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SCHUFA & Bonität

SCHUFA-Urteile 2025/26: Was du jetzt konkret fordern kannst

2025 war ein Wendejahr für das SCHUFA-System — und 2026 baut darauf auf.

Inhalt

Das Wesentliche in 30 Sekunden

Schnellübersicht für eilige Leser

  • Das EuGH-Urteil (Feb. 2025): Scoring als verbotene Einzelentscheidung
  • LG Bayreuth (April 2025): 3.000 € Schadensersatz – das Präzedenzfall-Urteil
  • LG Bamberg (März 2025): Automatisiertes Scoring für rechtswidrig erklärt
  • OLG Köln (April 2025) vs. BGH (Dez. 2025): Speicherfristen-Streit und was du jetzt noch fordern kannst
  • NEU — BGH 11.06.2026: SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso sind kein Verzugsschaden (VII ZR 93/25 + 96/25)
  • Neuer SCHUFA-Score 2026: Was sich konkret geändert hat
  • Deine Checkliste: Was du jetzt tun kannst

2025 war ein Wendejahr für das SCHUFA-System — und 2026 baut darauf auf. EuGH, BGH und Landgerichte haben Praktiken gekippt, die jahrzehntelang als Standard galten. Im Juni 2026 kam der vorerst letzte Baustein: Der BGH hat entschieden, dass SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso kein Verzugsschaden sind. Was du jetzt konkret tun kannst — auf schnelle Datenlöschung und auf Schadensersatz.

Was steckt hinter den Urteilen? Welche Konsequenzen hat das für deinen Alltag? Und wie setzt du deine neuen Rechte konkret durch? FLORIN+ erklärt es – klar und praxisnah.

4
Wegweisende Urteile innerhalb von 3 Monaten (Feb–April 2025)
3.000 €
Höchster zugesprochener Schadensersatz (LG Bayreuth)
ab 17.3.2026
Neues SCHUFA-Scoring-System mit 12 transparenten Kriterien

Interaktiv · 5 Urteile 2025/2026

Welche SCHUFA-Urteile zählen für dich?

Wähle deine Situation — der Finder zeigt die relevanten Entscheidungen mit Aktenzeichen und konkreter Handlungsempfehlung.

5 von 5 Urteilen

EuGH27.02.2025

Recht auf verständliche Erklärung deines Scores

Rechtssache C-203/22 · Dun & Bradstreet Austria

Betroffene haben nach Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO Anspruch auf eine verständliche Erklärung, wie ein automatisiertes Scoring zustande kommt. Der bloße Verweis auf den Algorithmus genügt nicht.

Verlange eine nachvollziehbare Erklärung deines Scores.
LG Bamberg26.03.2025

Automatisiertes Scoring rechtswidrig — 1.000 € Schadensersatz

Az. 41 O 749/24 KOIN

Scoring ohne menschliche Beteiligung verstößt gegen Art. 22 DSGVO. Dem Kläger wurden 1.000 € immaterieller Schadensersatz zugesprochen — ohne Nachweis eines konkreten Vermögensschadens.

Schadensersatz auch ohne finanziellen Einzelnachweis möglich.
LG Bayreuth29.04.2025

3.000 € Schadensersatz + Offenlegungspflicht

Az. 31 O 593/24

Höchster bislang zugesprochener Betrag: 3.000 € wegen intransparenter Score-Berechnung. Die SCHUFA muss offenlegen, welche Daten wie gewichtet in den Score einfließen.

Bei intransparentem Score Offenlegung + Schadensersatz prüfen.
BGH18.12.2025

Keine pauschale Sofortlöschung — aber Einzelfallabwägung

Az. I ZR 97/25 · hebt OLG Köln 15 U 249/24 auf

Die 3-Jahresfrist für erledigte Negativeinträge ist grundsätzlich zulässig. Eine sofortige Löschung nach Zahlung gibt es nicht pauschal — wohl aber kann im Einzelfall eine kürzere Speicherung verlangt werden.

Bei besonderen Umständen kürzere Speicherung individuell begründen.
BGHNeu11.06.2026

SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso sind kein Verzugsschaden

Az. VII ZR 93/25 + VII ZR 96/25

Holt ein Inkasso-Dienstleister vor Klageerhebung eine SCHUFA-Bonitätsauskunft ein, darf er die Kosten (im Fall 1,35 € bzw. 1,61 €) nicht dem Schuldner aufbürden.

SCHUFA-/Bonitäts-Position in der Inkasso-Rechnung zurückweisen.

1. Das EuGH-Urteil: Dein Score ist keine bloße Zahl mehr #

Am 27. Februar 2025 fällte der Europäische Gerichtshof (EuGH) ein Grundsatzurteil, das die SCHUFA-Praxis von Grund auf hinterfragt (Rechtssache C-203/22). Der Kern: Wenn eine Bank einen Kredit ausschließlich oder maßgeblich aufgrund des SCHUFA-Scores ablehnt – ohne eigenständige Prüfung –, handelt es sich um eine verbotene automatisierte Einzelentscheidung im Sinne von Art. 22 DSGVO.

2. LG Bayreuth: 3.000 € Schadensersatz – das neue Präzedenzfall-Urteil #

Das wohl aufsehenerregendste Urteil des Jahres fällte das Landgericht Bayreuth am 29. April 2025 (Az. 31 O 593/24). Eine Verbraucherin hatte wegen eines intransparent berechneten Bonitätsscores mehrfach Kreditablehnungen erhalten. Das Gericht sprach ihr 3.000 Euro immateriellen Schadensersatz zu.

3. LG Bamberg: Automatisiertes Scoring für rechtswidrig erklärt #

Nur einen Monat zuvor, am 26. März 2025, war das Landgericht Bamberg (Az. 41 O 749/24 KOIN) zu einem ähnlichen Schluss gekommen und hatte die automatisierte Bonitätsbewertung der SCHUFA als rechtswidrig eingestuft – mangels menschlicher Entscheidungsbeteiligung. Dem Kläger wurden 1.000 Euro Schadensersatz zugesprochen.

LG Bamberg – Urteil und Bedeutung für Verbraucher
Urteil LG BambergBedeutung für Verbraucher
SCHUFA-Scoring ohne menschliche Kontrolle = Verstoß gegen DSGVO. 1.000 € Schadensersatz zugesprochen. Kein Nachweis eines konkreten Vermögensschadens erforderlich. Wer Kreditablehnungen auf Basis des SCHUFA-Scores erlitten hat und nachweisen kann, dass keine individuelle Prüfung stattfand, kann Klage auf Schadensersatz prüfen lassen.

4. Speicherfristen-Streit: OLG Köln vs. BGH – und was du trotzdem fordern kannst #

Das Thema Datenlöschung nach Schuldenbegleichung sorgte 2025 für den kontroversesten Rechtsstreit im SCHUFA-Recht. Das Oberlandesgericht Köln urteilte im April gegen die pauschale 3-Jahresfrist – und wurde wenige Monate später vom Bundesgerichtshof korrigiert.

5. BGH 11.06.2026: SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso — kein Verzugsschaden #

Mit zwei Parallelurteilen hat der VII. Zivilsenat des BGH am 11. Juni 2026 entschieden: Wenn ein Inkasso-Dienstleister vor Klageerhebung eine SCHUFA-Bonitätsauskunft einholt und die Kosten dem Schuldner in Rechnung stellt, ist das grundsätzlich kein ersatzfähiger Verzugsschaden nach §§ 280, 286 BGB.

Weiterführende Ressourcen auf florinplus.de:

6. Der neue SCHUFA-Score 2026: Was sich wirklich geändert hat #

Parallel zu den Urteilen hat die SCHUFA ihr eigenes System überarbeitet. Seit dem 17. März 2026 gilt eine neue Score-Skala – vermutlich auch als Reaktion auf den wachsenden rechtlichen Druck.

Neue Skala: 100 bis 999 Punkte

12 transparente Kriterien statt Blackbox

Erstmals kommuniziert die SCHUFA öffentlich, welche 12 Faktoren in den Score einfließen – darunter Zahlungshistorie, Kreditauslastung, Kontoeröffnungen und Anfrageverhalten. Im SCHUFA-Account können Verbraucher über ein Erklär-Tool nachvollziehen, wie stark einzelne Kriterien ihren Score beeinflussen.

Alt vs. Neu: SCHUFA-Score im Vergleich
MerkmalAlter Score (bis März 2026)Neuer Score (ab März 2026)
Skala0–100 % (Ausfallwahrscheinlichkeit)100–999 Punkte (je höher, desto besser)
KriterienNicht öffentlich kommuniziert12 konkrete Faktoren öffentlich benannt
ErklärbarkeitKaum möglichErklär-Tool im SCHUFA-Account
BranchenscoresSeparate Scores für Bank, Handel etc.Einheitlicher Score, Branchengewichtung intern
Rechtliche BasisEuGH-Druck ab 2023Direkte Reaktion auf EuGH-Urteile 2025

7. Was du jetzt konkret tun kannst – deine Checkliste #

  • Kostenlose Datenkopie anfordern

    Gehe auf meineSCHUFA.de → „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO" – kostenlos, sofort, jederzeit.

  • Alle Einträge auf Richtigkeit prüfen

    Jede Zeile: Name, Gläubiger, Datum, Betrag, Status (erledigt/offen?). Falsche oder veraltete Einträge sind häufiger als gedacht.

  • Bezahlte Schulden melden und Einzelfall prüfen

    Schicke den Zahlungsbeleg per Einschreiben an die SCHUFA. Die 3-Jahresfrist ist grundsätzlich zulässig (BGH 2025) – aber bei besonderen Umständen kannst du eine kürzere Speicherung verlangen. Fehlerhafte Einträge kannst du immer nach Art. 16/17 DSGVO anfechten.

  • Kreditablehnung anfechten

    Wurde dir ein Kredit ausschließlich aufgrund des Scores abgelehnt? Frage die Bank, ob eine menschliche Prüfung stattgefunden hat. Wenn nicht: Antrag auf menschliche Überprüfung nach Art. 22 Abs. 3 DSGVO stellen.

  • Schadensersatz prüfen lassen

    Hast du durch fehlerhafte oder intransparente Scores Kreditablehnungen oder finanzielle Nachteile erlitten? Verbraucherzentrale oder Rechtsanwalt um Einschätzung bitten.

  • Beschwerde bei Aufsichtsbehörde einreichen

    Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) ist zuständig für die SCHUFA. Kostenlose Beschwerde möglich: datenschutz.hessen.de

Dein SCHUFA-Aktionsplan in 5 Schritten

So setzt du deine Rechte durch – Schritt für Schritt.

  1. Datenkopie anfordern — meineSCHUFA.de → „Datenkopie Art. 15 DSGVO", kostenlos.
  2. Fehler & veraltete Einträge markieren — jede Zeile prüfen: Datum, Betrag, Status korrekt?
  3. Fehler schriftlich anfechten — per Einschreiben + Beleg; die SCHUFA hat 30 Tage zur Antwort (Art. 16/17 DSGVO).
  4. Score-Neuberechnung verlangen — nach jeder Löschung explizit neu berechnen lassen.
  5. Bei Ablehnung: Beschwerde beim HBDI — datenschutz.hessen.de, kostenlose Behörde, zuständig für die SCHUFA.

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Häufige Fragen #

Gilt das EuGH-Urteil auch für bestehende Kreditablehnungen?

Rückwirkend ist das kompliziert. Für aktuelle und künftige Kreditanträge gilt das Urteil ab sofort. Ob alte Ablehnungen angefochten werden können, hängt von Verjährungsfristen und konkreten Umständen ab – Beratung durch Verbraucherzentrale empfohlen.

Muss ich einen Anwalt beauftragen, um Schadensersatz zu fordern?

Nicht zwingend. Für eine erste Einschätzung und außergerichtliche Geltendmachung reicht oft die Verbraucherzentrale. Für eine Klage solltest du einen auf Datenschutzrecht spezialisierten Anwalt hinzuziehen. Die Streitwerte (500–3.000 €) liegen oft unter dem Schwellenwert für Prozesskostenhilfe.

Hat die SCHUFA gegen die Urteile Berufung eingelegt?

Teils. Die Verfahren befinden sich noch in der Berufungsphase (Stand: Mai 2026). Das ändert nichts daran, dass du deine Rechte nach DSGVO schon jetzt geltend machen kannst – unabhängig vom Ausgang der SCHUFA-Berufungsverfahren.

Was passiert, wenn die SCHUFA meine Löschungsanfrage ablehnt?

Dann hast du mehrere Optionen: 1. Beschwerde beim Hessischen Datenschutzbeauftragten einreichen. 2. Ombudsmann der Deutschen Kreditwirtschaft kontaktieren. 3. Klage beim zuständigen Amtsgericht einreichen (Streitwert entscheidet über Instanz).

Verändert das neue Score-System von März 2026 wirklich meinen Score?

Ja, für viele Verbraucher wird der Score anders ausfallen – mal besser, mal schlechter, je nachdem welche der 12 Kriterien bei ihnen wie ausgeprägt sind. Die SCHUFA hat zugesagt, Verbraucher mit signifikant schlechterem neuen Score gesondert zu informieren.

Was gilt für Inkasso-Einträge nach der BGH-Entscheidung?

Die allgemeine 3-Jahresfrist gilt auch für Inkasso-Einträge – der BGH hat das OLG-Köln-Urteil zur sofortigen Löschung aufgehoben. Du kannst aber im Einzelfall eine kürzere Frist argumentieren (besondere Umstände) und fehlerhafte Einträge jederzeit nach Art. 16/17 DSGVO anfechten. Schicke den Tilgungsnachweis per Einschreiben an die SCHUFA und fordere eine Prüfung an.

BGH 11.06.2026 — was bedeutet das neue Inkasso-Urteil für mich?

Mit Az. VII ZR 93/25 und VII ZR 96/25 hat der BGH entschieden: SCHUFA-Auskunfts-Kosten, die ein Inkasso-Dienstleister vor Klageerhebung berechnet, sind grundsätzlich kein ersatzfähiger Verzugsschaden nach §§ 280, 286 BGB. In den Originalverfahren wurden konkret 1,35 € und 1,61 € aberkannt — Beträge, die bislang oft kommentarlos mitbezahlt wurden.

Wer eine Inkasso-Rechnung mit einer Position „SCHUFA-/Bonitätsauskunft" erhält: schriftlich widersprechen und auf die Urteile vom 11.06.2026 verweisen. Musterbrief und Detail-Analyse findest du im Spezial-Artikel zum BGH-Urteil.

Monika Bauer
Über die Autorin
Monika Bauer
Verbraucherschutz-Redakteurin, FLORIN+

Monika erklärt komplexe Verbraucherrechte und SCHUFA-/Inkasso-Themen so, dass Nicht-Juristen sie verstehen. Schwerpunkt: konkrete Zahlen + Musterbriefe statt Paragrafen-Lyrik.

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