EuGH: Score kann verbotene automatisierte Einzelentscheidung sein (C-634/21, Dez. 2023) – plus Recht auf verständliche Erklärung (C-203/22, Feb. 2025)
LG Bayreuth (April 2025): 3.000 € Schadensersatz – viel beachtet, aber nicht rechtskräftig; andere Gerichte urteilen gegenläufig
LG Bamberg (März 2025): Automatisiertes Scoring für rechtswidrig erklärt
OLG Köln (April 2025) vs. BGH (Dez. 2025): 3 Jahre Speicherung als Regel – 18 Monate, wenn du binnen 100 Tagen nach Einmeldung zahlst
NEU — BGH 11.06.2026: SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso sind kein Verzugsschaden (VII ZR 93/25 + 96/25)
Neuer SCHUFA-Score 2026: Was sich konkret geändert hat
Deine Checkliste: Was du jetzt tun kannst
2025 war ein Wendejahr für das SCHUFA-System — und 2026 baut darauf auf. EuGH und einzelne Landgerichte haben Praktiken in Frage gestellt, die jahrzehntelang als Standard galten; der BGH hat zugleich Grenzen gezogen (etwa bei den Speicherfristen), und andere Gerichte haben Klagen gegen das Scoring abgewiesen. Im Juni 2026 kam ein weiterer Baustein: Der BGH hat entschieden, dass SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso kein Verzugsschaden sind. Und es geht weiter: Am 21. Oktober 2026 verkündet der BGH ein Urteil zur Score-Transparenz, zum 20. November 2026 tritt mit § 37a BDSG eine neue gesetzliche Scoring-Regelung in Kraft (Ausblick unten). Was du jetzt konkret tun kannst — auf schnelle Datenlöschung und auf Schadensersatz.
Was steckt hinter den Urteilen? Welche Konsequenzen hat das für deinen Alltag? Und wie setzt du deine neuen Rechte konkret durch? FLORIN+ erklärt es – klar und praxisnah.
4
Wegweisende Urteile innerhalb von 3 Monaten (Feb–April 2025)
3.000 €
Schadensersatz LG Bayreuth – erstinstanzlich, nicht rechtskräftig
ab 17.3.2026
Neues SCHUFA-Scoring-System mit 12 offengelegten Kriterien und Punktwerten
21.10.2026
BGH verkündet Urteil zur Score-Transparenz (I ZR 227/25 bis 230/25) — § 37a BDSG folgt am 20.11.2026
Interaktiv · 8 Entscheidungen 2023–2026
Welche SCHUFA-Urteile zählen für dich?
Wähle deine Situation — der Finder zeigt die relevanten Entscheidungen mit Aktenzeichen und konkreter Handlungsempfehlung.
8 von 8 Einträgen
EuGH07.12.2023
Score kann automatisierte Einzelentscheidung sein
Rechtssache C-634/21 · SCHUFA Holding
Spielt der SCHUFA-Score für die Entscheidung des Vertragspartners (z. B. der Bank) eine maßgebliche Rolle, kann schon die Score-Erstellung eine automatisierte Einzelentscheidung im Sinne von Art. 22 DSGVO sein.
Bei Ablehnung nachfragen, ob ein Mensch entschieden hat.
EuGH27.02.2025
Recht auf verständliche Erklärung deines Scores
Rechtssache C-203/22 · Dun & Bradstreet Austria
Betroffene haben nach Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO Anspruch auf eine verständliche Erklärung, welche Daten wie verwendet wurden und wie sich andere Daten auf das Ergebnis ausgewirkt hätten. Der bloße Verweis auf den Algorithmus genügt nicht.
Verlange eine nachvollziehbare Erklärung deines Scores.
Scoring ohne menschliche Beteiligung verstößt gegen Art. 22 DSGVO. Dem Kläger wurden 1.000 € immaterieller Schadensersatz zugesprochen — ohne Nachweis eines konkreten Vermögensschadens.
Schadensersatz auch ohne finanziellen Einzelnachweis möglich.
LG Bayreuth29.04.2025
3.000 € Schadensersatz + Offenlegungspflicht
Az. 31 O 593/24
3.000 € wegen intransparenter Score-Berechnung; die SCHUFA soll offenlegen, welche Daten wie gewichtet in den Score einfließen. Erstinstanzlich und nicht rechtskräftig – die SCHUFA hat Berufung eingelegt.
Bei intransparentem Score Offenlegung + Schadensersatz prüfen.
OLG München23.10.2025
Gegenposition: Klage gegen das Scoring ohne Erfolg
Az. 19 U 1468/25 e (Hinweisbeschluss) · Vorinstanz LG München II, 11 O 4205/23
Das LG München II wies Ansprüche auf Feststellung der Rechtswidrigkeit, weitergehende Auskunft und Schadensersatz ab: Dass der Score Entscheidungen maßgeblich bestimmt habe, sei nicht nachgewiesen. Das OLG München kündigte an, die Berufung als aussichtslos zurückzuweisen.
Ohne Belege für Ablehnungen wegen des Scores ist eine Klage riskant.
BGH18.12.2025
Keine pauschale Sofortlöschung — aber Einzelfallabwägung
Az. I ZR 97/25 · hebt OLG Köln 15 U 249/24 auf
Die 3-Jahresfrist für erledigte Negativeinträge ist grundsätzlich zulässig. 18 Monate gelten, wenn die Forderung binnen 100 Tagen nach Einmeldung bezahlt wurde und keine weiteren Negativdaten bzw. Einträge aus Schuldnerverzeichnis oder Insolvenzbekanntmachungen vorliegen. Noch kürzer nur bei besonderen Umständen im Einzelfall.
Einmelde- und Zahlungsdatum prüfen: Gilt für dich die 18-Monats-Frist?
BGHNeu11.06.2026
SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso sind kein Verzugsschaden
Az. VII ZR 93/25 + VII ZR 96/25
Holt ein Inkasso-Dienstleister vor Klageerhebung eine SCHUFA-Bonitätsauskunft ein, darf er die Kosten (im Fall 1,35 € bzw. 1,61 €) nicht dem Schuldner aufbürden.
SCHUFA-/Bonitäts-Position in der Inkasso-Rechnung zurückweisen.
BGHAngekündigt21.10.2026
Score-Transparenz: Wie weit reicht dein Auskunftsanspruch?
Az. I ZR 227/25 bis I ZR 230/25 · Revision gegen OLG Dresden (I ZR 226/25 zurückgenommen)
Das OLG Dresden gab Betroffenen einen weitreichenden Auskunftsanspruch (Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO) inkl. Gewichtung und Aussagekraft des Scores. In der Verhandlung am 18.06.2026 deutete der BGH an, diese Linie einzuschränken. Verkündung: 21.10.2026, 8:45 Uhr.
Datenkopie schon jetzt anfordern — ab 20.11.2026 regelt § 37a BDSG ein eigenes Auskunftsrecht zum Scoring.
Für diese Situation ist hier kein Urteil hinterlegt — sieh dir die Gesamtübersicht unten an.
1. Das EuGH-Urteil: Dein Score ist keine bloße Zahl mehr #
Zwei Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bilden die Grundlage – und sie werden oft verwechselt. Das erste betrifft die Frage, ob ein Score eine verbotene automatisierte Entscheidung sein kann; das zweite, welche Erklärung dir zusteht.
2. LG Bayreuth: 3.000 € Schadensersatz – viel beachtete erstinstanzliche Entscheidung #
Eine der meistbeachteten Entscheidungen des Jahres fällte das Landgericht Bayreuth am 29. April 2025 (Az. 31 O 593/24). Eine Verbraucherin hatte wegen eines intransparent berechneten Bonitätsscores mehrfach Kreditablehnungen erhalten. Das Gericht sprach ihr 3.000 Euro immateriellen Schadensersatz zu.
3. LG Bamberg: Automatisiertes Scoring für rechtswidrig erklärt #
Nur einen Monat zuvor, am 26. März 2025, war das Landgericht Bamberg (Az. 41 O 749/24 KOIN) zu einem ähnlichen Schluss gekommen und hatte die automatisierte Bonitätsbewertung der SCHUFA als rechtswidrig eingestuft – mangels menschlicher Entscheidungsbeteiligung. Dem Kläger wurden 1.000 Euro Schadensersatz zugesprochen.
LG Bamberg – Urteil und Bedeutung für Verbraucher
Urteil LG Bamberg
Bedeutung für Verbraucher
SCHUFA-Scoring ohne menschliche Kontrolle = Verstoß gegen DSGVO. 1.000 € Schadensersatz zugesprochen. Kein Nachweis eines konkreten Vermögensschadens erforderlich.
Wer Kreditablehnungen auf Basis des SCHUFA-Scores erlitten hat und nachweisen kann, dass keine individuelle Prüfung stattfand, kann Klage auf Schadensersatz prüfen lassen.
Gegenläufige Rechtsprechung: Nicht jede Klage hat Erfolg
Bayreuth und Bamberg sind nicht die ganze Wahrheit. Das LG München II (Endurteil vom 4. April 2025, Az. 11 O 4205/23) wies eine vergleichbare Klage vollständig ab: Ein Verstoß gegen Art. 22 DSGVO liege nicht vor, weil der Kläger nicht nachweisen konnte, dass der Score die Entscheidungen seiner Vertragspartner maßgeblich bestimmt hatte. Einen weitergehenden Auskunftsanspruch zur Berechnungslogik verneinte das Gericht ebenfalls – auch unter Hinweis auf Geschäftsgeheimnisse. Das OLG München kündigte mit Hinweisbeschluss vom 23. Oktober 2025 (Az. 19 U 1468/25 e) an, die Berufung als aussichtslos zurückzuweisen.
4. Speicherfristen-Streit: OLG Köln vs. BGH – und was du trotzdem fordern kannst #
Das Thema Datenlöschung nach Schuldenbegleichung sorgte 2025 für den kontroversesten Rechtsstreit im SCHUFA-Recht. Das Oberlandesgericht Köln urteilte im April gegen die pauschale 3-Jahresfrist – und wurde wenige Monate später vom Bundesgerichtshof korrigiert.
Speicherdauer erledigter Zahlungsstörungen (ab Ausgleich)
Situation
Speicherdauer
Regelfall: Forderung bezahlt
3 Jahre
Forderung binnen 100 Tagen nach Einmeldung bezahlt, keine weiteren Negativdaten, keine Informationen aus Schuldnerverzeichnis oder Insolvenzbekanntmachungen
18 Monate
Besondere Umstände geben dem Löschungsinteresse im Einzelfall ein wesentlich überdurchschnittliches Gewicht
kürzer (Einzelfall)
Wichtig: Die 100 Tage laufen ab der Einmeldung bei der SCHUFA, nicht ab der ersten Mahnung. Die Daten findest du in deiner kostenlosen Datenkopie. Quelle: Verhaltensregeln der Wirtschaftsauskunfteien (genehmigt vom HBDI), vom BGH in I ZR 97/25 grundsätzlich bestätigt.
5. BGH 11.06.2026: SCHUFA-Auskunfts-Kosten im Inkasso — kein Verzugsschaden #
Mit zwei Parallelurteilen hat der VII. Zivilsenat des BGH am 11. Juni 2026 entschieden: Wenn ein Inkasso-Dienstleister vor Klageerhebung eine SCHUFA-Bonitätsauskunft einholt und die Kosten dem Schuldner in Rechnung stellt, ist das grundsätzlich kein ersatzfähiger Verzugsschaden nach §§ 280, 286 BGB.
6. Der neue SCHUFA-Score 2026: Was sich wirklich geändert hat #
Parallel zu den Urteilen hat die SCHUFA ihr eigenes System überarbeitet. Seit dem 17. März 2026 gilt eine neue Score-Skala – vermutlich auch als Reaktion auf den wachsenden rechtlichen Druck.
Neue Skala: 100 bis 999 Punkte
100–399
Kritisch
Kredit kaum möglich
400–599
Mäßig
Erhöhtes Ausfallrisiko
600–799
Gut
Gute Kreditwürdigkeit
800–999
Sehr gut
Niedrige Ausfallwahrscheinlichkeit
Zwölf offengelegte Kriterien und Punktwerte
Erstmals veröffentlicht die SCHUFA, welche 12 Kriterien in den Score einfließen – und wie viele Punkte jedes Kriterium höchstens bringt. Beispiele: Zahlungsstörungen bis 264 Punkte, Alter der aktuellen Adresse bis 94 Punkte, Alter der ältesten Kreditkarte bis 81 Punkte. Im SCHUFA-Account können Verbraucher nachvollziehen, wie viele Punkte sie je Kriterium erhalten. Das ist deutlich mehr als früher – ob es den gesetzlichen Auskunftsanspruch vollständig erfüllt, entscheiden letztlich Gerichte und der Gesetzgeber (BGH 21.10.2026, § 37a BDSG).
Alt vs. Neu: SCHUFA-Score im Vergleich
Merkmal
Alter Score (bis März 2026)
Neuer Score (ab März 2026)
Skala
0–100 % (Ausfallwahrscheinlichkeit)
100–999 Punkte (je höher, desto besser)
Kriterien
Nicht öffentlich kommuniziert
12 Kriterien mit maximalen Punktwerten veröffentlicht
Erklärbarkeit
Kaum möglich
Erklär-Tool im SCHUFA-Account
Branchenscores
Separate Scores für Bank, Handel etc.
Einheitlicher Score, Branchengewichtung intern
Hintergrund
EuGH-Druck ab 2023
Eigene Umstellung der SCHUFA nach den EuGH-Urteilen 2023/2025 (kein gesetzlicher Auftrag)
Ausblick: Was 2026 noch kommt – § 37a BDSG & BGH-Entscheidung am 21.10.2026 #
Zwei Entwicklungen stehen noch aus – und beide betreffen genau die Frage, wie transparent dein Score sein muss und was du dazu erfahren darfst.
7. Was du jetzt konkret tun kannst – deine Checkliste #
Kostenlose Datenkopie anfordern
Gehe auf meineSCHUFA.de → „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO" – kostenlos, sofort, jederzeit.
Alle Einträge auf Richtigkeit prüfen
Jede Zeile: Name, Gläubiger, Datum, Betrag, Status (erledigt/offen?). Falsche oder veraltete Einträge sind häufiger als gedacht.
Bezahlte Schulden melden und Einzelfall prüfen
Schicke den Zahlungsbeleg per Einschreiben an die SCHUFA. Die 3-Jahresfrist ist grundsätzlich zulässig (BGH, 18.12.2025, I ZR 97/25). 18 Monate gelten, wenn du binnen 100 Tagen nach Einmeldung bezahlt hast und keine weiteren Negativdaten vorliegen – prüfe dafür Einmelde- und Zahlungsdatum in deiner Datenkopie. Bei besonderen Umständen kannst du eine noch kürzere Speicherung verlangen. Fehlerhafte Einträge kannst du immer nach Art. 16/17 DSGVO anfechten.
Kreditablehnung anfechten
Wurde dir ein Kredit ausschließlich aufgrund des Scores abgelehnt? Frage die Bank, ob eine menschliche Prüfung stattgefunden hat. Wenn nicht: Antrag auf menschliche Überprüfung nach Art. 22 Abs. 3 DSGVO stellen.
Schadensersatz prüfen lassen
Hast du durch fehlerhafte oder intransparente Scores Kreditablehnungen oder finanzielle Nachteile erlitten? Verbraucherzentrale oder Rechtsanwalt um Einschätzung bitten.
Beschwerde bei Aufsichtsbehörde einreichen
Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) ist zuständig für die SCHUFA. Kostenlose Beschwerde möglich: datenschutz.hessen.de
Dein SCHUFA-Aktionsplan in 5 Schritten
So setzt du deine Rechte durch – Schritt für Schritt.
Fehler schriftlich anfechten — per Einschreiben + Beleg (Art. 16/17 DSGVO); die SCHUFA muss grundsätzlich innerhalb eines Monats antworten (Art. 12 Abs. 3 DSGVO).
Score-Neuberechnung verlangen — nach jeder Löschung explizit neu berechnen lassen.
Bei Ablehnung: SCHUFA-Ombudsfrau oder Beschwerde beim HBDI — die Ombudsfrau schlichtet kostenlos, wenn die Klärung beim SCHUFA-Privatkundenservice gescheitert ist; der HBDI (datenschutz.hessen.de) ist die zuständige Datenschutzaufsicht.
Finanzielle Engpässe überbrücken – ohne SCHUFA-Abfrage
Warte nicht auf einen besseren Score. Mit MyWage holst du dir bis zu 50 % deines Nettogehalts vorzeitig – ohne Kredit, ohne SCHUFA-Anfrage.
Gilt das EuGH-Urteil auch für bestehende Kreditablehnungen?
Rückwirkend ist das kompliziert. Für aktuelle und künftige Kreditanträge gilt das Urteil ab sofort. Ob alte Ablehnungen angefochten werden können, hängt von Verjährungsfristen und konkreten Umständen ab – Beratung durch Verbraucherzentrale empfohlen.
Muss ich einen Anwalt beauftragen, um Schadensersatz zu fordern?
Nicht zwingend. Für eine erste Einschätzung und außergerichtliche Geltendmachung reicht oft die Verbraucherzentrale. Für eine Klage solltest du einen auf Datenschutzrecht spezialisierten Anwalt hinzuziehen. Ob Prozesskostenhilfe gewährt wird, hängt nicht von einer bestimmten Schadensersatzhöhe ab, sondern insbesondere von deinen wirtschaftlichen Verhältnissen und den Erfolgsaussichten der Klage (§ 114 ZPO). Die bisher zugesprochenen Beträge (z. B. 1.000 € LG Bamberg, 3.000 € LG Bayreuth) sind Einzelfälle, keine Regelspanne – andere Gerichte haben vergleichbare Klagen abgewiesen.
Hat die SCHUFA gegen die Urteile Berufung eingelegt?
Teils. Gegen das Urteil des LG Bayreuth läuft die Berufung; die landgerichtlichen Urteile sind nicht rechtskräftig (Stand: Oktober 2026). Das ändert nichts daran, dass du deine Rechte nach DSGVO schon jetzt geltend machen kannst – unabhängig vom Ausgang der SCHUFA-Berufungsverfahren.
Was passiert, wenn die SCHUFA meine Löschungsanfrage ablehnt?
Gehe in dieser Reihenfolge vor: 1. Überprüfung beim SCHUFA-Privatkundenservice beantragen (mit Belegen). 2. Bleibt die Klärung erfolglos: die SCHUFA-Ombudsfrau einschalten – kostenlos, Voraussetzung ist der vorherige Klärungsversuch bei der SCHUFA. 3. Datenschutzbeschwerde beim Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) prüfen. 4. Gegebenenfalls anwaltlich prüfen lassen, ob eine Klage sinnvoll ist.
Verändert das neue Score-System von März 2026 wirklich meinen Score?
Ja, für viele Verbraucher wird der Score anders ausfallen – mal besser, mal schlechter, je nachdem welche der 12 Kriterien bei ihnen wie ausgeprägt sind. Im kostenlosen SCHUFA-Account kannst du deinen neuen Score und die Punkte je Kriterium selbst einsehen.
Was gilt für Inkasso-Einträge nach der BGH-Entscheidung?
Die allgemeine 3-Jahresfrist gilt auch für Inkasso-Einträge – der BGH hat das OLG-Köln-Urteil zur sofortigen Löschung aufgehoben. Kürzer sind es 18 Monate, wenn du die Forderung innerhalb von 100 Tagen nach der Einmeldung bezahlt hast, keine weiteren Negativdaten vorliegen und keine Informationen aus Schuldnerverzeichnis oder Insolvenzbekanntmachungen gespeichert sind (Verhaltensregeln der Wirtschaftsauskunfteien, seit 01.01.2025). Darüber hinaus kannst du im Einzelfall eine kürzere Frist argumentieren (besondere Umstände) und fehlerhafte Einträge jederzeit nach Art. 16/17 DSGVO anfechten. Schicke den Tilgungsnachweis per Einschreiben an die SCHUFA und fordere eine Prüfung an.
BGH 11.06.2026 — was bedeutet das neue Inkasso-Urteil für mich?
Mit Az. VII ZR 93/25 und VII ZR 96/25 hat der BGH entschieden: SCHUFA-Auskunfts-Kosten, die ein Inkasso-Dienstleister vor Klageerhebung berechnet, sind grundsätzlich kein ersatzfähiger Verzugsschaden nach §§ 280, 286 BGB. In den Originalverfahren wurden konkret 1,35 € und 1,61 € aberkannt — Beträge, die bislang oft kommentarlos mitbezahlt wurden.
Wer eine Inkasso-Rechnung mit einer Position „SCHUFA-/Bonitätsauskunft" erhält: schriftlich widersprechen und auf die Urteile vom 11.06.2026 verweisen. Musterbrief und Detail-Analyse findest du im Spezial-Artikel zum BGH-Urteil.
Was ändert sich am 20. November 2026 mit § 37a BDSG?
Der neue § 37a BDSG (Gesetz vom 12. Mai 2026) gilt ab 20. November 2026 und ersetzt § 31 BDSG. Er wirkt in zwei Richtungen: Einerseits erlaubt er ausdrücklich automatisierte Entscheidungen auf Basis von Scores – eine zusätzliche Ausnahme vom Verbot des Art. 22 DSGVO. Andererseits setzt er Grenzen und Rechte: Alter, Geschlecht, Name, Anschriftendaten, Daten aus sozialen Netzwerken und Kontoein- und -ausgänge dürfen nicht in den Score einfließen, Minderjährige dürfen nicht gescort werden. Auf Antrag musst du Auskunft über die genutzten Daten und Kriterien, die wesentlichen Gewichtungen, die Aussagekraft des Scores und dessen Empfänger erhalten. Gegen eine scorebasierte Entscheidung hast du das Recht auf Anfechtung, Darlegung deines Standpunkts und Entscheidung durch einen Menschen. Unabhängig davon verkündet der BGH am 21. Oktober 2026 (Az. I ZR 227/25 bis I ZR 230/25), wie weit der Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO reicht.
Über die Autorin
Monika Bauer
Verbraucherschutz-Redaktion, FLORIN+
Monika erklärt komplexe Verbraucherrechte und SCHUFA-/Inkasso-Themen so, dass Nicht-Juristen sie verstehen. Schwerpunkt: konkrete Zahlen + Musterbriefe statt Paragrafen-Lyrik.