ESG, SRI, PAB: Was steckt hinter den Abkürzungen?
Der Nachhaltigkeitsbegriff in der Geldanlage ist alles andere als einheitlich. Je nach Label gelten unterschiedlich strenge Kriterien:
| Label | Bedeutung | Strenge |
|---|---|---|
| ESG | Environmental, Social, Governance – Bewertung nach diesen Kriterien | Gering bis mittel |
| SRI | Socially Responsible Investment – harte Ausschlüsse ganzer Branchen | Hoch |
| PAB | Paris-Aligned Benchmark – CO₂-Reduktionspfad eingebaut | Sehr hoch |
| CTB | Climate Transition Benchmark – etwas weniger streng als PAB | Hoch |
ESG ist das am weitesten verbreitete Label. Es filtert Unternehmen nach einem Score – aber wer den Score berechnet und wie, variiert stark zwischen den Anbietern. Ölfirmen mit guter Unternehmensführung können trotzdem im ESG-Index landen.
SRI schließt ganze Branchen aus: Waffen, Tabak, Glücksspiel, fossile Brennstoffe. Der MSCI World SRI enthält dadurch nur etwa 350 statt 1.500 Unternehmen – eine deutlich konzentriertere Auswahl.
PAB (Paris-Aligned Benchmark) richtet die Portfoliostruktur auf das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens aus. Unternehmen müssen einen CO₂-Reduktionspfad aufweisen. Das ist der strengste Standard unter den gängigen ETF-Bezeichnungen.
Performancevergleich: ESG vs. Standard
Die häufigste Frage: Muss ich für Nachhaltigkeit auf Rendite verzichten? Die Antwort ist differenziert:
- 2019–2023: ESG-ETFs liefen überdurchschnittlich gut. Wenig Öl (das im Abschwung war), viel Tech (das boomte) – das kam ESG-Indizes zugute.
- 2024–2025: Underperformance. Rüstungsaktien (die ESG-Indizes ausschließen) stiegen stark. Einige große Tech-Werte fehlten in strengen ESG-Indizes.
- Langfristig: Kein konsistenter Performanceunterschied belegt. Die Datenlage ist zu kurz, um klare Aussagen zu machen.
2022 wurde Tesla aus dem S&P 500 ESG Index entfernt – trotz Elektroautos. Grund: schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Transparenz bei Unternehmensführung. Gleichzeitig sind einige Erdölkonzerne mit hoher Governance-Bewertung in ESG-Indizes vertreten. Das zeigt: ESG-Labels sind kein Qualitätssiegel im grünen Sinne, sondern eine multidimensionale Bewertung.
Top-3 ESG-ETFs für Langfristanleger
| ETF | TER | Replikation | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| iShares MSCI World SRI | 0,20 % | Physisch | Strenges SRI-Screening, ca. 350 Titel |
| Amundi MSCI World SRI | 0,18 % | Physisch | Günstigster SRI-Welt-ETF, sehr ähnlich zu iShares |
| Vanguard ESG Global All Cap | 0,24 % | Physisch | Sehr breite Diversifikation inkl. Schwellenländer |
ESG-ETFs vs. Standard-ETF: Was ist teurer?
ESG-ETFs haben in der Regel höhere Gesamtkostenquoten (TER) als ihre konventionellen Pendants. Der MSCI World Standard ist ab 0,12 % TER erhältlich, ESG-Varianten kosten 0,17 bis 0,50 % TER. Der Unterschied klingt gering, macht über Jahrzehnte aber hunderte Euro aus.
Beispiel: 10.000 Euro, 30 Jahre, 7 % Rendite. Bei 0,12 % TER: ca. 73.000 Euro. Bei 0,20 % TER: ca. 70.000 Euro. Differenz: knapp 3.000 Euro – allein durch den Kostenunterschied.
ESG-ETFs sind sinnvoll für Anleger, denen Nachhaltigkeit persönlich wichtig ist und die bereit sind, einen minimal höheren Kostenquotient zu akzeptieren. Wer rein auf Renditeoptimierung setzt, fährt mit dem günstigen MSCI World-Standard langfristig mindestens genauso gut.
Alle Angaben ohne Gewähr. ETF-Bezeichnungen und TER-Werte können sich ändern. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.