überweisung auf ein ausländisches Konto, per Paysafecard, Kryptowährung oder Sofortüberweisung. Diese Zahlungswege erscheinen absichtlich – sie sind schwer zurückzuholen.
5
Verschwinden: Nach der Zahlung bricht der Kontakt ab. Telefon nicht erreichbar, E-Mails kommen zurück, Website offline. Der Kredit kommt nie.

Varianten: Mit diesen Bezeichnungen wird die Gebühr getarnt

Besonders trickreich ist, dass die Betreiber die Vorkasse nicht als „Vorausgebühr" bezeichnen. Typische Begriffe, unter denen sie auftritt:

  • Kreditversicherung / Restschuldversicherung: Angeblich Pflicht, um den Kredit abzusichern – angeblich über einen Drittanbieter.
  • Notar- oder Beurkundungsgebühr: Besonders bei angeblich größeren Kreditsummen. Es gibt keinen echten Notar.
  • Treuhandgebühr: Das Geld gehe angeblich auf ein Treuhandkonto. In Wirklichkeit direkt an die Betrüger.
  • Aktivierungsgebühr / Kontoführungsgebühr: Für die „Eröffnung" des Kreditkontos, ohne das keine Auszahlung möglich sei.
  • Steuer- oder Zollgebühr: Bei angeblichen Auslandskrediten (z. B. aus den USA oder Großbritannien) wird behauptet, die Kreditsumme müsse durch den deutschen Zoll freigegeben werden – kostenpflichtig.
🏛️ BaFin Verdachtsfall · Belegstärke A
sofortkreditplus.com – Treuhandgebühr-Variante, aktiv seit Sommer 2024
Der Anbieter bewarb Kredite von bis zu 75.000 Euro „für Antragsteller mit negativem Schufa-Eintrag". Vor der Auszahlung wurde eine „Treuhandgebühr von 1,5 % des Kreditbetrags" verlangt, die auf ein Konto in Bulgarien überwiesen werden sollte. Die BaFin hat sofortkreditplus.com im August 2024 in ihre Warnliste aufgenommen und festgestellt, dass keine Erlaubnis für das Einlagen- oder Kreditgeschäft vorliegt. Nach Einzahlungen war der Anbieter für Opfer nicht mehr erreichbar.
Quelle: BaFin Aktuelle Warnungen · Stand: August 2024
🏛️ BaFin Verdachtsfall · Belegstärke A
Moj Finances Group – Serienbetrüger mit wechselnden Domains, 2023–2025
Die Moj Finances Group betrieb nach BaFin-Erkenntnissen zwischen 2023 und 2025 mindestens sieben verschiedene Websites, darunter kreditportal24.eu und finanz-easy.de. Die Masche war stets dieselbe: Kredit-Sofortzusage, danach Vorkasse-Forderung über Paysafecard. Die BaFin hat mehrere der Domains gelistet und warnt, dass nach Abschaltung regelmäßig neue Domains desselben Betreiberkreises auftauchten. Mehrere Strafanzeigen sind gestellt; das BKA führt Ermittlungen.
Quelle: BaFin Aktuelle Warnungen · Stand: Januar 2025

Warum Opfer zahlen: die Psychologie dahinter

Es ist leicht, im Nachhinein zu urteilen. Tatsächlich ist die Vorkasse-Masche gut auf die Zielgruppe abgestimmt. Wer einen negativen Schufa-Eintrag hat und dringend Geld braucht – für eine Mietkaution, eine Autoreparatur, einen überraschenden Arzttermin –, steht unter echtem Druck.

Dazu kommt: Die Betrüger bauen bewusst Vertrauen auf. Echte Firmennamen, professionelle Websites, manchmal sogar Telefonate mit „Kundenbetreuern". Eine erste E-Mail mit Vertragsunterlagen, die echt aussehen. Erst dann kommt die Gebühr – und zu dem Zeitpunkt hat der Betroffene bereits Zeit, Hoffnung und Energie investiert.

Das ist kein Zufall. Es ist Taktik. Und es ist auch der Grund, warum der Schuldvorwurf gegenüber Opfern fehl am Platz ist.

Warnsignale, die du vor jeder Anfrage kennen solltest

⚠️ Sichere Anzeichen für Vorkasse-Betrug

  • Jede Gebühr, Versicherung oder Zahlung vor der Kreditauszahlung – egal wie sie benannt wird.
  • Kredit-Zusage kommt, bevor Unterlagen geprüft wurden.
  • Zahlung soll per Kryptowährung, Paysafecard oder ausländische Überweisung erfolgen.
  • Anbieter hat kein Impressum oder kein deutsches Handelsregister.
  • BaFin-Datenbank kennt den Anbieter nicht – keine Lizenz für Kredit- oder Einlagengeschäft.
  • Zeitdruck: „Angebot verfällt in 24 Stunden" oder „nur noch 3 Plätze verfügbar".
  • Kontakt ausschließlich über eine anonyme E-Mail-Adresse oder Messenger.

Vor jeder Kreditanfrage: fünf Minuten Sicherheits-Check

✓ So erkennst du seriöse Kreditanbieter

BaFin-Datenbank prüfen: bafin.de/datenbank – Anbieter ohne Eintrag hat keine Erlaubnis.
Impressum mit vollständiger Adresse und Handelsregisternummer vorhanden.
Effektiver Jahreszins wird klar im Angebot genannt (Pflicht nach PAngV).
Keinerlei Zahlung vor Kreditauszahlung – keine Ausnahme.
Keine Unterzeichnung von Verträgen über unsichere Kanäle (WhatsApp-PDF, E-Mail-Anhang ohne qualifizierte Signatur).

Ich habe bezahlt – was jetzt?

Wenn du bereits eine Vorauszahlung geleistet hast, sind schnelle Reaktionen entscheidend:

  1. Bank sofort kontaktieren: Lass die Zahlung zurückbuchen. Bei Überweisung ist das bei nationalen Zahlungen oft noch möglich, wenn sie noch nicht verarbeitet wurde. Bei SEPA-Überweisungen hast du 13 Monate Erstattungsrecht bei unautorisierter Nutzung.
  2. Alle Belege sichern: Screenshots der Website, E-Mails, SMS, Überweisungsbeleg, Vertragsdokumente – alles davon wird für die Anzeige gebraucht.
  3. Anzeige erstatten: Online-Wache des Bundeslandes oder nächste Polizeidienststelle. Ohne Anzeige werden Serientäter nicht ermittelt.
  4. BaFin informieren: E-Mail an verbraucher@bafin.de. Die BaFin ergänzt ihre Warnliste auch auf Basis von Verbrauchermeldungen.
  5. Verbraucherzentrale konsultieren: Die Verbraucherzentrale bietet kostenlose Erstberatung auch zu Rückforderungsansprüchen an.

Häufige Fragen

Was Betroffene zu Vorkasse-Kredit-Betrug wissen wollen

Ja, eindeutig. § 655d BGB verbietet Kreditvermittlern ausdrücklich, vor der tatsächlichen Kreditauszahlung eine Vergütung zu verlangen. Das gilt für alle Bezeichnungen – Bearbeitungsgebühr, Versicherungsprämie, Treuhandgebühr oder Aktivierungsbeitrag. Wer das dennoch tut, begeht eine Ordnungswidrigkeit und in aller Regel einen Betrug nach § 263 StGB.
Manchmal ja – vor allem bei SEPA-Überweisungen, die noch nicht verarbeitet wurden. Kontaktiere sofort deine Bank und bitte um Rückbuchung. Bei bereits verarbeiteten Überweisungen ist eine Rückholung schwieriger, aber möglich, wenn du schnell Anzeige erstattest. Zahlungen per Kryptowährung oder Paysafecard sind nahezu nicht rückholbar – genau deshalb bevorzugen Betrüger diese Wege.
Weil es technisch einfach und kostengünstig ist, eine neue Domain zu registrieren und eine neue Website aufzusetzen. Serientäter wie die dokumentierte Moj-Finances-Gruppe betreiben mehrere Domains gleichzeitig und wechseln nach BaFin-Listungen einfach auf eine neue. Die BaFin kann warnen und untersagen – verfolgt werden die Täter aber nur durch Staatsanwaltschaften, was bei international operierenden Gruppen aufwendig ist.
Eine legitime Kreditvermittlungsgebühr darf erst nach und infolge der tatsächlichen Kreditauszahlung erhoben werden. Sie muss im Vermittlungsvertrag klar ausgewiesen sein und ist auf den Kreditbetrag angerechnet. Seriöse Vermittler wie Smava, Auxmoney oder Finanzcheck verdienen ihre Provision von der Bank, nicht vorab vom Verbraucher.
Ja, unbedingt. Ohne Anzeigen laufen diese Betrüger ungestört weiter. Staatsanwaltschaften ermitteln nur bei Strafanzeige – und gerade bei Serientätern haben gebündelte Anzeigen mehrerer Opfer deutlich mehr Gewicht. Außerdem: Deine Anzeige kann als Beweis in zivilrechtlichen Rückforderungsverfahren dienen.

Kein Cent vor der Auszahlung.

FLORIN+ verlangt keine Vorkasse, keine Aktivierungsgebühr und kein Versicherungsprodukt als Voraussetzung. Alle Kosten stehen vor dem Abschluss schwarz auf weiß.

Jetzt kostenlos beantragen →